Kontaktlos und ohne Gesang: Wie die jungen Spendensammler mit der Corona-Situation umgehen

Wenn Sternsinger nicht singen dürfen

In der Stadtpfarrkirche Mariae Namen sandte die Pfarrei St. Klara und Franziskus am Dreikönigstag ihre Sternsinger aus – zumindest symbolisch.
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In der Stadtpfarrkirche Mariae Namen sandte die Pfarrei St. Klara und Franziskus am Dreikönigstag ihre Sternsinger aus – zumindest symbolisch.

Hanau – Eigentlich lebt Solidarität mit anderen Menschen von der Begegnung. Doch das ist schwierig in Zeiten, in denen Kontakte so weit wie möglich vermieden werden sollen. Und so müssen die Sternsinger mit Kreativität die Distanz überwinden, die sie in diesem Jahr wahren müssen, um für Kinder in anderen Teilen der Welt Spenden zu sammeln. Fast trotzig klingt da das Motto „Heller denn je – die Welt braucht eine frohe Botschaft“. Auch bei der neuen katholischen Pfarrei St. Klara und Franziskus haben sich die Beteiligten auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. Für die jungen Sternsinger ist es dennoch eine ungewohnte Situation.

Die Pfarrei sandte ihre Sternsinger bereits vor einigen Tagen in der Pfarrkirche Mariae Namen aus – allerdings nur symbolisch. Denn wie ihre Mitstreiter bundesweit werden die Mädchen und Jungen nicht von Haus zu Haus ziehen, nicht in die Geschäfte gehen, keine öffentlichen Auftritte haben. Das finden vor allem diejenigen schade, die schon länger dabei sind, wie etwa Serena. Die 15-Jährige geht schon seit einigen Jahren als Sternsinger zu den Menschen, um den Segen zu spenden und Geld zu sammeln für Kinder in Not. Zusammen mit Anastasia, Giulia, Debora, Maurice, Lilly und Noa, alle im Alter zwischen sechs und 15 Jahren, hat sie am Gottesdienst in der Kirche in der Hanauer Innenstadt teilgenommen.

Sie sind sozusagen die „wackeren Aufrechten“. Im Vorjahr seien es rund 30 Sternsinger gewesen, sagt Gemeindereferent Maurice Radauscher. Dazu zählt er allerdings auch eine Gruppe junger Erwachsener.

Und heute? Sind es etwa nur ein Drittel so viel wie sonst, wie Radauscher vorrechnet. Viele sind Geschwister, das erleichtert die Sache bei der Anzahl der unterschiedlichen Haushalte. Aber streng genommen sind es nicht einmal Stern-Singer, denn gesungen werden darf auch in der Kirche nicht. Der Gesang während des Gottesdienstes kam vom Band.

Doch der 29-jährige Gemeindereferent sieht auch die Probleme, die zwangsläufig aufgetreten wären: 30 Kinder hätten sie gar nicht unter den geltenden Abstandsregelungen in der Kirche unterbringen können, und auch die Fahrt mit vollen Autos – oft werden die Kinder und Jugendlichen aufgrund der Größe der Gemeinden zu ihrem Einsatzort gefahren – wäre schwierig geworden. Dennoch hätten sie alle, die im Vorjahr dabei waren, wieder angeschrieben und gefragt, ob sie mitmachen. „Damit sich keiner ausgeschlossen fühlt“, so Radauscher.

Leckeres Essen bei den Leuten, Süßigkeiten – auf das müssen die Sternsinger in diesem Jahr verzichten, sagen sie mit Bedauern. „Aber dafür auch auf Fußschmerzen“, wirft Radauscher ein und kann – einmal mehr – der Situation etwas Positives abgewinnen. Aber natürlich weiß er auch, dass die diesjährige Aktion Dreikönigssingen für die Kinder und Jugendlichen nicht einfach ist. Das zeigt allein der Vergleich mit dem Vorjahr: Über 70 Haushalte hätten sie besucht, sagt Radauscher, waren insgesamt vier Tage lang unterwegs, besuchten zahlreiche Geschäfte, Banken, das St.-Vinzenz-Krankenhaus, den Oberbürgermeister im Rathaus. Auch beim Auftritt auf dem Marktplatz habe es „tolle Begegnungen“ gegeben, erinnert sich der Gemeindereferent.

Diese Möglichkeit öffentlicher Auftritte, quasi als Ersatz für das Laufen von Haustür zu Haustür, hatten die Verantwortlichen der Pfarrei geprüft. Die Corona-Verordnungen machten sie schließlich unmöglich. Immerhin etwas ist dann doch wie sonst: Am Vortag des Gottesdienstes schauten sich die Betreuer mit den Mädchen und Jungen einen Film über die Ukraine an, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Aktion Dreikönigssingen steht. Die Lage vieler Kinder dort, deren Eltern zum Arbeiten ins Ausland gehen müssen und die oft nur bei einem Elternteil oder den Großeltern leben, habe sie sehr betroffen gemacht, schildern die jungen Sternsinger.

Statt Besuch an der Haustür gibt es nun Pakete für alle, die den Segen der Sternsinger erhalten wollen. Die Pakete sind eigentlich kleine Tüten. Darin zu finden: ein Aufkleber mit dem Segensspruch „20*C+M+B+21“, der für „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ steht, zusammen mit der Jahreszahl 2021, ein Umschlag, in den die Spende gesteckt und an die Kirchengemeinde übergeben werden kann, sowie ein Teelicht. Diese Pakete werden die Sternsinger in die Briefkästen stecken, zudem sind sie in der Kirche erhältlich. Ab heutigem Montag gibt es außerdem die Möglichkeit, sich im Pfarrbüro für einen Hausbesuch anzumelden. Der wird dann aber von einem Mitarbeiter der Pfarrei übernommen – ohne die Sternsinger-Kinder.

Infos zu Segenstütchen

Die Segenstütchen der Pfarrei St. Klara und Franziskus können in den offenen Kirchen Mariae Namen Hanau, St. Paul Großauheim und St. Laurentius Großkrotzenburg tagsüber mitgenommen werden; telefonische Bestellungen der Segenstütchen sind ab heutigem Montag im zentralen Pfarrbüro möglich unter z 06181 9230070.

Von David Scheck

Die Sternsinger gehen auf Abstand – auch in der Pfarrei St. Elisabeth gibt es keine klassischen Hausbesuche. Stattdessen kommt der Segen durch den Briefkasten. Rund 300 Haushalte hat die Pfarrei stattdessen angeschrieben.

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