Wem‘s gefällt, der spendet

Musiker wie Jörg Sanders versuchen, sich online über Wasser zu halten

Seine Hunde sind die einzigen Live-Zuschauer bei den täglichen Online-Konzerten von Jörg Sanders. Dafür erreicht der Steinheimer Musiker via Facebook viele Zuhörer, sogar aus dem Ausland.
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Seine Hunde sind die einzigen Live-Zuschauer bei den täglichen Online-Konzerten von Jörg Sanders. Dafür erreicht der Steinheimer Musiker via Facebook viele Zuhörer, sogar aus dem Ausland.

Für Freischaffende und Künstler wie Musiker und Sänger ist die Corona-Krise eine schwierige Zeit.

Hanau – Viele von ihnen geraten in Existenznöte, denn etliche Veranstaltungen und Konzerte wurden bis auf Weiteres abgesagt, Veranstaltungsorte wie Gaststätten und Musikkneipen sind vorerst geschlossen. Da versuchen sich einige Musikerinnen und Musiker, mit Auftritten im Netz über Wasser zu halten.

Einer von ihnen ist der Steinheimer Sänger und Gitarrist Jörg Sanders. „Bei mir sind es allein seit Mitte März 16 Auftritte, die nicht stattfinden konnten“, klagt er. Damit sei ihm bereits jetzt ein „mittlerer vierstelliger Betrag an Gagen“ entgangen. Dabei laufen die Kosten etwa für Krankenkasse, Versicherungen und Hauskredit weiter. „Zudem habe ich Unterhaltsverpflichtungen gegenüber Frau und Tochter – das ist alles ziemlich schwierig“, flüchtet sich Sanders dennoch in Zweckoptimismus. „Wir können froh sein, dass wir alle gesund sind. Man kann das alles im Moment nicht ändern und mit schlechter Laune kommt man ja auch nicht weiter“, meint der 42-Jährige, der seit sechs Jahren hauptberuflicher Musiker ist und seit 22 Jahren auf der Bühne steht.

Sechs Tage in der Woche gibt Jörg Sanders nun Online-Konzert von jeweils 30 Minuten Dauer, werktags und samstags um 19.45 Uhr. Sonntags geht er ab 17 Uhr sogar für zwei Stunden „auf Sendung“. Dabei sind seine drei Hunde die einzigen Live-Gäste seiner aus dem Garten übertragenen Konzerte. Für sie gibt es zwischendurch auch mal Streicheleinheiten.

Angefangen mit den täglich auf Facebook übertragenen Konzerten hat Jörg Sanders am 30. März. Die Zahl seiner Zuschauer kann sich mittlerweile sehen lassen. Sogar internationale Zuhörer sind dabei. „Mein Ex-Gitarrist Gruni, der im vergangenen August mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert ist, schaut in Vancouver regelmäßig zu“, freut sich Sanders. Auch Zuschauer aus Österreich, Spanien, Schweiz und Griechenland seien mit dabei. Das weiß Sanders anhand der vielen Kommentare, die ihn zu seinen Facebook-Konzerten erreichen. Zwar sei das nicht zu vergleichen mit einem Live-Auftritt, aber dank der unmittelbaren Reaktionen sei man seinem Publikum doch auch so recht nahe. Und für alle, denen die Auftritte von Sanders gefallen, wurde ein Paypal-Konto angelegt, auf das man für den Künstler spenden kann.

Vor dem Online-Auftritt muss erst noch die Kamera ausgerichtet werden.

Jörg Sanders muss derzeit seine Konzerte solo gestalten, seine musikalischen Partner von „Sanders & friends“ dürfen wegen der Corona-Beschränkungen nicht kommen.

„Derzeit bin ich dran, die von den Zusehern gewünschten Lieder nach und nach abzuarbeiten. Die Musikwünsche erreichen mich per WhatsApp, Facebook, per E-Mail oder auch als Kommentar zu meinen Konzerten,“ erzählt Sanders.

Insbesondere die Absage verschiedener Großveranstaltungen wie das Hanauer Lamboyfest oder der Hessentag in Bad Vilbel trifft auch Musiker wie Jörg Sanders hart. Hinzu kommen etliche kleinere Auftritte, die von den Auftraggebern inzwischen ebenfalls gestrichen worden seien. Für Sanders bedeutet das den Verlust von barem Geld.

Doch noch sieht der Steinheimer die Situation gelassen: „Klar, keiner will auf seinen Luxus verzichten. Dennoch gibt es viele Menschen auf der Welt, denen es erheblich schlechter geht. Solange man was zu essen und zu trinken hat und alle gesund sind, geht’s uns doch alle gut. Bier und Äppelwoi sind ja eigentlich auch schon ein Stück weit Luxus.“

VON HOLGER HACKENDAHL

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