Feriengespräch

Tüftler mit Durchhaltevermögen: Erich Wild ist Maurer, Polizist, Häuslebauer, Spurensucher

Erich Wild war gerne Polizist und weiß aus seiner Polizeivergangenheit Spannendes zu erzählen.
+
Erich Wild war gerne Polizist und weiß aus seiner Polizeivergangenheit Spannendes zu erzählen.

Es ist Erich Wild in seinem Leben schon oft zugutegekommen, dass er ein handwerklich geschickter Tüftler und Bastler ist – und zudem ein hartnäckiger Mensch mit Durchhaltevermögen. Zwei Häuser hat er selbst erbaut oder mitgebaut, für einen Brunnen, den er unbedingt bohren wollte, eigens eine Bohrvorrichtung mit Schneckengetriebe ausgetüftelt („das war eine technische Meisterleistung“, kommentiert er sein Werk von damals). Doch Wild scheute auch nicht davor zurück, sich mit der Obrigkeit anzulegen, wie er in unserem Feriengespräch berichtet.

Hanau – Wilds Wohnung an der Philippsruher Allee verfügt nicht nur über eine üppige Blumenpracht im Außenbereich – „das Werk meiner Frau“ – sie zeugt auch von Wilds Vergangenheit. Besonders stolz ist er auf das Diplom, das er sich als Absolvent der Polizeifachschule gegen Widerstände erkämpft hat.

Ein offensichtliches Versäumnis in der Bürokratie hatte dazu geführt, so weiß Wild noch wie heute, dass er an der höheren Polizeifachschule jahrelang büffelte, um fit zu werden in Verwaltungsrecht und Staatsbürgerkunde. Als ihn später die Kollegen, die nicht zur Fachschule gegangen waren, um bis zu drei Gehaltsstufen überholten und er nicht bedacht wurde, ging er mit seinen Protestschreiben bis zum Innenminister. So sei er schließlich zu seinem Recht gekommen, sagt er schmunzelnd.

Eigentlich hatte Wild den Beruf des Maurers erlernt und sich in Bauzeichnen und Statik weitergebildet. Auf Anregung eines Bekannten bewarb er sich bei der Polizei und trat mit 22 Jahren in den Dienst der Hessischen Landespolizei, wo er alle Fachbereiche durchlief.

Als Ermittlungsgruppenleiter in einer Frankfurter Polizeistation habe er 41 Autoaufbrüche aufgeklärt, rühmt er sich rückblickend mit dem Hinweis auf die damals noch nicht zur Verfügung stehenden modernen technischen Methoden, und manchen spektakulären Einsatz erlebt.

Los ging es schon 1963, als Wild, inzwischen Vater eines Sohnes, im Streifendienst an die Bruchköbeler Landstraße gerufen wurde, weil aus dem Hanauer Schlachthof ein Bulle ausgebrochen war. Da er als Kind mit der Landwirtschaft der Großeltern aufgewachsen war, hatte er keine Berührungsängste und streckte den Bullen mit einem Schuss hinter die Ohren nieder.

Eine erfreulichere Geschichte ist die Suche nach einem verschwundenen Sechsjährigen, der ebenfalls in den 60er Jahren nach einer Feier von Familien aus Offenbach und Frankfurt im Steinbruch Am Schwarzhaupt in Erlensee abhandenkam.

Dem Ausnahmefährtenhund „Prinz“ verdanken Wild und die Familien die rasche Aufklärung: Der Hund hatte in einem Maulwurfshügel den Fußabdruck des Jungen erschnüffelt und war dessen Spur dann bis in einen Straßengraben gefolgt, wo der Vermisste schlafend aufgefunden wurde.

Abenteuerlich klingt hingegen die Geschichte Wilds von seinem Einsatz in Berlin, wo er nach dem Tod von Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann und der Entführung von Konrad Lorenz die Kollegen in der heutigen Hauptstadt im Kampf gegen die Rote Armee Fraktion (RAF) unterstützen sollte. Auch die Fahrt durch den Offenbacher Wald „mit unseren VW-Bussen über Stock und Stein“, nachdem es eine Drohung der RAF gegeben habe, mit einer Sam6-Rakete ein Zivilflugzeug abzuschießen, mag man kaum glauben.

Doch das ist alles lange her. Seit seiner Frühpensionierung wegen eines Knalltraumas beim Schießtraining im Jahr 1986 hat Wild das Leben genießen können. 20 Jahre lebte er mit seiner Frau in Spanien an der Costa Blanca und unternahm viele Reisen in ferne Länder. 2018 verkaufte er sein Haus in Spanien und zog mit seiner Frau Maria zurück in die Brüder-Grimm-Stadt, ins Betreute Wohnen an der Philippsruher Allee. Zurück in Hanau schließt sich der Kreis für den 86-Jährigen. Er und seine Frau gehen auf in der Arbeit im 840 Quadratmeter großen Garten, aus dem sie sich mit eigenem Obst und Gemüse versorgen.

Also kann Wild, der mit seinen 86 Jahren noch fit und munter ist, zufrieden sein mit seinem Leben. Schade findet er nur, dass er keine Enkelkinder hat, mit denen er wie damals mit seinem Sohn hätte paddeln oder Skifahren gehen können.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare