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Versorgung in Bruchköbel hat oberste Priorität

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Problematisch: die zunehmende Zahl an Pools. archiv
Problematisch: die zunehmende Zahl an Pools. archiv © dpa

Bruchköbel/Gelnhausen – Dem Vorwurf des Bruchköbeler Bürgerbundes (BBB) zur „Untätigkeit der Kreiswerke“ hinsichtlich der Situation der Trinkwasserhärte in Bruchköbel (HA vom 11. Mai) widersprechen die Kreiswerke in einer Pressemitteilung scharf. „Man muss sich die Frage stellen, ob sich der BBB überhaupt der Herausforderungen dieser Zeit für die Wasserbranche bewusst ist“, so Kreiswerke-Geschäftsführer Oliver Habekost.

„Wir steuern nach vier Trockenjahren mit Spitzenabnahmen von mehr als 50 Prozent während der Sommerhitze, bei historisch niedrigsten Grundwasserständen und nach zwei Jahren Corona mit Home-Office und stark gestiegenen Abnahmemengen im Frankfurter Umland, zunehmender Landflucht und Sommermonaten, in denen das kostbare Trinkwasser zum Befüllen von Pools verwendet wird, in Richtung nächstem Sommer“, fasst er die Situation zusammen. „Ohne den Zeigefinger erheben zu wollen, aber wir müssen uns bewusst machen, dass Trinkwasser unser kostbarstes Lebensmittel und nicht unerschöpflich ist – und seine Förderung, Aufbereitung und Verteilung eine logistische Meisterleistung darstellt.“

Drei Möglichkeiten der Härtereduzierung

Entsprechend der Aufgabenstellung aus dem Konzessionsvertrag hätten die Kreiswerke Main-Kinzig bereits in 2019 in einem umfangreichen Projekt die „Technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Reduktion der Wasserhärte im Versorgungsgebiet auf einen mittleren Härtegrad“ sehr ausführlich ausgearbeitet. Begleitet worden sei der Regionalversorger dabei vom „DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW), das eine Machbarkeitsstudie zum Thema erstellt habe. Die Ergebnisse der Studie seien den Bürgermeistern weitreichend dargestellt und spezifisch bewertet worden, erläutert Timo Gottschalk, Geschäftsbereichsleiter Netze.

Es seien drei grundsätzliche Möglichkeiten einer Härtereduzierung betrachtet worden: a) Härtereduzierung durch Mischung, b) Verfahrenstechnische Aufbereitung, c) dezentrale Enthärtungsanlagen für Haushalte. Die Anforderungen für eine tatsächliche Umsetzung können laut Darstellung je nach Enthärtungsverfahren beispielsweise in einem Mehrbedarf an Wasser oder dem Erfordernis einer Abwasserbeseitigung liegen.

Salzhaltiges Wasser wird abgeschieden

Zur Verdeutlichung nennen die Kreiswerke ein Beispiel: Bei Variante b) entstünden Rückstände aus der Aufbereitung; sogenanntes „Ausschusswasser“. Dies wären pro Jahr rund 285 000 Kubikmeter, die in den Kanal liefen. Diese Menge entspreche Jahr für Jahr der gesamten Fördermenge des Brunnens Erbstadt II – eines der leistungsfähigsten Brunnen der Kreiswerke.

Ein weiteres Beispiel: Bei der Enthärtung würden große Mengen salzhaltigen Wassers abgeschieden, die möglichst in unmittelbarer Nähe abzuleiten seien. Eine Ableitung in fließende Gewässer sei ökologisch nicht vertretbar und behördlich untersagt. Eine Ableitung des Konzentrats über die Kanalisation in die Kläranlage setze eine ausreichende Kapazität des Kanalsystems und der Kläranlagen voraus, und zudem müsse die chemische Beschaffenheit für die Entsorgung über die Kläranlage geeignet sein. Zudem würden Schmutzwassergebühren anfallen.

Private Enthärtungsanlagen stellten für viele Kunden eine Lösung dar. Dabei stellten sich jedoch ebenfalls vielfältige Probleme dar, die bei entsprechenden Mengen noch weiter potenziert würden. Als Stichworte nennen die Kreiswerke hier Salzeinbringung, fehlende Wartung, Rückwirkung ins Trinkwassernetz, Verantwortung für Trinkwasserqualität, „Ausschusswasser“ in problematischer chemischer Zusammensetzung, Aufnahme in das Abwassernetz und Reinigung über die Kläranlagen.

Damit die Trinkwasserversorgung also nachhaltig gewährleistet werden könne, gelte es, die jeweiligen Verfahrensanforderungen in Verbindung mit den aktuellen Herausforderungen der Wasserversorgung zu betrachten. Diese lägen etwa in einem steigenden Gesamtabsatz durch den Bevölkerungszuwachs in der Region und der Deckung von Bedarfsspitzen durch klimatische Veränderungen. Dies sei im Gesamtkontext zu bewerten.

Ökologisch und wirtschaftlich nicht darstellbar

Fazit des Wasserversorgers: „Kurz- bis mittelfristig konnten in der Studie keine Möglichkeiten aufgezeigt werden, die vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Herausforderungen wie dem Klimawandel, demografischem Wandel und einer Siedlungsverdichtung wirtschaftlich und ökologisch darstellbar sind.“

Die Versorgungssicherheit habe oberste Priorität. „Derzeit lautet die Fragestellung nicht, ob wir weicheres Wasser liefern können, sondern wie wir vor dem Hintergrund der Herausforderungen mittel- und langfristig überhaupt genügend Wasser bereitstellen können“, meint der Geschäftsbereichsleiter Netze, Timo Gottschalk.

„Ich lade Herrn Hormel in seiner Funktion als Vorsitzender des Bruchköbeler Bürgerbundes ein, sich ein Bild von der Lage zu machen. Gerne tragen wir dabei die Ergebnisse unserer Machbarkeitsstudie nochmals detailliert vor“, so Habekost.  (how)

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