„Zeit, wutbürgerlich zu agieren“

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Die bevorstehende Bebauung des Freiheitsplatzes hat auch ihre Kritiker. Sie setzen sich für den Erhalt des Baumbestandes ein. Neubauten sollten auf den Umfang des jetzigen Bestandes beschränkt bleiben.

Hanau - Die Gegner des Hanauer Stadtumbaus machen mobil. Sie rufen zu Aktionen angesichts des bevorstehenden Baubeginns auf dem Hanauer Freiheitsplatz auf. Von Dieter Kögel

Denn „was hier gebaut wird, das geht vollkommen an den Bedürfnissen der Menschen in Hanau vorbei,“ hieß es am Montagabend bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung der „Kritiker des Wettbewerblichen Dialoges“ im DGB-Jugendheim am Freiheitsplatz. Doris Werder und Heide Skrypalle von der gastgebenden Initiative erneuerten vor rund 40 interessierten Gästen die Gründe für die ablehnende Haltung insbesondere gegen den Verkauf und die großflächige Bebauung des Freiheitsplatzes.

Sie erwarten dadurch eine eklatante Verschlechterung des Stadtklimas und die „unwiederbringliche Zerstörung eines seltenen Platzgebildes“ durch standardisierte Architektur, wie sie in jeder Stadt zu finden sei. Und was die Kritiker auch erzürnt, ist der Verkauf der öffentlichen Fläche im Herzen der Stadt. „Dieser Platz ist der Stadt dann auf Dauer verloren. Das ist ein Irrsinn.“

Skrypalle und Werder erinnerten an die über zwei Dutzend Planungsvorschläge, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Thema Freiheitsplatzumgestaltung entstanden seien. Allen Planungen sei eigen gewesen, den Freiheitsplatz in eine grüne Zone zu verwandeln, die von einem hohen Aufenthaltswert für die Menschen geprägt gewesen sei. Ein Brunnen nach einer Planung von August Gaul als Herzstück des Westteils, ein Veranstaltungspavillon als zentraler Punkt im Ostteil des Freiheitsplatzes unterstreichen in einer der Planvarianten den Erholungs- und Freizeitcharakter des Platzes.

„Zupflasterung der Freiheit“

Keine dieser Planungen sei jedoch je ernsthaft diskutiert worden, stattdessen habe man die planerische Hoheit mit dem Wettbewerblichen Dialog und dem Verkauf des halben Freiheitsplatzes vollkommen aus der Hand gegeben, kritisieren die Umbaugegner, die bei dem gesamten Verfahren auch die Entscheidung der Bürger außen vor sehen.

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„Was jetzt passiert, ist die Zupflasterung der Freiheit,“ so ein Besucher am Montagabend. Letztlich sei „der Bürger der Verlierer, und der Investor der Gewinner.“ Deshalb sei es nun an der Zeit, „ein bißchen wutbürgerlich zu agieren“, hieß es in der Runde. Bereits am kommenden Samstag soll um fünf vor Zwölf mit einer fantasievollen Aktion der Protest gegen die Abholzung der Bäume auf dem Freiheitsplatz an dem Areal gegenüber des Karstadt-Barthel-Komplexes erneut Ausdruck finden. Die Innenstadt AG des Hanauer Sozialforums lädt für Sonntag, 14 Uhr, zu einem alternativen Stadtrundgang ein. Treffpunkt ist der Schlossplatz vor dem Congress Park Hanau.

Mit einer großen Protestkundgebung wollen die Umbaugegner am kommenden Montag die um 17 Uhr beginnende Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus Wolfgang begleiten. Dort sollen am 30. Januar die parlamentarischen Weichen für den Baubeginn gestellt werden. Bereits um 16 Uhr soll die Kundgebung beginnen.

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