15 Minuten bis der Arzt kommt

Umstrukturierung in der Notaufnahme des Klinikums

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Der neuer Chefarzt der Klinikum-Notaufnahme, Dr. Florian Unbehaun, hat sich hohe Ziele gesetzt.

Hanau - Mit 38.000 Patienten im Jahr ist die Notaufnahme die größte Station am Klinikum Hanau. Doch immer wieder kommt es ob langer Wartezeiten und schlecht koordinierten Abläufen zu Kritik. Auch hausintern. Nun sollen durch Umstrukturierungen und personelle Aufstockung Verbesserungen sowohl für Patienten als auch für Angestellte eintreten. Von Steffen Müller

Eine zentrale Rolle bei der Umstrukturierung spielt Dr. Florian Unbehaun, der die neu geschaffene Stelle als Chefarzt in der Notaufnahme seit Anfang des Jahres bekleidet und damit nach Einschätzung von Klinik-Geschäftsführer Dr. André Michel einen der „schwersten Jobs am Krankenhaus hat“. Denn: Die Notaufnahme sei nicht nur von den Patienten her gesehen der größte Bereich, sie bündele auch alle Fachabteilungen und erfordere dadurch ein hohes Maß an Koordination und Durchsetzungsvermögen. Attribute, die Michel an Unbehaun schätzt, der bereits seit 2013 als Oberarzt in der Notaufnahme gearbeitet hat und nun zum Chefarzt befördert wurde. Und eine Menge Arbeit vor sich hat.

Denn das Klinikum hat sich als Ziel gesetzt, dass ein Patient, der in die Notaufnahme kommt, spätestens nach 15 Minuten von einem Arzt gesehen wird und nach einer Ersteinschätzung in eines der drei Wartezimmer für unterschiedliche Patientengruppen eingeteilt wird. Bisher konnte durch diese Maßnahme die Wartezeit um 30 Minuten gesenkt werden, berichtet Unbehaun. Allerdings verbringen Patienten für ihre Behandlung im Durchschnitt immer noch 3,5 Stunden in der Notaufnahme. In der Summe aller Patienten fallen 1 000 Wartestunden im Monat an.

Dies hängt auch damit zusammen, dass etwa 50 Prozent aller Patienten kein Fall für die Notaufnahme sind, sondern eigentlich von einem Haus- oder einem Facharzt behandelt werden müssten, da es sich um keinen Notfall handelt. Einen Vorwurf macht Klinik-Geschäftsführer Michel den Patienten allerdings nicht. Auch eine Mutter mit ihrem Kind, das Fieber hat, habe das Bedürfnis, einen Arzt zu sehen und in Deutschland herrsche nun mal das Recht der freien Arztwahl. Und in der Notaufnahme gilt: Wer kommt, wird auch behandelt. Rund 100 bis 140 Patienten sind es täglich.

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Um diesen Patienten eine schnellere Versorgung anbieten zu können, hat das Klinikum vor allem personell aufgestockt. 30 statt 26 Pflegekräfte arbeiten mittlerweile in der Notaufnahme und es stehen auch mehr Ärzte zur Verfügung. Zwölf Mediziner aus allen Fachrichtungen arbeiten rund um die Uhr in der Notaufnahme. Auch die Sprechstundenzeiten der einzelnen Fachärzte wurden verlängert. Stand ein Neurologe früher nur von 9 bis 15 Uhr permanent bereit, ist die Neurologie in der Notaufnahme mittlerweile 24 Stunden besetzt.

Die Mitarbeiter der Notaufnahme wurden bei der Umstrukturierung mit einbezogen, auch um hausinterner Kritik entgegenzuwirken. Daher wurde ein Arbeitskreis gebildet, dem sowohl Ärzte als auch Pflegepersonal angehörten. Ein Ergebnis des Arbeitskreises war unter anderem, dass alle Krankenpfleger in der Notaufnahme geschult und weitergebildet wurden, um alle Fachrichtungen abdecken zu können. Sie sollen nicht mehr nur Experte auf einem Gebiet sein. So kann jede Pflegekraft bei der Versorgung jedes Patienten unabhängig von dessen Krankheit helfen und so die Wartezeit in der Notaufnahme verkürzen.

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