Prozess

Wehrlosem Opfer gegen den Kopf getreten: 18-Jähriger steht in Hanau vor Gericht - Vorwurf ist eindeutig

Eingang Landgericht Hanau
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In Hanau steht ein 18-Jähriger vor Gericht, der einem wehrlosen Opfer nach einem Streit brutal gegen den Kopf getreten haben soll. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft ist eindeutig.

Hanau – Probleme in der Schule, Probleme zu Hause, Probleme mit dem Gesetz. Kein Schulabschluss, kein Job. K.’s Leben geriet schon im Kindesalter aus dem Gleichgewicht. Den bisherigen Tiefpunkt erreichte seine Laufbahn am 1. Februar 2020, als er brutal auf einen Kontrahenten eingeschlagen haben und dem wehrlosen Opfer gegen den Kopf getreten haben soll.

Jetzt muss sich der 18-jährige Hanauer vor dem Jugendgericht verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft ist eindeutig: versuchter Totschlag.

Prozess: Angeklagter äußert sich nicht zur Tat in Hanau

Beim Prozessauftakt äußert sich K. zu seinem bisherigen Lebensweg. Zur Tat selbst macht er keine Angaben, wie Verteidiger Benjamin Döring erklärt. Er stellt jedoch klar: „Die Sache soll nicht negiert werden.“

Schon früh begannen die Probleme bei K., der bei seinem Vater und seiner Stiefmutter aufwächst. Seine leibliche Mutter, so sagt er, sei schon im frühen Kindesalter mit ihm überfordert gewesen und habe ihn dem Vater überlassen.

Prozess in Hanau: Angeklagter berichtet von gescheiterter Schullaufbahn

Es folgt eine Schullaufbahn, die man getrost als gescheitert bezeichnen kann. Auf der ersten Schule sei er aus der ersten Klasse geflogen, nur bis zur siebten Klasse ging er überhaupt zur Schule.

Laut K. wurde bei ihm eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert, auch der Aufenthalt in einer Einrichtung für schwer erziehbare Kinder brachte ihn nicht in die richtige Spur.

Angeklagter berichtet bei Prozessauftakt in Hanau von Drogen und Alkohol

Im Jugendalter kommt es immer wieder zu Streit mit den Eltern, K. kommt bei Freunden unter. Leider bei den falschen. Mit 15 Jahren kommen Alkohol und andere Drogen dazu. „Ich bin abgerutscht in dieser Zeit“, so K.

Hinzu kommt das aggressive Verhalten. „Ich gehe leicht an die Decke“, sagt K. Das Ergebnis: mehrere Akteneinträge wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl. 14 Wochen Jugendarrest saß K. bereits ab.

Prozess in Hanau: Angeklagter fiel bereits früher wegen brutaler Tat auf

Besonders interessant ist für die Vorsitzende Richterin Dr. Katharina Jost ein Vorfall aus dem Jahr 2019. Da soll K. einer ehemaligen Freundin, die gerade einmal vier Wochen zuvor ein Kind zur Welt gebracht hatte, im Streit in den Bauch getreten haben. Massive Hämatome und heftige Schmerzen waren die Folgen für die Frau.

Dass er, wie beim Vorfall auf dem Hanauer Freiheitsplatz am 1. Februar 2020, die wehrlos auf dem Boden liegende Frau weiter getreten haben soll, bestreitet K. eilig.

Angeklagter bei Prozess in Hanau gerät immer wieder in Streit

Es ist nicht der einzige Vorfall, in dem es um Freundinnen und mögliche Kontrahenten geht. Auch der Auslöser für den eskalierten Streit auf dem Freiheitsplatz war eine Frau. Ein Bekannter soll einer Freundin von K. bei der Begrüßung ans Gesäß gefasst haben.

Es kommt zum Streit, der laut Staatsanwaltschaft mit einem Tritt mit voller Wucht gegen den Kopf des bereits am Boden liegenden und blutenden Opfers endete. Ein Tritt, der für das Opfer mehrere Frakturen im Gesichtsbereich und eine Gehirnerschütterung zur Folge hatte. Welche Folgen der Tritt für den Angeklagten hat, wird das Gericht klären. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 5. August, fortgesetzt.

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