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Urteil im Prozess um die Überfälle auf Taxis: Zwei Räuber erwartet eine harte Strafe

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Überfälle geahndet: Weil sie zum Jahreswechsel vier Taxifahrer überfallen haben, sind drei junge Räuber vom Landgericht verurteilt worden.

In dem Prozess um die insgesamt vier Überfälle auf Taxis in Hanau und Langenselbold ist ein Urteil gefallen. Zwei der Räuber erwartet ein hartes Urteil.

Hanau – Dieser Satz sitzt: „Haftfortdauer wird angeordnet!“ Die Verwandtschaft im Zuschauerraum ist geknickt und verabschiedet sich unter Tränen, bevor die Justizwachtmeister dem 19-jährigen S. und seinem ein Jahr älteren Komplizen L. die Handschellen wieder anlegen und sie abführen.

Die Reise geht zurück in den Jugendknast. Dort werden sie einige Zeit verbringen müssen, denn das Landgericht hat die beiden Taxi-Räuber zu Jugendstrafen von zweieinhalb und dreieinhalb Jahren verurteilt.

Richterin zeigt klare Kante bei dem Urteil

„Angesichts dieser schweren Taten führt daran kein Weg vorbei. Jugendstrafen sind angesichts der Brutalität die einzigen Sanktionen, die angemessen sind“, sagt Richterin Coretta Oberländer, die Vorsitzende der 2. Jugendkammer, die beide sowie den

16-jährigen „Momo“ wegen gemeinschaftlich schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Sie verweist sehr deutlich auf die „fürchterlichen Folgen“ unter denen drei der vier Opfer „ein Leben lang zu leiden haben“. Einer der Taxifahrer hatte bei den Überfällen zum Jahreswechsel schwere Gesichtsfrakturen erlitten. Ein weiterer hatte seinen Nebenjob an den Nagel gehängt, ein dritter hat immer noch „Angst“, wenn er nachts Fahrgäste aufnimmt.

Richterin gibt eine klare Urteulsbegründung

Richterin Oberländer verweist in ihrer Urteilsbegründung darauf, dass die Strafen „mild oder zu gering erscheinen“ könnten. „Wir sind aber gehalten, das Jugendstrafrecht anzuwenden, in dem die Höchststrafe bei zehn Jahren Gefängnis liegt.“ Daher seien die beiden Heranwachsenden, die bereits seit sechs Monaten in U-Haft sitzen, mit weiterer Haft zu bestrafen. „Momo“ hingegen, der an allen vier Überfällen beteiligt war, wird zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

„Das liegt einzig und allein daran, dass er noch ein Jugendlicher ist – und er ist nicht vorbestraft“, begründet die Richterin das Urteil. Sie macht keinen Hehl daraus, dass ohne die umfassenden Geständnisse gegenüber der Kriminalpolizei kurz nach den Festnahmen die Strafen noch deutlich höher ausgefallen wären. Während L. und der bereits einschlägig vorbestrafte S. das Justizzentrum hinter vergitterten Scheiben des Gefangenentransport durch den Hinterausgang verlassen, darf „Momo“ zusammen mit seinem Anwalt das Moritz Kernbach den Hauptausgang benutzen.

Bewährungsauflagen werden sehr umfänglich sein

Allerdings hat er Bewährungsauflagen, die es in sich haben. Da der Jugendliche bereits Cannabis-abhängig ist, muss er sich vor allem einer Drogentherapie unterziehen und 250 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, 40 davon bereits vor Therapieantritt.

„Sie können gerne morgen bereits mit der gemeinnützigen Arbeit anfangen“, rät ihm die Vorsitzende, die verhindern will, dass der 16-Jährige wieder zurück in einen Teufelskreis gerät, den sie mit „Schule schwänzen, abhängen, kiffen“ beschreibt.

Und die Richterin hat eine klare Ansage an „Momo“: „Wenn sie das vermasseln – dann geht das ratzfatz, und dann wird es zappenduster für Sie: Dann sitzen Sie diese Strafe ab.“

Jugendkammer folgt Plädoyer der Staatsanwaltschaft

Die Jugendkammer folgt mit ihrem Urteil vor allem dem Plädoyer von Staatsanwältin Lisa Staab, die Strafen zwischen dreieinhalb und zwei Jahren und zwei Monaten beantragt hatte, während die drei Verteidiger auf mildere Sanktionen plädierten.

Peter Oberländer, der Anwalt von L., hatte eine Vorbewährung für seinen Mandanten angeregt, Rechtsanwalt Volker Bernhardt, für S. eine Jugendstrafe „nicht über zweieinhalb Jahren“ für angemessen erachtet.

Neben der deutlichen Ansage an die drei jungen Räuber gibt es von der Richterbank aber auch ein großes Lob. „Nur durch die akribische Polizeiarbeit ist diese Überfallserie, bei der sich die Gewalt immer mehr gesteigert hat, rechtzeitig gestoppt worden“, so Oberländer: „Ich will mir nicht ausdenken, wie das weitergegangen wäre. Es ist ein Glück, dass diese Serie gestoppt wurde, die sonst noch viel schlimmere Folgen gehabt hätte.“

Der Fall: Junge Taxi-Räuber 

Dezember/Januar: In Hanau und Langenselbold werden innerhalb von zwei Wochen vier Taxifahrer ausgeraubt.

7. bis 13. Januar: Fahndungserfolg für die Kripo. Die drei mutmaßlichen Täter im Alter zwischen 16 und 20 Jahren festgenommen und in Untersuchungshaft geschickt.

22. Juni: Prozessauftakt vor der Jugendkammer, die Angeklagten legen Geständnisse ab.

1. Juli: Die Opfer sagen als Zeugen aus.

6. Juli: Die Jugendgerichtshilfe gibt Empfehlungen an die Kammer, die Plädoyers werden gehalten, unterschiedliche Jugendstrafen gefordert.

8. Juli: Das Urteil wird verkündet. thb

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