Weit mehr als eine Notlösung

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Wollen offensiv für die Arbeit der Selbsthilfegruppen werben: Georg Wend, Rosemarie Reuter, Gerd Rohde und Hubert-Thorwald Reuter von der SEKOS Hanau.

Hanau (dk) ‐ Austausch, Zuhören, Lernen aus Erfahrung anderer und das Entwickeln von Bewältigungsstrategien, „das ist es, was Selbsthilfe zu bieten hat.“ Rosemarie Reuter, Geschäftsführerin der Selbsthilfekontaktstelle (SEKOS) in der Breslauer Straße, räumt mit dem Vorurteil auf, dass Selbsthilfegruppen nur etwas für Arme, Kranke oder Behinderte seien.

So ist es gar nicht.“ Deshalb gehen die SEKOS-Selbsthilfegruppen am Sonntag, 8. November, von 11 bis 16 Uhr, auch mit einer großen Veranstaltung im Congress Park an die Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt der Präsentation von über einem Dutzend Gruppen steht um 11.30 Uhr ein Vortrag von Professor Dr. Klaus Dörner zur Frage „Selbsthilfe – Eine Notlösung?“

Hubert-Thorwald Reuter, Vorsitzender des SEKOS-Trägervereins, sieht das nicht so. Für ihn sind Selbsthilfegruppen eine unabhängige und unverzichtbare Säule des Gesundheits- und Sozialwesens. Gerade in einer Zeit zunehmender Symptome, wie auch SEKOS-Mitarbeiter Gerd Rohde betont. Er selbst war Jahrzehnte im beratenden Bereich tätig und ist auch in seinem Ruhestand noch aktiv. Unter anderem als Sprecher der Selbsthilfegruppe „Panik, Angst, Depressionen,“ die sich dienstags ab 18.30 Uhr in der Breslauer Straße 19 trifft. Dort, so sagt Rohde, können Betroffene offen sprechen. „Was gesagt wird, bleibt im Raum.“ Und sein Gegenüber mit dem Vornamen zu kennen, das reiche aus. Die Selbsthilfegruppe als vertrauensvoller Schutzraum, der auch Anonymität wahrt.

SEKOS ist bestens vernetzt

In den Gruppen, so weiß Rosemarie Reuter, kommen dann oft auch ganz andere Probleme im Gespräch zum Vorschein. Beispielsweise, dass ein Alkoholmissbrauch auf einer unverarbeiteten Trennungssituation fußt. „Hier ist die SEKOS bestens vernetzt und kann auf Wunsch zielgerichtete Unterstützung anbieten.“

Allen Selbsthilfegruppen ist gemeinsam, dass die Teilnehmer lernen, ihr jeweiliges Problem, ob Krankheit oder psychisches Ungleichgewicht, anzunehmen, um dann zu eigenverantwortlichem Handeln und zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zurückzufinden. Denn oft gehen mit den Problemen Isolation und Rückzug einher. Und „Ausgrenzung macht krank,“ weiß Rosemarie Reuter, die es in der SEKOS zunehmend auch mit Rat- und Hilfesuchenden zu tun hat, die sich nicht nur materiell durch Hartz IV an den Rand gedrängt fühlen. Doch die Selbsthilfegruppen sind Anlaufstellen für Menschen „aus allen Schichten. Das geht querbeet“, so Gerd Rohde.

Direkt an den Ständen informieren

Kontakt und Infos: 06181/255500 auf der Internetseite 

Bei der Veranstaltung am 8. November im Congress Park können sich Interessierte direkt an den Ständen der Gruppen informieren. Unter anderem werden die „Emotion Anonymos,“ der „Freundeskreis e.V.“, die „Bechterew-Gruppe,“ die Gruppe der Angehörigen von Suchtkranken, die Diabetikergruppe, die Gruppe der „Essgestörten,“ die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“, die SHG „Alzheimer“, die Gruppe „Dicke Freunde“ und die Selbsthilfegruppe „Angst, Panik, Depressionen“ mit Ständen vertreten sein. Weitere Selbsthilfegruppen aus dem Main-Kinzig-Kreis sind zur Präsentation eingeladen, sagt SEKOS-Sprecher Georg Wend.

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