Tipps zum Glauben im Regal

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Positive Bilanz der dreijährigen Pilotphase zogen Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß, Pfarrer Stefan Axmann und die ehrenamtlichen Mitarbeiter gestern bei einem Pressegespräch im Kirchenladen an der Krämerstraße.

Hanau ‐ Nach Rosenkränzen fragen Besucher immer mal wieder, einer wollte auch einen Kanister Weihwasser, um sein neues Haus einzuweihen, sagt Pfarrer Stefan Axmann. Von Erwin Diel

Damit konnte der evangelische Kirchenladen an der Krämerstraße nicht dienen, denn Rosenkranz und Weihwasser gehören zum Angebot der katholischen Mitbewerber. Der Kirchenladen stehe zwar jedem offen, unabhängig vom religiösen Bekenntnis, er zeige aber evangelisches Profil. Und das wirkt offenbar so überzeugend, dass in den drei Jahren des Bestehens etwa 70 Besucher sich entschlossen, der evangelischen Kirche wieder oder neu beizutreten.

Das zunächst auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt zieht nach Angaben von Dekanin Claudia-Brinkmann Weiß zurzeit Bilanz. Die so genannte Evaluation, die die Fachhochschule Nürnberg wissenschaftlich begleitet, soll Argumente liefern, den Laden dauerhaft zu etablieren. Darüber werde die Synode des Kirchenkreises, zu dem 38 000 Christen der Gemeinden von Bergen-Enkheim über Maintal und Hanau bis Großkrotzenburg gehören, im März entscheiden. Etwa 12.000 bis 14.000 Euro hat sich der Kirchenkreis den Laden jährlich kosten lassen. Ein Aufwand, der sich gelohnt habe, sagt die Dekanin. Sie geht von einer Fortführung des Projektes aus.

20 Ehrenamtliche in dreistündigem Schichtbetrieb

Zumal der Kirchenladen nicht alleiniger Nutzer der Räumlichkeiten ist. Im rückwärtigen Teil haben die vier Innenstadt-Kirchengemeinde ihre Pfarrbüros zusammengelegt. Auch dieser Schritt gilt als Erfolg, weil jetzt längere Öffnungszeiten angeboten werden könnten und eine gegenseitige Personalvertretung gegeben sei.

Die Kirche und ihre Angebote näher zu den Menschen bringen war Ausgangsüberlegung, als am 19. Januar 2008 der Kirchenladen in der Fußgängerzone nahe dem Marktplatz seinen Betrieb aufnahm. Montags bis donnertags ist von 9 bis 18 Uhr geöffnet, freitags bis 15 Uhr und samstag bis 12 Uhr. Neben Pfarrer Stefan Axmann, dem Geschäftsführer, tragen 20 Ehrenamtliche die Arbeit in einem dreistündigem Schichtbetrieb.

Etwa 4000 Besucher registriert der Laden pro Jahr, im Schnitt 15 am Tag. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren, die Frauen sind deutlich in der Überzahl. Viele der Besucher wären den Weg zu einem Pfarramt nicht gegangen, sagt Axmann. Der Laden biete einen unverbindlichen Zugang. In einem kleinen Warenangebot mit kirchlichem Bezug aus Büchern, Kerzen oder Info-Broschüren können die Gäste stöbern, eine Tasse Kaffee, ein Glas Wasser trinken oder sich ausruhen.

600 Austritte wurden 2010 registriert

So komme man leichter ins Gespräch, sagt der Pfarrer. Fast beiläufig ergibt sich, dass die Leute Fragen haben, zur Kirchensteuer, zur Taufe, zur Konfirmation der Kinder, zur eigenen Heirat oder zu persönlichen Not- und Konfliktsituationen. Der Kirchenladen versteht sich auch als Anlaufstelle, die Wege weist zu weiterer Hilfe.

Mit 70 Neueintritten liegt der Kirchenladen, der einzige seiner Art in der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, hinter der Landeskirche in Kassel in der Tabelle der erfolgreichen Kircheneintrittsstellen auf dem zweiten Platz. Trotzdem verliert auch der Kirchenkreis weiter Mitglieder. 600 Austritte (inklusive Todesfälle) wurden 2010 registriert, 200 waren es im Jahr zuvor. Schlechte Schlagzeilen für die Kirche, etwa die Alkoholfahrt der Bischöfin Margot Käßmann, seien neben der Kirchensteuer eine Ursache.

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