Gastronomie muss schließen

Vier Wochen durchstehen: Was der Lockdown für Gaststätten in den Stadtteilen von Hanau bedeutet

Ihre vorerst letzten Speisen serviert Susi Maric, Wirtin der TFC-Speisegaststätte, bevor es ab Montag für die Gastronomie in den neuerlichen Lockdown geht. Maric beklagt mehrere tausend Euro Umsatzeinbuße.
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Ihre vorerst letzten Speisen serviert Susi Maric, Wirtin der TFC-Speisegaststätte, bevor es ab Montag für die Gastronomie in den neuerlichen Lockdown geht. Maric beklagt mehrere tausend Euro Umsatzeinbuße.

Ab Montag sind die Restaurants und Gaststätten bis Ende November geschlossen. Während viele Gastronomiebetriebe komplett dichtmachen, setzen andere wie schon von März bis Mai auf Liefergeschäft und Abholung von Speisen. Für viele Betriebe geht es dabei ums Überleben, wegen des Umsatzrückgangs gab es bereits erste Kündigungen, wie Umfragen bei Gastwirten in den Hanauer Stadtteilen zeigen.

Steinheim/Klein-Auheim – Auf mehrere tausend Euro schätzt Susi Maric, Wirtin der TFC-Speisegaststätte an der Steinheimer Karlstraße, ihre voraussichtliche Umsatzeinbuße im November. „Ich musste Reservierungen für Geburtstage, Taufen, Beerdigungen und Gruppentreffs absagen.“ Sie ärgert sich, dass die Gaststätte trotz des Abstands zwischen den Tischen dichtmachen muss. „Ich muss Unkosten wie Miete, Personal, GEMA-Gebühren und Telefon zahlen, obwohl ich keine Einnahmen habe. Das geht von meinen privaten Ersparnissen weg“, sagt sie.

Im Restaurant „Zum Grünen Baum“ in Klein-Auheim kann im „Lockdown light“ das Essen zum Abholen bestellt werden. „Wir lassen uns überraschen, wie es mit der Abholung läuft“, sagt Restaurantleiter Sinan Özen. Er ist immer noch geschockt über die neuerlichen Maßnahmen und befürchtet: „Das wird länger als vier Wochen dauern“. Und: „In den Sommermonaten während der Biergartensaison konnten wir umsatzmäßig nichts aufholen.“ Zwei Mitarbeitern in Küche und Service musste gekündigt werden.

Anita und Romano de Beneditis, Wirtspaar des Turnerschaft-Clubheims in Steinheim, setzen wie schon im Frühjahr auf Auslieferung und Abholung von Pizza, Pasta & Co. „Diese Woche war schon tote Hose, es kamen zunehmend weniger Gäste“, haben sie festgestellt. „Ich hätte jeden zweiten Tisch besetzen können, aber die Gäste blieben aus.“

Die Sommerzeit im Biergarten sei gut gelaufen, aber trotzdem habe es da Einschränkungen wegen des Abstands gegeben, erinnert Anita de Beneditis. „Wir werden im November wohl 50 bis 60 Prozent weniger Umsatz haben als im November 2019.“ Auch sie mussten eine Kündigung aussprechen und einen weiteren Angestellten in Kurzarbeit schicken. „Auch haben wir weniger Aushilfen in der Küche.“ Für November musste das Wirtspaar zudem Geburtstage und eine Kommunionfeier absagen.

„Ich lasse im November mein Restaurant ganz zu“, sagt Hafizi Wasseed, Wirt der Pizzeria am Pfaffenbrunnen, der Vereinsgaststätte des SVG Steinheim. Es wird auch keinen Abhol- oder Lieferservice geben. „Der Verein erlässt mir die Pacht für diesen Monat, das finde ich toll“, bedankt sich der Wirt für diese großzügige Geste. „Eigentlich wollte ich ab November ausliefern, doch wegen zehn Essen pro Tag lohnt sich der Aufwand nicht. Ich müsste Personal, Gas und Strom bezahlen.“ Der Wirt bedauert, dass er im November einige Reservierungen absagen muss. Weil er jeden Tag frische Ware kauft, muss er zumindest nichts wegwerfen.

„Der Verein erlässt mir die Pacht“, lobt Hafizi Wasseed, Wirt der Pizzeria am Pfaffenbrunnen.

„Wir haben bereits seit Mittwoch das Restaurant auf unbestimmte Zeit geschlossen, die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit“, berichtet René Fichtner, Chef des Steinheimer Hotels Birkenhof. „Ich weiß nicht, ob ich dieses Jahr das Restaurant noch einmal aufmachen werde.“ Speisen zum Abholen anzubieten, sei nicht rentabel. Im November stehe traditionell Gans auf dem Speiseplan, dieses Geschäft sei nun gelaufen. „Das Jahr ist schon gegessen.“

Das Hotel Birkenhof musste zudem zahlreiche Feiern absagen. „Ich musste eine Hochzeit von 80 auf 20 Personen an zwei Zehnertischen reduzieren, schließlich wurde sie komplett abgesagt. Fast alle Hochzeiten bei uns wurden verschoben, nur zehn Prozent fanden im verkleinerten Rahmen statt.“ Auch Geburtstage und eine Kommunionfeier Ende November wurden abgesagt. Soweit möglich, wurde die Ware tiefgefroren. „Den Rest essen wir selber“, sagt Fichtner. Da das Restaurant eine kleine Karte anbietet, sei das überschaubar.

Einbußen von 85 Prozent prognostiziert Fichtner und schätzt sie auf einen fünfstelligen Betrag. „Wir stehen das aufgrund unserer Substanz durch. Für viele Kollegen in der Gastronomie dürfte es aber sehr hart werden.“ Fichtner darf das Hotel zwar für Firmengäste geöffnet lassen. „Nur wie es mit dem Frühstück aussieht, weiß ich noch nicht und warte auf eine entsprechende DEHOGA-Verordnung.“

Auch das erst im Juni eröffneten Restaurant „Das Handwerk zum Handwerk“ in der Steinheimer Altstadt hat ab Montag geschlossen. „Die Option von Speisen-Abholung etwa von Gans-Essen lassen wir uns offen“, sagt Gastronomin Larissa Grimm. Die jungen Wirtsleute trifft es besonders hart; ob sie staatliche Hilfen bekommen, sei fraglich. „Dieses Wochenende sind wir noch gut belegt, aber alle für November gebuchten Weihnachtsfeiern mussten wir absagen. Wir versuchen uns nicht runterziehen zu lassen. Wir werden diese vier Wochen – weil wir gut gehaushaltet haben – durchstehen, aber länger sollte es dann nicht sein.“

Die „Woipress“ in Klein-Auheim bietet wie schon im „Frühjahrs-Lockdown“ erneut Speisen zum Abholen an. Und das Restaurant „Mainpark“ am Steinheimer Mainufer blickt immerhin auf eine gute Sommersaison zurück und öffnet seine Pforten erst wieder am 1. Dezember – sofern der Lockdown nicht verlängert wird.

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