GmbH will Turbulenzen hinter sich lassen

„Weiße Ritter“ retten die gebeutelten White Wings

Hanau – Ja, es habe neben sportlichen auch große interne und finanzielle Probleme gegeben. Jetzt aber sei ein Neustart erfolgt. Von Christian Spindler

Das war der Tenor gestern bei einer Pressekonferenz der Hanau White Wings Basketball GmbH, deren Team in der zweiten Liga gegen den Abstieg kämpft und die in den letzten Monaten wegen ihrer Turbulenzen für Schlagzeilen gesorgt hatte – verbunden mit Rücktritten. Jens Gottwald, White-Wings-Macher der ersten Stunde, hat sich zurückgezogen. Sportdirektor Helmut Wolf schmiss hin, nachdem er fehlende Kommunikation und Uneinigkeit kritisiert hatte. Zuletzt ging Geschäftsführer Sebastian Bartholomäus. Auch Aufsichtsratschef Harald Nickel war zwischenzeitlich raus. Jetzt folgte bei ihm und auch bei Wolf der Rücktritt vom Rücktritt.

Nickel ist wieder Aufsichtsratsvorsitzender und starker Mann in der GmbH. Er organisierte den Neustart. Beim großen Presseauftritt mit Team und Funktionären vor nur drei Journalisten nannte er das „Aktion Weiße Ritter“. Dabei im Mittelpunkt: Unternehmer Axel Ebbecke. Dessen Verfahrenstechnik AG ist nicht nur neuer Namenssponsor, sondern will mit Lizenzzahlungen aus weltweit vermarkteten White-Wings-Nahrungsergänzungsmitteln bzw. Sportdrinks die GmbH alimentieren. „Ein bis zwei Millionen Dosen“ will Ebbecke jährlich verkaufen. Stückpreis: 30 Euro.

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Zum Neustart gehört ein von Wolf erarbeitetes Management-Konzept: Markus Stützer (Ebbecke-Gruppe) ist einer der Geschäftsführer, Sebastian Lübeck neuer Leiter Finanzen/Sponsoring/Lizenzierung, Sebastian Köhnert, Ex-White-Wings-Basketballer, technischer Leiter. Rückkehrer Wolf werde, unabhängig von Klasserhalt oder Abstieg, „bei uns bleiben so lange wir ihn brauchen“, sagte Nickel. Wolf, der deutschlandweit Basketballteams berät, äußerte sich dazu nicht.

Auch das Engagement seines Unternehmens für die White Wings sei „langfristig angelegt“, erläuterte Axel Ebbecke, der sogar einen Weg bis in die erste Liga für möglich hält. Erstaunliche Töne waren auch in Sachen Wirtschaftsrat und zum Verhältnis zu Dr. Marc Weinstock zu hören. Weinstock, der zusammen mit der Stadt das Wohngebiet Pioneer Park entwickelt, war größter Werbesponsor der GmbH. Ein dubioses Wohnungsgeschäft mit einem Basketballer, das am Ende nicht vollzogen wurde, führte nach Recherchen unserer Zeitung zum Bruch. Weinstock stieg als Sponsor aus. Die GmbH geriet in Schieflage, weil Gelder fürs Team fehlten. Ein von Weinstock geführter Wirtschaftsrat wurde kurzerhand aufgelöst. Weinstock sei mittlerweile gar nicht mehr Gesellschafter, so Aufsichtsratschef Nickel auf Nachfrage. Man habe sich „freundschaftlich getrennt“, hieß es sogar.

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Mit der Auflösung des Wirtschaftsrats liegt ein Projekt auf Eis, das Weinstock & Co. befördern sollten: Der Bau einer Multifunktions-Sporthalle. Nickel: „Davon kann man momentan nur träumen.“ Zugleich verwies er auf das Beispiel Jena, wo die Stadt einer Investorengruppe ein Grundstück für eine solche Halle zur Verfügung gestellt habe.

Die private White Wings GmbH in Hanau wird in erheblichem Maß von städtischen Unternehmen gesponsert. In den letzten Jahren flossen jeweils um die 100.000 Euro.

Rubriklistenbild: © dpa

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