Bauarbeiten

Wallonisch-Niederländischer Kirche: Die Sanierung beginnt

Die Außenfassade der Wallonisch-Niederländischen Kirche
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Dach und Mauerwerk der Wallonisch-Niederländischen Kirche sollen bis voraussichtlich 2023 saniert werden. Unter anderem werden die Fugen neu gemacht.

Es gibt mehrere Stellen an der Wallonisch-Niederländischen Kirche, die einer Instandsetzung bedürfen. Nun haben die Sanierungsarbeiten begonnen.

Hanau – Schon von Weitem hört man die lauten Motorengeräusche und den Steinbohrer arbeiten. Hinter einem von zwei Gerüsten, die seit rund einer Woche an der Wallonisch-Niederländischen Kirche stehen, bröckeln die Steine herunter. Denn die gesamte Fassade der im 17. Jahrhundert erbauten Doppelkirche muss erneuert werden – inklusive der großen Fensterbögen in der Ruine. In zwei Jahren soll dann die Reparatur des Schieferndachs erfolgen.

Wie dringend der Sanierungsbedarf ist, erklärt Architekt Rainer Saiko: „Es bestand die Gefahr, dass Teile der Sandsteinabdeckung – dabei sprechen wir nicht nur von kleinen Steinchen, sondern von regelrechte Brocken – von den Wänden der Ruine herunterbrechen könnten.“ In ersten Verkehrssicherungsmaßnahmen wurden daher bereits die Spitzen auf den Säulen teilweise abgetragen und eingelagert. Sollten sich die Denkmalschutzbehörden dafür entscheiden, dass sie nachgestellt werden sollen, dienen sie als Schnitzvorlage.

Sanierung erfolgt in Absprache mit der Baufirma, der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Hanau sowie der Landesdenkmalpflege

Zeigt das Verhältnis von Dachbau zum Kirchenschiff anhand der Wallonischen Kirche: Pfarrer Torben Telder.

Nun sollen der Sandstein in einem ersten Schritt gereinigt, der alte Mörtel entfernt und die Steine einheitlich neu verfugt werden. Auf zwei Musterflächen neben dem Eingang der Niederländischen Kirche hat Saiko in Abstimmung mit der Baufirma, der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Hanau sowie der Landesdenkmalpflege verschiedene Varianten der Verfugung anlegen lassen. Mal grobkörniger und auffälliger, mal feiner. Gemeinsam wollen sie sich für eine stimmige Variante entscheiden, bei der die Sandsteine bestmöglich erhalten und stabilisiert werden können.

„Wir entscheiden gemeinsam Schritt für Schritt, was in welcher Form gemacht werden muss“, sagt Wolfgang Zöller, der Geschäftsführer der Kathinka-Platzhoff-Stiftung. Als Eigentümer ist die Stiftung für die Sanierung der Ruine der Wallonischen Kirche zuständig. Die Kirchengemeinde um Pfarrer Torben Telder für den überdachten Teil der Doppelkirche. „Da die Niederländische Kirche genutzt und geheizt wird und zusätzlich überdacht ist, weist sie an der Fassade deutlich weniger Schäden auf als die Ruine“, erklärt Telder. Daher bestehe dort dringenderer Handlungsbedarf.

Baugerüst soll in zwei Jahren einmal um die Wallonisch-Niederländische Kirche wandern

Möglichst einheitlich soll die Doppelkirche wirken. Architekt Rainer Saiko zeigt die Musterfläche, an der verschiedene Möglichkeiten der Verfugung getestet werden.

Die Ruine ist dabei laut Zöller wie ein „Überraschungsei“. „Wenn man sie bearbeitet, sieht man erst, was gemacht werden muss“, sagt er und lacht. „Da finden sich plötzlich Löcher, von denen man vorher nichts wusste.“ Neben dem Alter der rund 400 Jahre alten Ruine habe die Umweltverschmutzung ihr übriges getan, die Steine dunkel verfärbt. Das sieht man deutlich im Treppenhaus der Niederländischen Kirche, das zum Dach hinauf fuhrt. In den kommenden zwei Jahren sollen die Baugerüste einmal rund um die Doppelkirche wandern. Angefangen rechts vom Eingang der Niederländischen Kirche, an der Ruinenfassade entlang. „Wir beginnen jetzt auf dem linken Gerüst“, erklärt Saiko. „Wenn die Arbeiten an dem dahinterliegenden Mauerwerk abgeschlossen sind, geht es auf dem zweiten Gerüst weiter, das linke wird dann abgebaut und rechts vom zweiten wieder aufgebaut.“ Zum Schluss soll dann die Niederländische Kirche schritt für Schritt saniert werden. „Wir hoffen, dass wir 2022 mit der Erneuerung des Dachs beginnen können“, sagt Telder. Die Dacharbeiten belaufen sich dann ebenfalls auf mindestens ein Jahr. Denn der Dachbau bemisst knapp drei Fünftel des Kirchenvolumens. Auf dem Dachboden stehen zurzeit Eimer und Wannen für Regenwasser, überall klaffen kleine Löcher, durch die man in den Himmel blicken kann.

Schieferdeckelung der Wallonisch-Niederländischen Kirche musste abgesichert werden

„Wenn es regnet, steht hier auch schon mal das Wasser“, sagt Telder. „Da müssen wir aufpassen, dass wir keine Wasserflecken in der Kirche bekommen.“ Daher muss die komplette Holzverschalung erneuert und anschließend mit neuen Schieferplatten gedeckt werden. Da auch die Schieferdeckelung abzustürzen droht, wurde sie bereits an der Südseite von einem örtlichen Dachdecker gesichert. Sobald die Umbaumaßnahmen am Kirchplatz auch auf der Nordseite abgeschlossen sind, wird auch die Nordseite abgesichert.

Die Eigentümer der Doppelkirche haben 2,25 Millionen Euro als Gesamtinvestitionsvolumen für die Sanierung errechnet. Die Stadt bezuschusst diese mit 700 000 Euro. Für die Kirchengemeinde steht außerdem durch den Kauf einer neuen Orgel eine Investition in Höhe von einer halben Millionen Euro bevor. „Durch die heißen Sommer in den vergangenen fünf bis sechs Jahren hat sich die Hälfte des Orgelpfeiffen-Bestands verformt oder ist gerissen“, so Telder. Daher soll bald eine amerikanische Kino- und Theaterorgel her, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts meist die Stummfilme auf den Leinwänden der damaligen Lichtspielhäuser mit dem ihr eigenen Soundtrack versorgte. Dieser wurde zu Beginn meist live gespielt.

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