Stadt rechtfertigt sich

Wallonisch-Niederländische Kirche: Hanauer kritisieren Abholzung 

64 Bäume wurden Anfang der Woche an der Französischen Allee gefällt und vor Ort gehäckselt. Lediglich eine Linde bleibt erhalten. Das Abholzen sorgte für viel Kritik. Foto: Hackendahl
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64 Bäume wurden Anfang der Woche an der Französischen Allee gefällt und vor Ort gehäckselt. Lediglich eine Linde bleibt erhalten. Das Abholzen sorgte für viel Kritik.

Hanau – 64 Bäume wurden diese Woche, wie berichtet, rund um die Wallonisch-Niederländische Kirche gefällt – als Vorbereitung für die Umgestaltung des Kirchplatzes. Die Fällaktion löste erhebliche Kritik aus.

Ein Vorwurf: Das radikale Abholzen sei während der Umbau-Beratungen im vergangenen Jahr so nicht angekündiget worden.

Nach den umstrittenen Baumfällungen, die am Montag und Dienstag stattfanden, sollen die eigentlichen Arbeiten für die Umgestaltung des Platzes Ende März beginnen. Zunächst wird die Französischen Allee auf der Ost- und Westseite anders angelegt, teilte der städtische Pressedienst gestern mit, ehe der Platz selbst an der Reihe ist.

„Nun ist endlich absehbar, dass wir die Wallonisch-Niederländische Kirche als Wahrzeichen der Stadt nicht mehr mit Autos umranden“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky mit Blick auf die bevorstehende Umgestaltung. Im Vorfeld stand die Parkplatzfrage im Mittelpunkt der Diskussionen. Nachdem Marktbeschicker heftig gegen den vorgesehenen Wegfall der Parkplätze protestiert hatten, bleiben nun 43 Stellplätze am Rand erhalten.

Mit der Kritik an den Baumfällungen fühle er sich an eine ähnliche Debatte vor dem Umbau des Freiheitsplatzes erinnert, so Kaminsky. „Wiederum bin ich überzeugt, dass die große Mehrheit der Bevölkerung auch hier den neuen Platz besser finden wird.“

Der Magistrat will die Aufträge für die Bauarbeiten Ende Februar an ausgewählten Fachfirmen vergeben. „Anschließend kann die Baustelle eingerichtet werden“, sagt Stadtrat Thomas Morlock.

Die Französische Allee erhält auf der Ost- und Westseite einen hell eingefärbten Asphalt über den gesamten Straßen- und Gehwegbereich sowie auf den 43 Autostellplätzen. Für die Straßenbauarbeiten sind etwa drei Monate vorgesehen, anschließend beginnt die Umgestaltung des eigentlichen Platzes um die Doppelkirche. Von diesem Zeitpunkt an fällt auch die Stellfläche für Autos komplett weg. Bis zur Jahresmitte sollen die dortigen Parkplätze zunächst noch zu einem gewissen Teil zur Verfügung stehen. Während des Umbaus der Französischen Allee erfolgt die Verkehrsführung über den Platz, anschließend wieder über die Straße, erläutert die Stadt.

Zur Debatte über die Baumfällungen merkt Stadtrat Morlock an: „Bei allen öffentlichen Präsentationen zum Umbau des Wallonisch-Niederländischen Kirchplatzes war klar ersichtlich, dass hier die alten Bäume bis auf vier Ausnahmen durch hochstämmige neue Bäume ersetzt werden.“ Das bezieht sich auf eine Darstellung in Präsentationen während Parlamentarischen Ausschussberatungen. Während dieser Tage öffentlich kritisiert wird, dass das Abholzen während der Beratungen nicht klar kommuniziert worden sei, verweist Stadtrat Morlock auf das Bürgerwochenende im Oktober 2017. Damals sei auf einer Ausstellungstafel zu lesen gewesen, dass die Vegetationsflächen „in einem schlechten Zustand“ und „viele Bäume abgängig“ seien oder „erhebliche Mängel“ aufwiesen.

Warum uns die Natur so gut tut

„Niemand fällt gerne Bäume“, versichert OB Kaminsky. Aber ein neuer Platz mit Bäumen, deren Vitalität begrenzt und für die ein Umpflanzen keine Lösung sei, das passe nicht zusammen. Umgekehrt sei die Auswahl der neuen Baumarten auf dem Platz „zukunftsweisend“. Denn Japanische Schnurbäume, Feldahorne und Amerikanische Amberbäume seien „robuster gegen Klimaveränderungen gefeit“ als Baumhasel und Zierkirschen, die jetzt gefällt wurden.

Der Wegfall von 120 asphaltierten Parkplätzen zugunsten einer Grünfläche bedeute, so der OB, zudem „eine Entsiegelung mitten in der Stadt“. (lj/cs).

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