Kreative Wege zu den Menschen

Das Weststadtbüro ist zwar geschlossen, nimmt aber digital Kontakt auf

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Mit Kreativpaketen gegen den Lagerkoller: Zentrumsleiterin Eftelya Erbasli (rechts) verteilte vor dem Weststadtbüro Malsachen.

Gerade hatte das Weststadtbüro mit den Folgen des Attentats vom 19. Februar zu tun gehabt, als das Stadtteilzentrum Mitte März wegen der Corona-Pandemie ganz seine Türen schließen musste.

Das Team des Weststadtbüros musste überwiegend aus dem Homeoffice arbeiten, bis es am vergangenen Freitag endlich wieder vor Ort sein konnte. Mit dem Projekt „Kreativ gegen Corona“, einem Kooperationsprojekt mit der Baugesellschaft, zeigten Baugesellschaft und Weststadtbüro am Kurt-Schumacher-Platz Flagge. Mitarbeiter der Baugesellschaft und des Weststadtbüros verteilten Kreativpakete an die Bewohner des Viertels. An einem Stand vor dem Weststadtbüro am Kurt-Schumacher-Platz konnten 93 Pakete an Passanten verteilen. „Die Aktion war so erfolgreich, dass wir am Mittwoch die restlichen 100 Pakete verteilen wollen“, so Erbasli auf Nachfrage am Telefon. 

Ebenso konnten 40 von der Frauengruppe des Zentrums selbst genähte Mundschutzmasken verkauft werden. In den Paketen waren unter anderem Ausmalhefte, Bücher, ein Stundenplan sowie Übungen, Luftballons und Comics für Kindergarten- und Grundschulkinder. Mit der Aktion wollen die Initiatoren die Quartiersbewohner vor Ort unterstützen. „Und wir wollten den Menschen etwas zur Beschäftigung bieten“, so Erbasli. 

Weitere Ideen für die Hausaufgabenhilfen

Gerade in der Weststadt mit den vielen hier ansässigen Familien sei dies wichtig. Denn in den vergangenen Wochen war die Kommunikation untereinander und mit den Menschen nur digital möglich. Beispiel Hausaufgabenbetreuung: Normalerweise betreuen ehrenamtliche Helferinnen täglich rund 40 Kindern in den Räumlichkeiten des Weststadtbüros bei den Hausaufgaben oder schulischen Problemen. „Seit Beginn der Corona-Schließung bieten wir diese Hausaufgabenhilfe online an“, erzählt Erbasli, die froh ist, dass die Ehrenamtlichen sich offen für die neuen digitalen Kommunikationsformen gezeigt haben. „Mittlerweile machen wir mit zehn Kindern ein Mal wöchentlich eine Video-Hausaufgabenhilfe.“Je nach Bedarf gibt es bis zu 90 Minuten eine Eins-zu-eins-Betreuung. 

Die Frauengruppe hatte fleißig genäht: Birgit Heinz verkauft Masken in der Weststadt.

Und es gibt weitere Ideen: Ein Nachhilfe-Lehrer plant einen Deutschkurs telefonisch anzubieten. Und die Frauengruppe will ihre gemeinsamen Frühstücke virtuell abhalten. Auch die Krabbelgruppe trifft sich virtuell. Insbesondere der Beratungsbedarf sei weiterhin sehr groß, so Erbasli. Viele Nutzer des Weststadtbüros sind Hartz-IV-Bezieher und brauchen Hilfe bei Formularen und Anträgen. „Es ist vieles ins Stocken geraten wegen Corona, aber die Menschen brauchen trotzdem Hilfe bei der Arbeitssuche oder beim Ausfüllen von Formularen.“ Auch der Gesprächsbedarf bei den Menschen im Viertel sei groß. „Die Menschen brauchen wieder eine Anlaufstelle und einen geschützten Raum, in dem sie sich aufhalten können.“ 

Gesetzliche Vorgaben entscheiden, wann das Weststadtbüro öffnet

Zwar sei die Angst der Menschen vor rechtem Terror wegen Corona etwas in den Hintergrund getreten. „Aber trotzdem darf der 19. Februar nicht in Vergessenheit geraten.“ Das Team des Weststadtbüros versucht momentan alle Angebote, soweit es geht, online anzubieten, da eine zeitnahe Wiedereröffnung nicht absehbar sei. So werden Beratungen und Kindersprechstunden per Videokonferenz angeboten, momentan überwiegend ein Mal wöchentlich unter anderem mit betroffenen Kindern vom 19. Februar. Erbasli ist froh, dass sich auch in der Corona-Zeit viele ehrenamtlich engagieren würden. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, bietet einen Telefondienst an. Bei ihr können beispielsweise einsame Menschen wie etwa Senioren anrufen, um einfach zu plaudern. 

Im Hintergrund werde an Konzepten für eine mögliche Wiedereröffnung im September gearbeitet. Erbasli hat dafür ein Hygienekonzept erarbeitet. Am Ende zählen allerdings die gesetzlichen Vorgaben, ob, wie und wann das Weststadtbüro wieder eröffnen kann. „Uns liegt das Wohl der Menschen im Quartier sehr am Herzen“, so Erbasli, „gerade nach den Vorfällen vom 19. Februar ist es wichtig, dass wir weiterhin für die Menschen da sind.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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