Verkauf des Westkarrees

„Mehr war nicht zu erreichen“

Die Abrissarbeiten am Westkarree sind im vollen Gange. Derzeit fällt die zweite Häuserzeile entlang der Altstraße. Ab 2014 will ein Immobilieninvestor hier 150 Wohnungen in drei Bauabschnitten bauen.
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Die Abrissarbeiten am Westkarree sind im vollen Gange. Derzeit fällt die zweite Häuserzeile entlang der Altstraße. Ab 2014 will ein Immobilieninvestor hier 150 Wohnungen in drei Bauabschnitten bauen.

Hanau - Während an der Französischen Allee die Abrissarbeiten vorangehen, hat nun auch die Stadtverordnetenversammlungmit großer Mehrheit grünes Licht für das wohl umstrittenste Projekt im Rahmen des Innenstadtumbaus gegeben. Von Dirk Iding

Den Verkauf des Westkarrees an den Immobilieninvestor Bouwfonds, der dort 150 Eigentumswohnungen bauen will. Lediglich Linke und Alternative Fraktion lehnten das Vorhaben rundweg ab. Die CDU-Fraktion unterstützt das Neubauprojekt zwar im Grundsatz, stimmte aber gleichwohl gegen den Grundstückskaufvertrag mit Bouwfonds. CDU-Stadtverordneter Joachim Stamm begründete dies mit den „großen Bauchschmerzen“, die die CDU habe angesichts des geringen Grundstückspreises von 1,8 Millionen Euro, den von 400.000 auf 700.000 Euro stark gestiegenen Abrisskosten, die von der Stadt zu tragen seien und der vereinbarten Zahlungweise, die eine Risikoverlagerung zu Lasten der Stadt darstelle. Bouwfonds muss erst dann den Gesamtpreis für den 1. Bauabschnitt zahlen, wenn mindestens 40 Prozent der Wohnungen verkauft sind.

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OB Claus Kaminsky (SPD) verteidigte das Verhandlungsergebnis: „Mehr war in den Gesprächen nicht zu erreichen.“ Kaminsky erinnerte daran, dass die Angebote der Investoren im Rahmen des „Wettbewerblichen Dialogs“ an dieser Stelle zunächst „noch viel ernüchternder waren“. Danach wollte WeDi-Sieger HBB zunächst nur eine Million Euro für das Grundstück bezahlen und erst ab 2020 mit dem Neubauprojekt beginnen. Nachdem HBB Bouwfonds mit ins Boot holen konnte, „beginnen wir jetzt deutlich früher und bekommen noch einen höheren Preis“, so Kaminsky.

„Erhalt bezahlbaren Wohnraums“

Dabei machte der SPD-Politiker auch deutlich, „dass es der Stadt an dieser Stelle nie in erster Linie um ein gutes Geschäft ging, sondern darum, eine Wohnbauprojekt zu realisieren, das einen wichtigen Impuls zur soziokulturellen Stabilisierung des gesamten Stadtquartiers gibt.“ Dabei wies Kaminsky auch die Kritik der Linken-Stadtverordneten Ulrike Hanstein zurück, die von einer Verdrängung alteingesessener Mieter zugunsten Besserverdienender und der weiteren Vernichtung bezahlbaren Wohnraums zugunsten der Renditegewinne privater Investoren sprach.

Der „Erhalt bezahlbaren Wohnraums“ stehe immer ganz oben auf der Tagesordnung der Hanauer Politik, so Kaminsky. Allerdings werde die Stadt dabei inzwischen weitgehend von Bund und Land alleingelassen. Aber Hanau könne nur dann auch die sozialen Herausforderungen bewältigen, wenn es gelinge, den städtischen Haushalt auch über „Steuer zahlende Bürger“ zu stabilisieren. Hanau müsse auch dem Normalverdiener attraktive Wohnangebote machen, so Kaminsky, der den Vorwurf der „Luxussanierung“ von sich wies: „Darum geht es bei diesem Projekt nun überhaupt nicht.“

Redner der Kleeblatt-Fraktionen zeigten sich verwundert vom Abstimmungsverhalten der CDU. Wer den Grundstückskaufvertrag trotz des nachvollziebaren Verhandlungsergebnisses ablehne, stimme auch faktisch gegen das Projekt, so der FDP-Stadtverordnete Thomas Morlock. Sein SPD-Kollege Thomas Straub sieht darin ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die CDU vom anfangs mitgetragenen „Wettbewerblichen Dialog“ und dem Innenstadt-Umbau Schritt für Schritt verabschiede. Nach dem Abriss des Westkarrees wird dort zunächst ein provisorischer Parkplatz angelegt. Der soll während der anstehenden Sanierung der Tiefgarage Marktplatz genutzt werden. Ab 2014 ist die Neubebauung geplant.

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