Wehr erzeugt bald Strom

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Mit einer maximalen Fallhöhe von 2,74 Meter galt das Wehr lange Zeit als unwirtschaftlich für die Stromerzeugung. Neue Turbinentechnik lässt aber nun eine effektivere Nutzung zu.

Großkrotzenburg - An der Staustufe Krotzenburg unweit des Kraftwerks Staudinger wird in absehbarer Zeit wieder Strom aus Wasserkraft gewonnen. Die Firma „Juwi“ mit Sitz in Wörrstadt hat vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Aschaffenburg den Zuschlag zum Bau eines Wasserkraftwerks an der Staustufe bekommen. Von Dirk Iding

Derzeit wird das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Darmstadt will der Bauherr und künftige Betreiber der Anlage noch in diesem Jahr die umfangreichen Antragsunterlagen einreichen.

Wie das WSA gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, haben sich insgesamt sieben Firmen an dem Interessenbekundungsverfahren zum Bau einer Wasserkraftanlage an der Staustufe beteiligt, das im März 2008 eingeleitet wurde. Darunter war auch das Unternehmen E.ON-Wasserkraft, der nach eigenen Angaben größte Wasserkrafterzeuger in Deutschland.

Den Zuschlag hat jedoch „Juwi“ bekommen, ein noch relativ junges Unternehmen. Bisher setzte die 1996 in Rheinland-Pfalz gegründete Unternehmensgruppe (siehe Info-Kasten) ausschließlich auf die Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Biomasse. Mit dem geplanten Wasserkraftwerk an der Krotzenburger Staustufe betritt „Juwi“ Neuland. „Das ist für uns der Einstieg in die Wasserkraft“, sagt Firmensprecher Rolf Heidenreich.

Die Staustufe Krotzenburg: In absehbarer Zeit soll hier wieder Strom aus Wasserkraft gewonnen werden. Damit kehrt man zurück zu den Wurzeln. Denn 1920 wurde dort bereits ein Wasserkraftwerk errichtet.

Doch die Technik, die „Juwi“ einsetzen möchte, hat sich bereits in anderen Anlagen bewährt: Vier so genannte „VLH-Turbinen“, die auch bei niedrigeren Fallhöhen effektiv arbeiten, wollen die Techniker ins Krotzenburger Wehr einbauen, das nur über eine vergleichsweise geringe Fallhöhe von maximal 2,74 Meter verfügt. Diese geringe Fallhöhe nach dem Neubau der Staustufe Krotzenburg machte lange Zeit die Gewinnung von Strom aus Wasserkraft an dieser Stelle unwirtschaftlich. Doch mit gestiegenen Erzeugerpreisen und vor allem Dank verbesserter Turbinentechnik hat sich die Situation verändert. Die Nutzung der Wasserkraft erlebt einen Boom. So denken, wie berichtet, beispielsweise auch die Stadtwerke Hanau über den Bau eines zweiten Laufwasserkraftwerks an der Kinzig nach.

An der Krotzenburger Staustufe ist nach Angaben von Juwi-Sprecher Heidenreich eine Zwei-Megawatt-Anlage geplant. Zu Details der Planungen wollte sich der Firmensprecher indes gestern noch nicht äußern. Man bereite gerade das umfangreiche Planfeststellungsverfahren vor. Juwi hoffe, bereits im kommenden Jahr, spätestens 2011 in die Realisierung gehen zu können.

Schon die Preußen gewannen hier Energie durch Wasserkraft

Die Idee, an der Staustufe Krotzenburg Wasserkraft zur Stromgewinnung zu nutzen, ist nicht neu. Im Gegenteil: Als in diesem Bereich 1920 erstmals eine Staustufe in Betrieb genommen wurde, gehörte zu der damals modernsten Anlage ihrer Art auch ein Wasserkraftwerk. Der Preußische Staat setzte seinerzeit auf die Energiegewinnung durch Wasserkraft und beteiligte sich an den Mehrkosten. Später übernahm die Preußen Elektra, die auch das Kraftwerk Staudinger betrieb, die Anlage. Doch als Ende der 70er Jahre des vorherigen Jahrhunderts der Neubau der Staustufe anstand, erschien der Bau eines neuen Kraftwerks nicht mehr rentabel. Das mächtige Industriedenkmal wurde abgerissen und existiert heute nur noch auf historischen Aufnahmen.

Das von „Juwi“ geplante Projekt wird aber deutlich kleinere Dimensionen haben, als das historische Gebäude. Von außen werden die Einbauten ins Wehr kaum wahrnehmbar sein.

„Juwi“ kooperiert häufig mit regionalen Energieversorgern. Zuletzt wurde bekannt, dass die Energieversorgung Offenbach mit der Unternehmensgruppe eine gemeinsame Gesellschaft, die „Cerventus Naturenergie GmbH“ mit Sitz in Offenbach, gründete. Ihr Ziel ist es, künftig Windparks in ganz Hessen zu betreiben. Ob ein ähnliches Modell auch für das Krotzenburger Wasserkraftwerk vorgesehen ist, steht noch nicht fest.

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