Arbeitslosigkeit

Vor allem junge Leute betroffen: Erwerbslosenzahlen steigen im August weiter an

Kleiner Lichtblick: Immerhin verlangsame sich der Anstieg der Arbeitslosenzahlen, wie die Leiterin der Hanauer Arbeitsagentur, Heike Hengster, mitteilte.
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Kleiner Lichtblick: Immerhin verlangsame sich der Anstieg der Arbeitslosenzahlen, wie die Leiterin der Hanauer Arbeitsagentur, Heike Hengster, mitteilte.

Im zurückliegenden August waren im Main-Kinzig-Kreis 14 186 Personen arbeitslos gemeldet, 487 mehr als im Juli und 4688 mehr als im August 2019. Im Bezirk der für Hanau und den Main-Kinzig-Kreis zuständigen Agentur für Arbeit Hanau seien von März bis August 4311 Anzeigen fur Kurzarbeit eingegangen.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Heike Hengster, die Chefin der Hanauer Arbeitsagentur, konstatiert im Vergleich zu den Vormonaten einen weniger starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen. „Hauptsächlich ist das Plus den geringen Abgangszahlen geschuldet, da die Bereitschaft der Unternehmen, jemanden einzustellen, weiterhin stagniert. Ein kleiner Lichtblick ist, dass sich der Anstieg im Vormonats-Vergleich nach und nach verlangsamt“, sagte Hengster. Stark betroffen seien vor allem junge Leute. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen steige kontinuierlich an.

Im April hätten 2827 Betriebe für 22 854 Beschäftigte Kurzarbeit realisiert; im März seien es erst 1462 Betriebe mit 9242 Beschäftigten gewesen. Von Oktober 2019 bis August 2020 meldeten sich 2449 junge Frauen und Männer ausbildungssuchend, das waren 463 weniger als im Vorjahreszeitraum. Von Unternehmen wurden im Ausbildungsjahr 2145 Ausbildungsstellen gemeldet, 247 weniger als im Vorjahresvergleich. Die Arbeitslosenzahlen im gesamten Bundesland Hessen stiegen im August im fünften Monat in Folge, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit laut Nachrichtenagentur dpa mitteilte.

Main-Kinzig-Kreis: Aussichten für zurzeit Arbeitslose seien trüb

Und die Aussichten sind nach Einschätzung von Agenturchef Frank Martin trüb: „Wer jetzt arbeitslos wird oder bereits ist, hat es deutlich schwerer, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“ Der Bestand an offenen Stellen sei mit gut 38 000 zum Vorjahr um fast ein Drittel gesunken. „Die Betriebe agieren erkennbar zurückhaltend, wenn es um Neueinstellungen geht“, bilanzierte Martin. Zum Stichtag im August zählten die Arbeitsämter im Land 208 467 Frauen und Männer im Land ohne Job. Das waren nach Angaben der Regionaldirektion 4226 mehr als im Juli dieses Jahres und 56 058 mehr als im August 2019. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 6,0 Prozent. Zuletzt lag die Quote den Angaben zufolge vor zehn Jahren in einem August auf diesem Niveau. „Ohne die Coronakrise könnte man jetzt bei einer Quote von 4,4 Prozent liegen“, rechnete Martin vor. Jeder vierte Arbeitslose in Hessen sei auf die Auswirkungen der Virus-Pandemie zurückzuführen.

In Deutschland waren laut Bundesagentur für Arbeit 2,955 Millionen Menschen ohne Job, rund 45 000 mehr als im Juli und 636 000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 auf 6,4 Prozent.

Im August erhöht sich die Arbeitslosigkeit üblicherweise, weil Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnisse vor den Sommerferien enden. Zum Vergleich: Im August 2019 hatte sich die Zahl der Menschen ohne Job im Vergleich zum Vormonat um 44 000 erhöht. Wie schon im Juli habe es keinen zusätzlichen coronabedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, in Nürnberg. „Dennoch sind die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt weiterhin sehr deutlich sichtbar.“

Von Achim Lederle

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