Bauarbeiten

Umfangreiche Sanierungen an der Hanauer Marienkirche

Pfarrerin Heike Mause und Architekt Matthias Frischmuth vor der Hanauer Marienkirche
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Sie haben sich etwas Großes vorgenommen: Pfarrerin Heike Mause und Architekt Matthias Frischmuth gaben unserer Zeitung einen ersten Überblick über die notwendigen Sanierungsmaßnahmen.

Der Bauzaun steht schon. Doch das ist erst der Anfang. Insgesamt will die evangelische Stadtkirchengemeinde in Hanau die Marienkirche umfangreich sanieren.

Hanau – Sie ist die älteste Kirche Hanaus und ihr Chorraum war das einzige Gebäude in der Altstadt, das die verheerenden Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs überstand – wie durch ein Wunder. Und obwohl viele Teile aus den Nachkriegsjahren stammen, ist die Kirche in die Jahre gekommen: der Putz bröckelt, Feuchtigkeit setzt der Fassade zu und auch das Schieferdach zeigt Schäden. Nun will die Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau die Sanierung in Angriff nehmen. Dafür braucht sie kein Wunder – aber jede Menge Geld.

Erstes sichtbares Zeichen für das umfangreiche Vorhaben ist der Bauzaun, der seit einigen Wochen die Marienkirche umspannt. Er diene der Verkehrssicherheit, erläutern Pfarrerin Heike Mause und Architekt Matthias Frischmuth im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn bei Stürmen fielen in der Vergangenheit immer wieder Schieferplatten vom Dach, teils stoppte sie der Schneefang, teils krachten sie aber auch auf den Boden vor der Kirche. Eine genauere Betrachtung durch ein Dachdeckerunternehmen ergab schließlich, dass es mit ein paar neuen Platten nicht getan wäre – das Dach muss erneuert werden.

Minderwertiger Schiefer könnte beim Wiederaufbau der Marienkirche in Hanau verwendet worden sein

Die Strebepfeiler haben auch gelitten.

Im Prinzip hielten Schieferplatten durchaus bis zu 100 Jahre, wenn die Qualität des Schiefers hoch und der Dachstuhl ordentlich gebaut sei, erläutert Architekt Frischmuth. Er hält es daher für möglich, dass beim Wiederaufbau der Marienkirche in den Jahren 1949 bis 1956 Schiefer von minderer Qualität benutzt wurde – weil wahrscheinlich nichts Besseres verfügbar war; außerdem ist er überzeugt, dass erhaltengebliebene Platten aus der Vorkriegszeit wiederverwendet wurden und deshalb deutlich älter sind. Immerhin seien die in der Nachkriegszeit gebauten Dachstühle weitgehend intakt, eine grundsätzliche Sanierung damit nicht notwendig.

Problemzone Nummer zwei ist laut Mause und Frischmuth die Fassade: der Putz bröckelt an vielen Stellen der Kirchenaußenwände. Vor allem dort, wo Regenwasser von oben beziehungsweise Feuchtigkeit von unten ihre Spuren hinterlassen haben oder eingedrungen sind – Strebepfeiler, Gesimse, Fenstergewände sowie Sohlbänke und Sockelzonen –, hat der Zahn der Zeit an der Substanz zum Teil ganz ordentlich genagt. Grund genug also für eine Frischzellenkur, so wie sie der Turm der Marienkirche vor einigen Jahren bereits erhalten hat. Derzeit sei man noch bei der Schadensfeststellung, sagen Mause und Frischmuth. Seien die Schäden am Schieferdach und am Putz augenscheinlich, werde die Kirche in den kommenden Monaten auf weitere Mängel kontrolliert. Beispielsweise sollen die Verglasungen, insbesondere die Rahmenbauteile, einer Überprüfung unterzogen werden. Darüber hinaus auf der Checkliste: möglicher Schädlingsbefall im Kirchenschiffdachstuhl, ebenso mögliche Schadstoffbelastung. Und auch der Zustand der Laufgänge, Treppen und Leitern in den Dachstühlen wird unter die Lupe genommen, ebenso wie die Entwässerungskanalleitungen. Und auch zum Brandschutz soll es eine gutachterliche Einschätzung geben.

Belastbare Kostenberechnung ist für 2021 zu erwarten

Frischmuth hofft, im Frühjahr 2021 eine belastbare Kostenberechnung in den Händen halten zu können. Wenn dann die ungefähre finanzielle Hausnummer klar ist, geht es an die Finanzierung. Da sind natürlich in erster Linie der Kirchenkreis Hanau und die Landeskirche mit im Boot, außerdem die Stiftung Präsenz zu Hanau. Auch Kontakt zur Stadt Hanau habe sie bereits Kontakt aufgenommen, sagt Mause. Darüber hinaus wird es wohl auch einen Spendenaufruf der Stadtkirchengemeinde geben, um einen Teil der Sanierung zu finanzieren. Der Baubeginn wird dann vom Stand der Finanzierung abhängen. Geplant sind deshalb mehrere Bauabschnitte.

Weil die Marienkirche im engen Gassengewirr der Altstadt liegt, wird die Baustelle zu einer logistischen Herausforderung. Die Zufahrt für Feuerwehr und Müllabfuhr muss gewährleistet sein, die Anwohner müssen ihre Wohnungen erreichen können und gleichzeitig brauchen die Gewerke Platz für ihr Baumaterial. Viel Aufwand also, damit Hanaus älteste Kirche in ein paar Jahren wieder frisch und neu aussieht.

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