80 Prozent Feuerbestattungen

Unter Bäumen oder im Kolumbarium: Elf verschiedene Grabarten sind auf den Hanauer Friedhöfen möglich

Auch die Bestattung unter Bäumen ist auf dem Süd-Friedhof seit einigen Jahren möglich.
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Auch die Bestattung unter Bäumen ist auf dem Süd-Friedhof seit einigen Jahren möglich.

Abschied nehmen ist schwer, vor allem, wenn es ein Abschied für immer ist. Nach dem Tod eines geliebten Menschen befinden sich die Angehörigen meist im Ausnahmezustand.

Hanau - Und dann stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie wird der geliebte Mensch bestattet? Im Familiengrab, Reihen- oder Rasengrab, zu Fuße eines Baumes oder in einer Urnenwand? Die Möglichkeiten zur Bestattung sind im Gegensatz zu früher deutlich vielfältiger geworden.

Elf verschiedene Grabarten gibt es auf den Hanauer Friedhöfen. Neun davon sind auf dem Friedhof Steinheim-Süd möglich, wo Alexandra Kinski, Abteilungsleiterin Hanauer Friedhöfe und Krematorium, und ihr Stellvertreter Thomas Asbach bei einem Rundgang die Bestattungsformen erläutern.

Hanau: Fast 80 Prozent aller Begräbnisse sind Feuerbestattungen

Auf dem 5,3 Hektar großen Süd-Friedhof gibt es derzeit 1381 belegte Gräber. „In den 1980/90er Jahren gab es noch 80 Prozent Erdbestattungen“, erinnert sich Asbach. Inzwischen machen Feuerbestattungen fast 80 Prozent aller Begräbnisse in Hanau aus. Aber nicht nur die Bestattungskultur hat sich geändert, sondern auch die Arbeit der Friedhofsbeschäftigten. Wo früher schwerer körperlicher Einsatz mit Spaten, Schaufel und Holzschalung an der Tagesordnung war, erleichtern Bagger und Radlader die Arbeit.

In Zusammenarbeit mit der Treuhandhandstelle Hessen-Thüringen werden in einem im Erweiterungsgebiet des Süd-Friedhofs gelegenen Memoriam-Garten betreute Grabanlagen angeboten: Vom Urnenreihengrab unterm Baum mit gemeinschaftlichem Grabmal bis hin zum Erdwahlgrab mit stehendem Grabmal werden in dieser Anlage verschiedene Grabarten mit einer Pflege durch eine Gärtnerei kombiniert.

Die Grabpflege bei einer Bestattung im Memoriam-Garten übernimmt eine Gärtnerei. Im Hintergrund ist das Kolumbarium zu sehen.

Auch Beisetzung im Urnenwald ist in Hanau möglich

Darüber hinaus haben Angehörige die Möglichkeit, ihre Verstorbenen im Kolumbarium, einer 2016 gebauten Urnenwand, beisetzen zu lassen. In Klein-Auheim erfreut sich diese Bestattungsart großer Beliebtheit, auf dem dortigen Friedhof wurde das Kolumbarium bereits zum zweiten Mal erweitert. 64 Urnenkammern in 16 Stelen sind hinzugekommen, in jeder Kammer können bis zu zwei Urnen beigesetzt werden.

Pflegearme Varianten sind nachgefragt, etwa das Baumwahlgrab, die Urnen-Bestattungsmöglichkeit zu Fuße eines Baumes, oder das Rasengrab auf einer Grünfläche. Dort können an einer Stele und mehreren Granitbruchsteinen kleinere Gedenkgaben abgelegt werden.

Nachfrage nach naturnahen Bestattungen steigt

Die steigende Nachfrage nach naturnahen Bestattungen hat dazu geführt, dass Baumwahlgräber auf dem Friedhof in Steinheim-Süd angelegt wurden: An jedem Baum gibt es vier Grabstätten, in der jeweils bis zu vier Urnen beigesetzt werden können, erläutern Kinski und Asbach.

„2013 wurden die ersten 21 Bäume gepflanzt, 2019 wurde der Hain um 30 weitere Bäume – Ahorn, Eiche und Säulenbuche – erweitert.“ Während am Kolumbarium auf den Steinverschlussplatten die Namen und Daten eingraviert werden, weisen an den Baumgräbern kleine Stelen mit Metallplatten auf die Verstorbenen hin.

Eine Stele und drei Granitbruchsteine weisen auf die derzeit 70 Rasengräber hin.

In Großauheim hat die Stadt Hanau in diesem Jahr bekanntlich einen eigenen Ruhewald für Bestattungen unter Bäumen eröffnet.

Wieso der Trend zur pflegearmen Grabstätte seit Jahren zunimmt? „Ich will mit der Pflege meines Grabs niemandem zur Last fallen, meine Kinder wohnen ja weit weg“, sind Sätze, die Thomas Asbach des Öfteren zu hören bekommt. „Die Familienstruktur ist nicht mehr so, dass alle an einem Ort wohnen und sich um die Grabpflege kümmern können.“

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