Parkplätze in Tiefgarage

Vielfalt-Parkplätze in Hanau: Das sagen die Initiatoren zu den Diskussionen und Drohungen

Wollen mit den Vielfalt-Parkplätzen in der Tiefgarage am Markt ein Zeichen setzen: Markus Henrich, Geschäftsführer der Hanauer Parkhaus GmbH (links), und Silas Kropf vom Verein CSD Hanau.
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Wollen mit den Vielfalt-Parkplätzen in der Tiefgarage am Markt ein Zeichen setzen: Markus Henrich, Geschäftsführer der Hanauer Parkhaus GmbH (links), und Silas Kropf vom Verein CSD Hanau.

Die Vielfalt-Parkplätze in Hanau haben für großes Aufsehen gesorgt – sogar international. Die Schöpfer der umstrittenen Aktion zur Hetze im Internet.

Hanau – Eigentlich wollte Markus Henrich für unseren Termin auf einem der drei Vielfalt-Parkplätze in der Tiefgarage am Markt parken. Aber er hatte Pech. Alle drei waren belegt. Auch Silas Kropf vom Vorstand des Vereins CSD Hanau musste sein Auto woanders abstellen.

Nun stehen wir neben den drei Parkplätzen, die sich unmittelbar am Ausgang Richtung Nürnberger Straße befinden. Die Wand vor ihnen ist in Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila, den Farben des Regenbogens, gestrichen. Eine Passantin, die gerade nebenan geparkt hat, bleibt stehen.

„Was bedeutet Vielfalt-Parkplätze?“, will sie von Markus Henrich wissen. Sie ahnt nicht, dass Henrich der Geschäftsführer der Hanauer Parkhaus GmbH ist und in den vergangenen Tagen, wie Kropf auch, zig Presseanfragen bekommen hat, sogar in den USA und in Russland wurde über die Hanauer Parkplätze berichtet.

Hanau will mit Vielfalt-Parkplätzen ein Zeichen für Toleranz setzen

Als in Ungarn kurz vor der Fußballeuropameisterschaft im Sommer die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen (englische Abkürzung: LGBTIQ) stark eingeschränkt wurden, setzten viele Fußballer ein Zeichen. „Das wollten wir als Team der Parkhaus GmbH auch tun“, sagt Henrich. Die Idee der Regenbogenfahne mitten in der Tiefgarage war geboren. Die Plätze, erklärt er der Passantin, sind für alle Menschen da. „Klasse Aktion“, sagt sie und ruft beim Hinausgehen noch ein „Weiter so!“ hinterher.

Die Parkhaus GmbH holte den Verein CSD Hanau, mit dem es früher schon Kooperationen gab, ins Boot. Just am sogenannten Celebrate Bisexuality Day vor eineinhalb Wochen wurden die Parkplätze offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Und dann brach der Shitstorm über Henrich und Kropf herein. Beschimpfungen, Androhung von Gewalt, Hetze. Der zuständige Dezernent, Stadtrat Thomas Morlock, musste sich rechtfertigen. „Vielleicht haben wir nicht klar genug kommuniziert, dass diese Parkplätze natürlich für alle Menschen da sind“, sagt Geschäftsführer Henrich. „Vielleicht“, ergänzt Silas Kropf vom CSD, „war es ein taktischer Fehler, uns ins Boot zu holen.“

Homophobe und rassistische Hetze an den Parkplätzen in Hanau

Parkplätze für Schwule, Lesben, Transgender und Migranten titelte die „Bild“-Zeitung, in den sozialen Medien tobte der Mob. „Wir wollten, dass man darüber spricht. Aber doch nicht so“, sagen die beiden Hanauer, die ob der Heftigkeit in Kommentaren und E-Mails den Kopf schütteln. Geldverschwendung, hieß es dort. Andere fragten: Gibt es bald auch Parkplätze für Geimpfte und welche für Ungeimpfte? Oder für heterosexuelle weiße Männer?

Viele AfD-Politiker schossen das Thema ins Netz. Unreflektiert. Laut. Hauptsache dagegen sein, das sei wichtig gewesen und die eigene Angst pflegen, dass andere einem etwas wegnehmen, sagt Kropf. Oberflächlich sei das, ergänzt er. „Die Leute lesen nur noch die Überschrift, sehen das Bild. Fertig.“

Stadt Hanau will gegen Drohungen im Internet vorgehen

Fest steht: Die Parkplätze bleiben. „Sie sollen stellvertretend ein Zeichen setzen“, erklärt Markus Henrich. Der Ort sei bewusst gewählt, immerhin habe die Tiefgarage am Markt die höchste Frequenz. Durch die Kameraüberwachung sollen sie auch jenen Schutz bieten, die sich in einem Parkhaus vielleicht nicht wohl fühlen – schnell raus und wieder rein wollen ins Auto.

„Wir werden künftig ohnehin noch mehr Kameras in unseren Parkhäusern haben, um gegen Vandalismus und Diebstähle vorzugehen“, berichtet Henrich. Vorgehen wird die Stadt jetzt auch gegen die Pöbler. Das Rechtsamt prüfe aktuell alle Drohungen, vor allem jene, die gegen Leib und Leben gerichtet gewesen seien, so Henrich.

Vielfalt-Parkplätze in Hanau können von allen Autofahrern genutzt werden

Seit Samstag hängt in unmittelbarer Nähe ein Schild an der Wand. Dort ist zu lesen: „Diese Parkplätze bringen die Haltung der Stadt Hanau und der Parkhaus GmbH für Vielfalt und Toleranz zum Ausdruck. Alle Autofahrerinnen und Autofahrer können hier komfortabel und sicher parken.“ Eine Passantin, die ihren Wagen hier abgestellt hat, öffnet die Fahrertür. Ob ihr der Schriftzug aufgefallen sei? Ja, aber in erster Linie habe sie einen freien Parkplatz gesucht und Vielfalt, das sei am Ende doch alles“, sagt sie.

Seit dem Wochenende erklärt eine Tafel die Idee hinter den Regenbogen-Parkplätzen.

Silas Kropf und der Verein CSD Hanau stehen weiter genauso hinter dem Projekt wie Stadt und Parkhaus GmbH. „Wir würden es immer wieder machen“, erklärt Markus Henrich voller Überzeugung. Silas Kropf nickt: „Die Reaktionen zeigen, wie dringend es ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Vielfalt tatsächlich zu leben.“ (Yvonne Backhaus-Arnold)

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