Süße Leckerei

Von der Wabe ins Glas: Der Steinheimer Sommerhonig fließt

Hobbyimker mit Bienenwaben in der Hand
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Hobbyimker Philipp Mörschel begutachtet die Waben, die er in die Honigschleuder einsetzt. Vorher bearbeitet Lars Pypec (rechts) die Waben mit der sogenannten Entdeckelungsgabel.

Hobbyimker Dr. Philipp Mörschel hat arbeitsreiche Tage hinter sich. Am Wochenende hat er seinen „Staanemer Honig“ aus den Waben ins Glas gebracht. Unterstützung an der Honigschleuder gab’s von den befreundeten Hobbyimkern Bruno Braun und Lars Pypec. Von den dreien hat Mörschel die meiste Erfahrung, betreut seit zehn Jahren Bienenvölker.

Mörschel erläutert das Prozedere: Damit der Honig herauslaufen kann, müssen die Wachsdeckel an der Wabenoberseite mit einer sogenannten Entdeckelungsgabel entfernt werden. Diese Aufgabe übernimmt Lars Pypec. Philipp Mörschel ist sein Imkerpate, denn Pypec hat erst vor einem Jahr das Hobby für sich entdeckt.

Von der Wabe zum Honig: Fingerspitzengefühl beim Schleudervorgang

Vier Rähmchen mit Waben kann der Hobbyimker gleichzeitig in die Honigschleuder einsetzen. „Beim Schleudervorgang ist Fingerspitzengefühl gefragt, man lässt sie langsam anlaufen“, sagt der 39-Jährige. „Nicht, dass die Holz- oder Kunststoffrahmen durch die Zentrifugalkraft kaputt gehen oder das Wachs herausbricht.“

Durch die Zentrifugalkraft wird der Honig nun aus den Waben herausgedrückt. Er fließt an der Außenwand des Edelstahlkessels herunter und tröpfelt durch einen Auslasshahn in einen Edelstahlfiltertopf. „Mit Hilfe eines Grob- sowie eines Feinfilters werden die im Honig noch enthaltenen Schwebeteilchen wie Wachsdeckel, Propolis oder hin und wieder auch mal ein Bienenflügel herausgefiltert“, erläutert Mörschel weiter.

Hobbyimker erntet 85 Kilogramm Honig

Aus einem Überlauf fließt der gefilterte Honig dann in den Abfülleimer, der mit einem Auslasshahn zum Portionieren versehen. Gemeinsam mit Mörschel hebt Bruno Braun den voll gefüllten, zirka 30 Kilogramm schweren Edelstahltopf auf eine Arbeitsplatte, dann füllt er den frischen Sommerblütenhonig in bereitgestellte 500-Milliliter-Gläser ab.

Schon Ende Mai hatte Hobbyimker Philipp Mörschel 85 Kilogramm Frühjahrsblütenhonig geerntet. Auf dem Wiesengrundstück am Brückfeldgraben unweit des Mains leben seine 13 Honigbienenvölker und sammeln Nektar und Pollen, den sie in Honig umwandeln. Bei der Honigernte in diesem Monat werden es wohl an die 40 Kilogramm sein, schätzt Mörschel. Anfang August wird die zweite Charge Honig geschleudert.

Bienenvolk hat im Sommer 50 000 Bienen

Vor zehn Jahren hat der Hobbyimker seine Liebe zu den Bienen entdeckt – im Laufe der Jahre wurden es stetig mehr Bienenvölker. „An die 50 000 Bienen hat ein Volk zu Hochzeiten im Sommer, im Winter sind es nur um die 10 000“, weiß Mörschel.

Für den Sommerblütenhonig haben die Bienen in den vergangenen Wochen Linden- und Akazienblüten, Himbeer- und Brombeerhecken angeflogen. Sie haben Hibiskus und Disteln besucht, Wiesenblüten und Klee angeflogen oder Abstecher in Kräuterbeete mit blühendem Thymian oder Lavendel gemacht.

Ein Bienenvolk produziert zwischen 30 und 40 Kilogramm Honig

Der Steinheimer Imker kann in einem guten Jahr zwischen 30 und 40 Kilogramm Honig pro Bienenvolk ernten. Allerdings gebe es auch Völker, die weniger fleißig sammeln, lieber Brut groß ziehen oder Waben bauen.

„Was die Bienen tun, das bestimmt die Königin“, erläutert Mörschel. Nur einen Teil des Honigs nimmt er aus dem Stock. „Ich lasse den Bienen einen Teil, füttere dann eine Zuckerwasserlösung zu.“

Nebenprodukt Bienenwachs wird zu Kerzen verarbeitet

Neben Honig gewinnt Philipp Mörschel als Nebenprodukt Bienenwachs, das er zu Kerzen verarbeitet. Nach der Honigernte stehen für den Imker das Bekämpfen des Bienenparasits, der Varroamilbe, mit Ameisensäure an. „Eine Milbe ist für die Biene nicht schlimm. Wenn ihr aber fünf oder sechs im Kragen sitzen, schwächen sie die Biene und saugen sie aus.“

Die Bienenkönigin lebt bis zu fünf Jahre, eine normale Biene im Sommer sechs Wochen – „bis sie sich beim Nektarsammeln verausgabt hat und entkräftet stirbt“, sagt der Imker. Mit der Sonnenwende am 21. Juni orientiert sich das Bienenvolk dann bereits in Richtung Winter. Die Winterbienen werden im September geboren, überdauern die kältere Jahreszeit und leben deutlich länger als ihre Sommerkolleginnen bis zum April nächsten Jahres.

Honig aus Steinheim

Den Honig gibt es direkt beim Imker am Brückfeldgraben 4 oder im „Maa Äppelsche“ in der Steinheimer Altstadt zu kaufen.

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