„Frieden ist kein Naturgesetz“

Ausstellung beleuchtet Großauheim zur Zeit des Ersten Weltkrieges

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Marc Küter, Björn Zilg, Duygu Bayram, Selin Kurtulus und Yoursu Rahbaoui (v. l.) gehören zu den Schülerinnen und Schülern der Lindenauschule, die sich im Wahlpflichtkurs „Hanau 1914“ intensiv einbringen. Hier begutachten sie zwei Original-Soldatenhelme.

Großauheim - Das Museum Großauheim ist ab Sonntag Schauplatz einer bemerkenswerten Ausstellung. „Von Hoffnung, Angst und Hunger – Großauheim im Ersten Weltkrieg“ lautet der Titel der sehenswerten Präsentation. Von Dirk Iding 

Feldpostkarten- und briefe geben einen Eindruck vom Leben an der Front und in der Heimat.

Das Besondere: Schülerinnen und Schüler der Lindenauschule haben ganz wesentliche Vorarbeiten für diese Ausstellung geleistet. Seit vier Jahren gibt es an der Lindenauschule den ursprünglich aus einem Geschichte-Leistungskurs entstandenen Wahlpflichtkurs „Hanau 1914“ für die Klassen 9 und 10. Damals gegründet mit Blick auf den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, hatten es sich Schüler und Lehrer zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie der Krieg das Leben der Menschen von damals veränderte und welche Auswirkungen er auf den Alltag in Großauheim hatte.

Zahlreiche historische Aufnahme, wie diese aus dem Großauheimer Kriegslazarett, sind in der Ausstellung zu sehen.

Mit Unterstützung von Zeitzeugen und deren Nachfahren, des Großauheimer und des Hanauer Geschichtsvereins, des Hanauer Stadtarchivs und des Staatsarchivs in Marburg haben die Schülerinnen und Schüler zahlreiches Material wie Tagebuchaufzeichnungen, Feldpostbriefe und persönliche Erinnerungen auswerten können. Nachdem Lindenauschüler bereits vor zwei Jahren die damalige Sonderausstellung des Hanauer Geschichtsvereins „Hanau in feldgrauer Zeit – Stadt und Garnison Hanau im Weltkrieg 1914/18“ im Rahmenprogramm mit einer Lesung aus Feldpostbriefen bereichert hatten, entstand die Idee, die Recherchen der Schüler in eine eigene Ausstellung einfließen zu lassen. Konzipiert und realisiert wurde die Ausstellung, die am Sonntag um 16 Uhr mit einem Festakt im Bürgerhaus „Alte Schule“ eröffnet wird, als Gemeinschaftswerk der Lindenauschule mit dem Heimat- und Geschichtsverein Großauheim und dem Museum Großauheim. „Eine Kooperation wie es sie bis dato noch nicht gab, wie ich sie mir aber durchaus öfters wünsche“, lobte Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei einer Vorabbesichtigung der Ausstellung gestern.

Von Seiten des Geschichtsvereins waren Wolfgang J. Hombach und Dr. Bertold Picard ganz wesentlich in die Arbeiten eingebunden. Sie zeigten sich begeistert vom Engagement der Schülerinnen und Schüler, für die der Umgang mit den historischen Quellen freilich nicht ganz einfach war. Um beispielsweise Feldpostbriefe lesen zu können, mussten sie zunächst die Sütterlinschrift erlernen und dann stießen sie in den Briefen häufig auf Ausdrücke, die ihnen überhaupt nicht geläufig waren.

Auch liegen die Ereignisse von damals außerhalb der Vorstellungskraft junger Menschen von heute. „Wir kennen den Krieg ja nicht. Aber wir haben versucht, uns in die Ängste der Frauen und Mütter um ihre Männer und Kinder hineinzuversetzen“, erzählt die Schülerin Duygu Bayram. Umso betroffener mache es sie heute, wenn sie von den Erlebnissen syrischer Mitschülern höre, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen seien. Gerade diesen aktuellen Aspekt betont auch Wolfgang J. Hombach: „Dies ist nicht nur eine historische Austellung, sondern in diesen Tagen auch eine hoch politische.“ Ähnlich sieht es Oberbürgermeister Kaminsky: „Die Ausstellung zeigt, dass Frieden und Rechtsstaatlichkeit keine Naturgesetze sind und wohin das Beharren auf rein nationalen Interessen führen kann.“

Die Ausstellung „Von Hunger, Angst und Hoffnung – Großauheim im Ersten Weltkrieg“ ist bis zum 30. Oktober jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie zu den verschiedenen Veranstaltungen im umfangreichen Rahmenprogramm geöffnet. Weitere Infos unter www.museen-hanau.de.

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