Woran Fraunhofer-Forscher so alles arbeiten

Volle Babywindeln für Düngemittel recyceln

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Ein süßer Fratz, bei dem so manches in die Windel geht. Das Recycling von Babywindeln ist ein Forschungsgebiet der in Hanau und Alzenau ansässigen Fraunhofer-Projektgruppe IWKS.

Hanau/Alzenau - Der Name „Fraunhofer“ ist den meisten Bürgern ein Begriff – er steht für Forschung, genauer gesagt für angewandte Forschung.

Doch was heißt das eigentlich konkret? Und woran arbeiten die Forscher in unserer direkten Nachbarschaft tatsächlich? In einer kleinen Serie wollen wir in loser Folge verschiedene Projekte vorstellen. Heute geht es ums Recycling von Babywindeln.
Insgesamt gibt es momentan 72 Fraunhofer-Institute, die jeweils in unterschiedlichen Forschungsbereichen tätig sind. Im Industriepark Hanau und im bayerischen Alzenau hat sich die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie – kurz IWKS – angesiedelt. Dort arbeiten die Forscher an neuen Lösungen und Verbesserungen, die dabei helfen, nicht nur Ressourcen zu schonen oder zu ersetzen, sondern Wertstoffe aus Altprodukten wieder in einen Kreislauf zu überführen.

Dieser Kreislaufgedanke ist der Kern der Forschungsarbeit am IWKS. Nur wenn es gelingt, unsere Ressourcen effizienter zu nutzen und nachhaltige Prozesse – von der Industrie bis zum Privatverbraucher – einzuführen, können wir unsere Umwelt für unsere Kinder und die Nachwelt bewahren, sind die Forscher überzeugt. Dabei entwickelt und erforscht die Projektgruppe neue Recyclingtechnologien und den Ersatz kritischer Roh- und Werkstoffe durch nachhaltige Materialien. Denn Rohstoffe seien endlich und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen deshalb unerlässlich.

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist Plastikmüll. Dabei landen im städtischem Hausmüll nicht nur Plastikverpackungen, sondern auch alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Hygieneartikel, insbesondere Windeln. Gerade Eltern können sich sicherlich gut vorstellen, welche Mengen an Abfall im Verlauf der Windelphase von Babys und Kleinkindern anfallen. Tatsächlich werden jedes Jahr in Europa circa 8,5 Millionen Tonnen solcher Abfälle erzeugt. Das Problem: durch ihren gemischten Anteil an organischen wie nicht-organischen Abfallmaterialien lassen sich Babywindeln bisher nur schwer oder gar nicht recyceln. Hier arbeitet die Fraunhofer-Projektgruppe IWKS als Teil eines Konsortiums, bestehend aus 13 internationalen Partnern, an Lösungen, um auch in diesem Bereich eine möglichst effektive Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Im Rahmen eines von der EU geförderten Forschungsprojekts sollen so aus rund 10.000 Tonnen Abfällen aus absorbierenden Hygieneartikeln pro Jahr wieder Wertstoffe gewonnen werden. Am Ende sollen so aus Windelabfällen durch Recycling Cellulose, Absorbermaterial und Plastik wiedergewonnen werden, um diese in neue Produkte einzubringen (beispielsweise als Düngemittel oder sogenanntes Bioplastik).

Mit Windeln ins Wasser - So wird Babyschwimmen zum Spaß

„Das Besondere am Forschungsprojekt ist, dass nicht nur der Abfall selbst im Hinblick auf einen geschlossenen Kreislauf betrachtet wird, sondern auch Nebenströme wie beispielsweise entstehendes Abwasser aus der Vorbehandlung. Hierbei können wichtige Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff recycelt werden, welche ebenfalls für die Düngerherstellung genutzt werden können“, erläutert Dr.-Ing. Karin Titze-Frech, Abteilungsleiterin des Bereichs Biogene Systeme der Projektgruppe.

Die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwässern und seine Aufbereitung als Düngemittel möglichst effizient und nachhaltig zu gestalten, ist dabei die Aufgabe des IWKS in dem Forschungskonsortium. Eine Pilotanlage des Forschungsprojekts ist sogar bereits in Italien in Betrieb. Die Kläranlage steht unweit von Venedig. (did)

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