Lange Fahrt gut überstanden

Marderhunde finden im Wildpark neue Heimat

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„Snowball“ taufte Dr. Ebel sogleich den weißen Marderhund, der übrigens ein blaues und ein schwarzes Auge hat.

Klein-Auheim -  Fünf Marderhunde – drei Weibchen und zwei Männchen – haben im Wildpark „Alte Fasanerie“ ein neues Zuhause gefunden. Von Holger Hackendahl 

Die Marderhunde kommen aus England und wurden von Matthew Ford, dem Betreiber einer Tierauffangstation in London-Heathrow, mit einem Kombi-Pkw angeliefert. „Ich bin so glücklich, dass die Tiere nun hier sein können“, freute sich Ford, der nach insgesamt zehnstündiger Reise, zunächst per Autozug durch den Eurotunnel und dann weiter auf französischen, belgischen und deutschen Autobahnen, in Klein-Auheim eintraf. Seine tierischen Begleiter in den Transportkisten hatten die Reise offenbar gut überstanden.

Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel war gleich Feuer und Flamme für die neuen Parkbewohner. Den putzigen weißen Marderhund, der wohl zu einer neuen Wildpark-Attraktion werden kann, nannte sie spontan „Snowball“. Seine vier Artgenossen haben beige-schwarze Felle. Die Neuzugänge werden nun mit den zwei bereits im Gehege lebenden Marderhunden – zwei Weibchen – vergesellschaftet.

Alles aus dem Wildpark Klein-Auheim

Während sich die zahmen Marderhunde nach ihrer Ankunft erst einmal mit Jungküken-Häppchen stärkten, blieben die zwei bisherigen Bewohner in ihrem Versteck. „Diese Marderhunde wurden in England von ihren Besitzern als Haustiere gehalten und von den Behörden aus unterschiedlichsten Gründen konfisziert“, erläuterte Matthew Ford, dessen „Specialist Wildlife Service“ für die Vermittlung von Wildtieren von der englischen Queen mit einem Award ausgezeichnet wurde, wie er nicht ohne Stolz berichtet.

Der Specialist Wildlife Service bietet bis zu 500 durch Polizei und Behörden beschlagnahmten Tieren ein vorübergehendes Zuhause, vermittelt diese dann europaweit an Zoos und Wildparks. „Derzeit betreuen wir auch Schlangen, Krokodile, Affen, Lemuren aus Madagaskar, Löwen, Bären und vieles mehr“, erläutert Matthew Ford.

Marderhunde neue Bewohner des Hanauer Wildparks: Bilder

Die „Raccoon-Dogs“, wie die Marderhunde im Englischen heißen, weisen wortwörtlich übersetzt als „Waschbärhund“ auf die große Ähnlichkeit mit den Waschbären hin. Sie sind auch Allesfresser, allerdings stammen sie aus der Familie der Hunde. „Sie können aber nicht bellen und – im Gegensatz zu Waschbären - auch nicht klettern“, erläutert Wildparkbiologin Ebel.

Im Aussehen ähnelt der Marderhund zwar dem Waschbären, unterscheidet sich jedoch insbesondere in der geteilten Gesichtsmaske. Der Allesfresser ist ein scheuer und nachtaktiver Bewohner von Wäldern und Regionen mit viel Unterholz. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Marderhundes umfasst das östliche Sibirien, das nordöstliche China und Japan. In Europa ist er ein zugewanderter Neubürger, der ursprünglich eingeführt wurde, um sein dichtes Fell wirtschaftlich zu nutzen. Zwischen 1928 und 1950 wurden in der Ukraine rund zehntausend Tiere ausgesetzt. Von dort aus breiteten sie sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Richtung Westeuropa aus. Mittlerweile kommt der Marderhund deutschlandweit vor. „Marderhunde sind eine invasive Art, die sich rasant vermehren kann. Die Marderhunde haben bei uns keine natürlichen Feinde und sind in Norwegen bereits eine echte Plage, da sie den kleineren Arten arg zusetzen,“ so Dr. Ebel.

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