„Tod ist immer noch ein Tabu“

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Monika Wiedemann und Petra Krahwinkel (links) unterstützen Mütter, die ihren Partner verloren haben, und zusätzlich zu ihrer Trauer auch Beruf und Kindererziehung bewältigen müssen.

Hanau - (dk) Stirbt ein Ehepartner im hohen Alter, so stehen die Hinterbliebenen vor der schwierigen Aufgabe, Trauerarbeit zu leisten. Von Christian Spindler

Verstirbt ein Ehepartner allerdings unverhofft in jungen Jahren und hinterlässt auch noch Kinder, so kommen zur tiefen Trauer über den schweren Verlust auch noch ganz andere Problemstellungen, mit denen die Betroffenen oft nicht alleine zurecht kommen. Die Katholische Familienbildungsstätte im Bangert bietet deshalb ab Donnerstag, 10. September, von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr für alle Interessierten einen Gesprächskreis zum Thema „Ich bin verwitwet, wie gelingt es mir, meine Kinder gut zu erziehen?“ Teilnehmen, so die Leiterin der Familienbildungsstätte, Petra Krahwinkel, kann jeder - unabhängig von Geschlecht und Konfession.

Es war ein sehr unterstützendes Angebot,“ berichtete eine der betroffenen Frauen – vorwiegend sind es Frauen, die den intensiven Austausch suchen - gestern bei der Vorstellung des Konzepts im Hanauer Dechant-Diel-Haus im Bangert 4. „Denn ich war plötzlich nicht mehr alleine mit meinen Sorgen.“

Wichtig, innere Sicherheit wieder zu bekommen

Monika Wiedemann, Diplom-Psychologin und Trauerbegleiterin, hat bereits seit 2007 in einer kürzlich erst beendeten Gesprächsgruppe die betroffenen Frauen behutsam durch die sich stellenden Aufgaben geleitet und weiß: „Es ist ganz wichtig, dass die Frauen wieder ihre innere Sicherheit bekommen.“ Die Gewissheit soll wachsen: „Wir schaffen das.“ Genau „diese Sicherheit wollen wir vermitteln“ in einer Situation, in der zunächst gar nichts mehr sicher scheint.

Oft ändere sich durch den Tod des Mannes das ganze Lebensumfeld. Haus oder Wohnung seien nicht mehr zu finanzieren, der Umzug stehe an und damit auch die Aufgabe des gewohnten sozialen Umfeldes. Die hinterbliebenen Frauen seien in solchen Fällen häufig dazu gezwungen, wesentlich mehr Zeit für die gewerbliche Arbeit aufzuwenden, um den Lebensunterhalt zu sichern. Zeit, die dann wieder bei den Kindern fehle, die in der Regel auch vom Verlust eines Elternteils überfordert seien.

In Schule oder Kindergarten, so die Erfahrung im Gesprächskreis, werde der Tod des Vaters oder der Mutter oftmals verheimlicht. Manchmal aus Angst, ausgegrenzt zu werden, manchmal aus Scheu, das Unfassbare auszusprechen und damit zur unumstößlichen Tatsache werden zu lassen.

Betroffene und Interessierte können sich unter der Rufnummer 06181/9232311 bei Petra Krahwinkel weitergehend informieren oder für den Gesprächskreis anmelden.

Die verwitwete Mutter eines jugendlichen Sohnes berichtete von den Schwierigkeiten, sich selbst als Familienoberhaupt zu behaupten, da sich der männliche Nachwuchs plötzlich als Mann im Haus gefühlt habe.

Verständliche Umstände und Entwicklungen zwar, die der gesunden Entwicklung der jungen Persönlichkeiten aber keineswegs zum Vorteil gereichen.

In der Gesprächsgruppe, so Monika Wiedemann, „werden diese Themen sehr viel klarer.“ Und wichtiger Teil der Arbeit in den Gruppen ist auch, wie Kinder den Tod eines Elternteils „zu formulieren lernen.“

Auf der Internetseite der FBS sind auch die Angebote der Familienbildungsstätte für alle anderen familiären Problembereiche einsehbar.

Im Fortgang sei es dann auch an den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, die zu diesem Thema bestehenden Defizite aufzuarbeiten und einen offeneren Umgang mit dem Sterben anzustreben. Denn „Tod ist eben immer noch ein gesellschaftliches Tabu“.

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