Kunst

Wenn die Queen zur Ratte wird: Zu Besuch im Atelier der Cartoonistin Uschi Heusel

In ihrem Atelier: Uschi Heusel beim Zeichnen eines Entwurfs. Im Vordergrund eines ihrer ersten Rattengemälde, inspiriert von Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“.
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In ihrem Atelier: Uschi Heusel beim Zeichnen eines Entwurfs. Im Vordergrund eines ihrer ersten Rattengemälde, inspiriert von Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“.

Sie schauen mal schelmisch oder schüchtern, mal arrogant oder kokett, mal verschlagen oder gar schicksalsergeben: Künstlerin Uschi Heusel schafft es, „ihren“ Ratten malerisch eine Vielzahl an menschlichen Gefühlsregungen in ihr tierisches Gesicht zu legen und damit die oft überzogene Selbstwahrnehmung des ehrwürdigen Homo sapiens auf leichthändige Weise zu karikieren. Nun stellt die Malerin und Cartoonistin rund 30 ihrer teils großformatigen Werke unter dem Titel „RATTionale Aussichten“ beim Hanauer Kulturverein in der Remisengalerie von Schloss Philippsruhe aus.

Hanau – Wir haben Uschi Heusel vorab in ihrem Atlelier und „Museum of Modern Rat“ in Dietzenbach besucht und schon mal mehr als einen Blick auf die Arbeiten für die kommende Ausstellung geworfen. Beim Betrachter lösen die detailverliebten Acrylmalereien im Stil alter Meister, wie des Barockmalers Jan Vermeer, des Realisten Jean-François Millet, des Impressionisten Edgar Degas und des Jugendstil-Künstlers Gustav Klimt, die allesamt Ratten mit menschlichen Attitüden darstellen, unwillkürlich ein breites Grinsen oder herzliches Gelächter aus. Diese Freude wird noch ergänzt durch mehrzeilige amüsante und erläuternde Schachtelsätze, mit denen Heusel ihre Werke als Titel versieht.

„Im Jahr 1997 zeichnete ich im Rahmen eines Auftrages meine erste kleine Ratte, und da war es um mich geschehen. Ich konnte nicht genug bekommen von diesem kleinen frechen Tierchen, das mich vom Papier her anschaute. Ich musste das erforschen und weiterzeichnen“, erzählt die Künstlerin.

Comicfigur „Ratte Ludwig“ erscheint seit 1998 wöchentlich in der „Offenbach Post“

Uschi Heusel mit einem ihrer aktuellen Bilder „Kleinere Brötchen“.

Was damals mit einigen lustigen Ratten-Entwürfen begann, entwickelte sich in kurzer Zeit zur Comicfigur „Ratte Ludwig“, die seit 1998 als wöchentlicher Cartoon in der „Offenbach Post“ erscheint – eine hessisch sprechende Ratte, die in einem sechsteiligen Cartoon ihre Geschichten und Erlebnisse zum Besten gibt. Das sind über 22 Jahre und geschätzte 1500 Cartoons. Während ihre Cartoons normalerweise immer samstags erschienen, gab es seit Beginn des Corona-Lockdowns im März in beinahe jeder Ausgabe Neues aus dem Hause Ludwig. Mit Nummer 100 kehrte Heusel aber wieder zum normalen Rhythmus zurück. Inzwischen hat Heusel die 100 „Zuhause bei Ludwig“-Cartoons sogar in Buchform veröffentlicht.

„Aber mit den Cartoons hatte ich schon Anfang der 2000er noch nicht genug von den Ratten, denn in mir schlummerte immer die Malerin. Nach einem Besuch des Museums ‘Villa Ludwigshöhe‘ in der Pfalz entstanden die ersten Gemälde mit historischem Hintergrund. Opulent gerahmte und mit kleinen Texten versehene Werke, die ich mit größter Bewunderung zu alten Meistern anfertigte, wurden für mich neben dem Cartoon-Zeichnen zur größten Leidenschaft“, berichtet die Malerin. So entstand 2002 das „Museum of Modern Rat“. Uschi Heusel hatte begonnen, ihre Protagonisten in klassischen Gemälden darzustellen. Beim Blättern in Kunstbüchern lässt sie sich inspirieren, wie seinerzeit für eines ihrer ersten Werke, angelehnt an „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Jan Vermeer. Die alten, oft barockartig anmutenden Rahmen sind Teil des Kunstwerks.

Künstlerin malt auf unterschiedlichen Untergründen

Auch die Queen wurde von der Künstlerin in eine Ratte verwandelt.

Heusel ist immer auf der Suche nach weiteren Schätzen in dieser Richtung. Dabei malt sie gerne auf unterschiedlichen Untergründen vom puren Leinen bis zum Holz. Eine Auswahl der Gemälde und ihrer kleinen Geschichten veröffentlicht sie ebenfalls seit einigen Jahren regelmäßig als Wandkalender. 2012 erhielt sie beim Salon International de la Caricature in Saint-Just- le Martel/Frankreich den „Prix de’l humour tendre“, der sie für ihren besonders zarten Humor auszeichnet.

2016 wurde in Dietzenbach eine nach Heusels Entwürfen angefertigte menschengroße Bronze-Statue der Ratte Ludwig auf einem Steinberg sitzend unter dem Titel „Steinberg-Kreisel“ eingeweiht, und 2018 kam es zur ersten außereuropäischen Ausstellung des Museum of Modern Rat in der chinesischen Hauptstadt Yunnans, Kunming. „Viele Ausstellungen folgten bis zum heutigen Tage. Diese anfangs kleine Ratte hat mich bis weit über die Grenzen Deutschlands bis nach China geleitet und überall große Bewunderung, Anerkennung und Sammler hervorgebracht. Ich bin noch lange nicht müde, aus Ratten freundliche Gestalten zu machen, die die Betrachter nicht verabscheuen, sondern erheitern und faszinieren“, meint Uschi Heusel.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda statt und wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, sowie von der Sparkassen-Stiftung Hessen-Thüringen unterstützt.

Die Ausstellung

„RATTionale Aussichten“ mit Malerei von Uschi Heusel ist in der Remisengalerie des Hanauer Kulturvereins (rechtes Torgebäude Schloss Philippsruhe, Philippsruher Allee 45, Hanau) ab heute bis 30. August zu sehen. Öffnungszeiten sind jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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