Auswege aus der Isolation

Pfarrer Werner Gutheil leitet des Trauerzentrum.
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Pfarrer Werner Gutheil leitet des Trauerzentrum.

Hanau - Was ist, wenn ein Todesfall uns trifft? Was ist, wenn Trauer zu Depression wird? Fragen, bei denen das Hanauer Trauerzentrum an der Rhönstraße Hilfe anbietet. Seit zwei Jahren hat das Zentrum, das vom Bistum Fulda finanziert wird, hier zwei Wohnungen angemietet. Von Matthias Grünewald

„Trauerarbeit ist Lebensarbeit“, sagt Pfarrer Werner Gutheil, der einst auch als Klinikseelsorger in Hanau wirkte. Vielfältige Angebote, für Einzelberatungen oder Gruppen finden hier statt. Zum einen, um Gelegenheit zum Trauern zu geben, zum anderen aber auch, um Wege zurück ins Leben zu finden. „Café Hoffnungsschimmer“ nennt sich so eine Gelegenheit zum Treffen und Austauschen jeden zweiten Montag.

„Trauernde neigen dazu, sich zu isolieren“, sagt Gutheil. Reden und Gemeinsamkeit praktizieren sei daher eine gute Möglichkeit, aus der Isolation heraus zu finden. Besonders Wochenenden seien eine schwierige Zeit. „Alte soziale Bindungen funktionieren nach dem Verlust eines Partners häufig nicht mehr in der gewohnten Form“, so der Seelsorger. „Verwitwete Frauen werden nach dem Tod ihres Mannes plötzlich als Konkurrentinnen wahrgenommen.“ Neue Kontakte müssen gelernt werden. „Der Schmerz bleibt“, sagt Gutheil, „aber man kann lernen, mit der Situation zurecht zu kommen.“

Neben dem Café gibt es auch Kreativtreffs und mehrere Kochgruppen, die sich in der Rhönstraße treffen und über gemeinsames Tun Trauerarbeit leisten. Darüber hinaus bietet das Zentrum Einzelberatungen und Gespräche an. Seit der Eröffnung wurden laut Statistik die 66 Veranstaltungen von 776 Menschen besucht, sowie 391 Einzelgespräche geführt. Allein seit Januar diesen Jahres suchten 108 Personen Hilfe im Trauerzentrum.

Literaturauswahl zur Trauerarbeit

Der Wirkungskreis des Trauerzentrums geht dabei weit über Hanau hinaus und unterstützt auch Menschen in Gelnhausen, Salmünster, Schlüchtern oder Fulda, Orte, in denen sich ebenfalls ein „Café Hoffnungsschimmer“ etabliert hat. „90 Prozent der Besucher der Einrichtung haben keine Verbindung mehr zu einer Kirchengemeinde“, so Gutheil. Das bundesweit einmalige Hanauer Trauerzentrum wird mit einer Vollzeitstelle unterhalten und bietet auch Ausbildungen zum Trauerbegleiter an. Mehr als 40 Menschen besuchten im vergangenen Jahr diese Fortbildung.

Mit einer Präsenzbibliothek bietet die Einrichtung zudem eine Literaturauswahl zur Trauerarbeit. Interessierte können sich hier informieren und die Buchtitel über das Zentrum bestellen, die versandkostenfrei nach Hause geliefert werden. Neu ist zudem eine Internetplattform. Diese will nicht nur Veranstaltungskalender sein, sondern mit zahlreichen Unterfunktionen Ratgeber für Hilfesuchende. Weitere Infos zum Angebot, das Gruppen für trauernde Eltern und Kinder ebenso miteinschließt wie Gesprächskreise für Hinterbliebene nach Suizid, unter der Telefonnummer 06181/4289844.

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