Schlossplatz: Magistrat gegen historisierende Bebauung

Vorentscheidung gefallen

Hanau – Den Zuschlag für die Umgestaltung des Hanauer Schlossplatzes in der Altstadt sollen die städtische Baugesellschaft und das private Hanauer Planungsbüro Terramag bekommen.

So empfahl es zumindest der hauptamtliche Magistrat dem Ortsbeirat Innenstadt sowie dem Struktur- und Umweltausschuss der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend in nicht öffentlicher Sitzung.

Damit hat der Magistrat unter anderem auch gegen den Vorschlag der Frankfurter Investorengruppe KCI votiert, der eine historisierende Bebauung des Schlossplatzes durch das Aufgreifen alter Baulinien und historischer Architekturelemente plante. So sollte ein Neubau mit historisierenden Elementen wie Fachwerk weit in den Platz hineinragen und die alte Erbsengasse wieder entstehen lassen. Für diesen Vorschlag hatte sich die Hanauer Ortsgruppe des Vereins Stadtbild Deutschland ausgesprochen.

Insgesamt wird der neue Hanauer Schlossplatz künftig autofrei sein. Gleichwohl soll der Platz selbst steinern bleiben, während der Fronhof zwischen Kanzleigebäude und Nachbarbebauung viel Grün erhalten soll. Sowohl das Lamboyfest auf dem Platz als auch Kulturveranstaltungen im Fronhof werden auch nach der Umgestaltung des Areals möglich bleiben, teilte ein Magistratssprecher mit. Die Bauarbeiten sollen demnach im Sommer 2020 beginnen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) betont die intensive Auseinandersetzung mit den insgesamt drei vorliegenden Konzepten während des rund einjährigen Verfahrens. Die Entwürfe von der Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag, KCI und 3W hätten dies auch verdient. Alle drei Konzepte hätten sich auch dank der öffentlichen Debatte beim Bürgerwochenende im vorigen März „deutlich weiterentwickelt“.

Im Rahmen des von der Stadtverordnetenversammlung im Juni 2018 beschlossenen Konzeptvergabeverfahrens wurden von Beginn an Kriterien für den Zuschlag aufgestellt. Dabei wiegt das Nutzungskonzept mit 30 Prozent, das städtebauliche Konzept sowie Architektur- und Denkmalschutz-Konzept mit je 15 Prozent sowie mit je fünf Prozent die Kriterien Freiflächenkonzept, Verkehrskonzept und Mobilität, Ökologie und Klimaschutz sowie Realisierungszeitraum. Mit 15 Prozent wurde zudem die Vertragsstruktur bewertet.

Bei der Beratung über städtebauliche Gewichtung und Architektur unterstützte der Hanauer Architekt Rainer Krebs die Stadt. Er und Stadtentwickler Martin Bieberle sagten, dass für die Beurteilung des Schlossplatzes die Zäsur der Kriegszerstörung 1945 entscheidend sei und nicht der städtebauliche und architektonische Zustand zuvor. Mittlerweile sei die Hanauer Altstadt als Ensemble denkmalgeschützt. Mit dem 2003 eröffneten Congress Park Hanau habe sich der östliche Schlossplatz „modern weiterentwickelt“, nun gehe es auf der Westseite entsprechend weiter.

Als „leitende Idee“ bei der Konzeptvergabe stellt Oberbürgermeister Kaminsky die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und kultureller Nutzung in den Vordergrund. Das sei der Bietergemeinschaft Baugesellschaft/Terramag „besonders überzeugend gelungen“ mit Wohnungen, dem neuen geplanten Dienstsitz des Planungsbüros, Ausschöpfen von Wohnraum und der Tanzschule Berné als „Frequenzbringer für den Schlossplatz“. Die beiden Mitbewerber KCI und 3W hätten ebenfalls gute Entwürfe geliefert, wobei 3W die Debatte über ein nötiges neues Hotel in Hanau wieder auf die Agenda gebracht habe. „Aber der Feind des Guten ist das Bessere“, bewertet der OB den Ausschlag für Baugesellschaft und Terramag.

Die Stadtverordnetenvorlage sieht einen jährlichen Erbbauzins für das 1497 Quadratmeter messende städtische Grundstück des Kanzleigebäudes von 19 800 Euro vor. Das insgesamt 2352 Quadratmeter große Areal des Hauses des Handwerks will die Stadt für 470 000 Euro verkaufen und hat dafür zuvor die Bewertung des Gutachterausschusses für den Main-Kinzig-Kreis eingeholt.

Die Vorlage steht am 2. September auf der Tagesordnung des Magistrats und am 5. September auf einer gemeinsamen Sitzung von Ortsbeirat Innenstadt sowie Struktur- und Umweltausschuss, ehe die Stadtverordneten am 23. September entscheiden. OB Kaminsky freut sich nun auf den weiteren öffentlichen Diskurs über dieses Stück Stadtentwicklung.  did

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