„Wie es den Leuten geht, ist denen egal“

IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal will weiter Druck machen

+
Auf großes Interesse stieß die Diskussion, zu der die IG Fluglärm Hanau-Kinzigtal am Mittwochabend ins Brockenhaus eingeladen hatte. IG-Vorstandsmitglied Elisabeth Schneider (links) forderte dabei weiteren Widerstand aus der Region.

Hanau - Lärm macht auf Dauer krank. Das steht für Professor Dr. Thomas Münzel von der Mainzer Universitätsklinik außer Frage. Münzel sprach am Mittwochabend im Brockenhaus auf Einladung der Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau-Kinzigtal e. V. über das Thema, das in und auch um Hanau auf großes Interesse stößt. Von Dieter Kögel 

Münzel verwies dabei auf längst vorliegende Studien, deren Ergebnisse er durch eigene Untersuchungen bestätigt und untermauert hat. Fazit: „Fluglärm ist extrem schädlich für Gefäße und Herz“ und verzögere bei Kindern die Entwicklung. Besonders gefährdet seien indes ältere Menschen, die dem Lärm über Jahre ausgesetzt seien. „Bei Überflügen steigt der Blutdruck signifikant an.“ Das hätten seine eigenen Studien ergeben, erklärte der Lärmwirkungsforscher, der als einer der renommiertesten Fachleute auf diesem Gebiet gilt. Unter der Dauerbelastung von Fluglärm steige das Risiko für einen Herzinfarkt um rund 20 Prozent. Selbst wenn der Lärm von den Betroffenen nicht als störend empfunden werde, der Körper reagiere trotzdem. Erhöhter Blutdruck setze freie Radikale frei, „die Gefäße werden schlechter.“

Komme das Gefühl der massiven Störung hinzu, so wirke sich der Lärm auch auf die Psyche aus, und „so bilden wir selber weitere Riskofaktoren aus.“ Egal, ob der Mensch dem Lärm von der Straße, von der Schiene oder aus der Luft ausgesetzt ist. Wobei der Fluglärm von den meisten Menschen als größte Störung empfunden werde. Zum Lärm kämen weitere Belastungen wie die des Feinstaubes insbesondere in Ballungsgebieten, zu denen auch Hanau gehöre. Für den menschlichen Organismus entstehe so ein „hoch reaktiver Cocktail.“ Und die Belastung insbesondere durch Fluglärm habe in den vergangenen acht Jahren sehr stark zugenommen.

„Doch die Verantwortlichen in der Landespolitik und die Flughafenbetreiber ignorieren die eindeutigen Ergebnisse der bisherigen Studien,“ kritisierte Münzel. „Wie es den Leuten geht, das ist denen egal,“ so der Mediziner wörtlich. Selbst die eigentlich problemlose Einführung weniger lärmintensiver Anflugverfahren scheitere alleine an den wirtschaftlichen Interessen des Flughafenbetreibers. Und so würden wohl Hochrechnungen Bestand haben, die durch Lärmbelastung in den nächsten zehn Jahren zusätzliche 75 .000 Herz- und Gefäßerkrankungen und 35.000 Todesfälle prognostizierten.

Für Elisabeth Schneider vom Vorstand der Interessengemeinschaft Fluglärm Hanau-Kinzigtal ist das Grund genug, weiteren Widerstand der Menschen aus der Region anzukündigen und zur Teilnahme an den regelmäßigen Montagsdemos auf dem Frankfurter Flughafen einzuladen. Denn ohne Druck werde sich nichts bewegen. Gleichwohl sieht Hanaus Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) als Mitglied in der Fluglärmkommission „Zeichen der Verbesserung der Situation“. So sei die Ausweitung des Nachtflugverbots von derzeit 11 bis 5 Uhr auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nach wie vor im Gespräch. Er persönlich halte die Ausdehnung des Nachtflugverbotes für machbar, erklärte Kowol. Denn die Flüge in den so genannten „Nachtrandzeiten“ ließen sich problemlos auf andere Zeiten verschieben. „Es gibt eine ganze Reihe von nächtlichen Flügen, die man verlegen kann.“ Auch eine „gerechtere Verteilung“ des Lärmes durch die Festsetzung anderer Flugrouten über weniger belasteten Bereichen werde von den Fachleuten diskutiert. „Ein Anspruch, den man durchaus erheben kann,“ findet der Hanauer Stadtrat.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare