Tristesse in Hanaus Freibädern

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Nach verheißungsvollem Beginn droht mieses Wetter die Bilanz der Hanauer Bäder GmbH zu verhageln: Personal baut Überstunden ab

Hanau - Bis zum ersehnten Sprung ins kühle Nass muss man sich ein wenig gedulden. Denn vor dem Sprungturm am Freibecken des Heinrich-Fischer-Bades hat sich eine Schlange gebildet. Oder? Von Dirk Iding

Im großzügigen Kinderbereich plantschen die Kleinen und auf der weiten Liegewiese wird es langsam eng. So könnte er aussehen, ein perfekter Tag in einem der beiden Hanauer Freibäder - wenn, ja wenn das Wetter mitspielen würde.

Das aber tut es bekanntlich seit einigen Wochen nicht mehr. Nach einem verheißungsvollen Auftakt mit Sonnenschein und hohen Temperaturen, die die Hanauer Bäder GmbH dazu veranlassten, den Freibadebetrieb im Heinrich-Fischer-Bad bereits Mitte April zu starten, droht die Saison nun ins sprichwörtliche Wasser zu fallen. In beiden Hanauer Freibädern herrscht gähnende Leere. „Wenn in diesen Tagen nicht zumindest das Hallenbad des Heinrich-Fischer-Bades geöffnet hätte, würden die Besucherzahlen wohl gegen Null tendieren“, konstatiert Joachim Haas-Feldmann, Sprecher der Hanauer Beteiligungsholding, zu der seit Januar auch die Hanau Bäder GmbH gehört. Davor war der Bäderbetrieb ein Geschäftsfeld der Stadtwerke Hanau.

Dank des Hallenbades kann das Heinrich-Fischer-Bad derzeit zumindest 400 bis 500 Schwimmgäste täglich verzeichnen. Ganz trüb sieht es hingegen im Großauheimer Lindenaubad aus, dessen Schwimmhalle derzeit wegen Revisionsarbeiten geschlossen ist (Bericht unten). Dort sind nur noch einige „hartgesottene Frühschwimmer“ und tagsüber lediglich ganz vereinzelt versprengte Badegäste anzutreffen.

Flexible Verträge mit Dienstleistern

Eine gute Gelegenheit, für das fest angestellte Personal des Henrich-Fischer-Bades, Überstunden abzubauen. Und auch die Verträge mit einigen externen Dienstleistern sind nach Auskunft von Holding-Sprecher Haas-Feldmann so flexibel gestaltet, dass ihre Hilfe witterungsabhängig in Anspruch genommen werden kann.

Die Bäder, wie in anderen Kommunen bereits praktiziert, angesichts des miesen Wetters stundenweise oder gar ganztägig zu schließen, darauf wird in Hanau verzichtet. „Es wäre unseren Gästen nur schwer zu vermitteln, ab wann die Bäder wieder geöffnet wären“, meint der Holding-Sprecher.

Nun setzen die Verantwortlichen alle Hoffnungen darauf, dass der Sommer doch noch einmal mit Macht zurückkehrt und die Badesaison noch wenigstens halbwegs gerettet werden kann. Dabei hatte es im Frühjahr noch so hervorragend ausgesehen. Dank des Super-Frühlings und der parallelen Öffnung von Frei- und Hallenbädern haben die Bäderbetriebe zwar bislang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch immer ein Besucherplus von rund 10 000 Badegästen zu verzeichnen, doch die letzten Wochen waren für die Bäderbetriebe ein Schlag ins Kontor. Wie schnell sich das Blatt aber auch wieder wenden kann, hat beispielsweise der „heiße“ 28. Juni gezeigt. Damals kamen mehr als 3000 Badegäste ins Heinrich-Fischer-Bad und über 2000 Kunden ins Großauheimer Lindenaubad. Bis es vielleicht mal wieder soweit ist, haben die Verantwortlichen zumindest einen kleinen Trost: Dank des schlechten Wetters hat sich die Zahl der Saunagäste im Heinrich-Fischer-Bad gut verdreifacht: Nutzen an schönen Sommertagen allenfalls rund 20 Gäste die Sauna, sind es derzeit rund 60 bis 70 Kunden täglich.

Zuletzt zählten die beiden Hanauer Bäder durchschnittlich rund 320 000 Besucher jährlich. Das Defizit aus dem Bäderbetrieb lag im vergangenen Jahr bei knapp 3,3 Millionen Euro.

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