„An der Ampel kann man jeden Porsche abhängen“

Wasserstoff-Projekt in Hanau erfolgreich beendet

Es dauert nur wenige Minuten bis der Wasserstofftank des Renault HyKangoo gefüllt ist. Das ist neben der längeren Reichweite einer der Vorteile gegenüber einem rein batteriebetriebenen Fahrzeug.
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Es dauert nur wenige Minuten bis der Wasserstofftank des Renault HyKangoo gefüllt ist. Das ist neben der längeren Reichweite einer der Vorteile gegenüber einem rein batteriebetriebenen Fahrzeug.

Als Erfolg werten die beteiligten Partner das Projekt „H2anau – Wasserstoff bewegt“, im Rahmen dessen die Alltagstauglichkeit von strombetriebenen Autos mit Brennstoffzellen-Technologie zur Reichweitenverlängerung getestet wurde. Gut drei Jahre lief das Projekt, das nun mit einer Online-Konferenz seinen offiziellen Abschluss fand.

Hanau - Im Mittelpunkt von „H2anau – Wasserstoff bewegt“ standen sieben Renault HyKangoo – ein bereits in Serie gefertigtes Hybridfahrzeug, dessen Basis der stromgetriebene Renault Kangoo ZE mit einer 22 kWh-Batterie ist, der zusätzlich mit einer 5 kWh-Brennstoffzelle ausgestattet ist. Diese Fahrzeuge wurden von den Projektpartnern Evonik, Umicore, Heraeus, Stadtwerke Hanau, IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern und Fraunhofer Einrichtung IWKS im Alltagsbetrieb getestet.

Hanau: Positives Fazit nach Projektende

Das Fazit nach insgesamt rund 120 000 gefahrenen Kilometern: Vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke und generell im Stadtverkehr ist der Renault HyKangoo durchaus eine brauchbare, klimaschonende und leise Alternative zu Autos mit Verbrennungsmotor, wie Fraunhofer-Mitarbeiter Dr. Jörg Zimmermann in seiner Auswertung des Versuchs feststellte.

Während des dreijährigen Projekts wurden die sieben Fahrzeuge auf Strecken zwischen fünf und 200 Kilometern eingesetzt. Die längeren Fahrten sind allerdings nur unter Einsatz der Brennstoffzelle zur Reichweitenverlängerung möglich. Allein batteriebetrieben erlaube der Renault HyKangoo im Eco-Modus lediglich Fahrten bis rund 100 Kilometern Länge. Durch die Brennstoffzelle, in der Wasserstoff und Sauerstoff reagieren und dabei elektrische Energie erzeugen, werde die Reichweite in etwa verdoppelt.

Unter der Motorhaube des HyKangoo befindet sich ein normaler Elektromotor. Wasserstofftank und Brennstoffzelle sind im Laderaum montiert.

Allerdings, und das haben die Testfahrten auch gezeigt, ist die Reichweite der Fahrzeuge stark abhängig vom Fahrverhalten und von der Umgebungstemperatur. Bei flotten Autobahnfahrten und im Winter ist der Aktionsradius der strombetriebenen Brennstoffzellen-Fahrzeuge erheblich eingeschränkt. Insgesamt, so stellte der stellvertretende Geschäftsführer der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Andreas Kunz, fest, sei das Fahrzeug einfach in der Handhabung und es mache Spaß, damit unterwegs zu sein. „Insgesamt fährt man mit so einem strombetriebenen Fahrzeug bewusster, aber an der Ampel kann man jeden Porsche abhängen“, so Kunz schmunzelnd, der rund 27 000 Kilometer im Renault HyKangoo zurückgelegt hat.

Hanau: Wasserstoff in Flaschen unter hohem Druck

Neben der Reichweitenverlängerung durch die Brennstoffzelle ist auch die im Vergleich zur Stromaufladung an der Steckdose kurze Betankungszeit mit Wasserstoff von Vorteil. Da es in Hanau bislang noch keine Wasserstofftankstelle gibt (siehe Kasten), wurde eigens für das Projekt, das mit 250000 Euro von der EU und vom Land Hessen gefördert wurde, eine angemietete Wasserstoff-Zapfstation auf dem Gelände des Industrieparks Wolfgang installiert. Dort wurde der vom Industriegase-Hersteller Linde in Flaschen angelieferte Wasserstoff bei einem Druck von 350 bar vertankt. Es dauert nur wenige Minuten, bis der bis zu 1,78 Kilogramm Wasserstoff fassende Tank des Renault HyKangoo gefüllt ist.

Evonik, Umicore, Heraeus und Fraunhofer IWKS forschen allesamt auf dem Gebiet der Wasserstoff-Nutzung, die als eine Schlüsseltechnologie der Zukunft gilt. In großen Mengen aus regenerativen Energien erzeugter Wasserstoff, der in der Mobilität aber auch industriell vielfältig genutzt werden könnte, wäre ein Meilenstein auf dem Pfad zum CO2-freien Wirtschaften. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. (Von Dirk Iding)

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