Nur noch drei Wisente im Wildpark

Rätsel nach Eginwalds Tod

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Der Klein-Auheimer Wisentbulle Eginwald musste unlängst im Wildpark eingeschläfert werden. Erst jetzt wurde die Todesursache geklärt.

Klein-Auheim - Wie geht es weiter mit der Wisentherde im Wildpark? Die zuletzt vier Tiere umfassende Herde um Stier Eginwald ist weiter dezimiert worden. Von Holger Hackendahl 

Der große Stier war überraschend erkrankt und musste Anfang April eingeschläfert werden, nachdem er kaum noch auf die Beine kam. Um die genaue Todesursache zu ermitteln, wurde der Kadaver zur Untersuchung ins Landeslabor nach Gießen gebracht. Jetzt steht die Todesursache fest: Eine Entzündung der Hirnanhangsdrüse, deren Entstehung sich keiner erklären kann. „Wir trauern um einen Bullen im besten Alter“, sagt Wildpark-Biologin Marion Ebel.

Eginwald kam vor zehn Jahren Warburg-Hardehausen als „Ersatzmann“ für Falco nach Klein-Auheim, der im Gegenzug nach Hardehausen abgegeben wurde, um dort viele weitere Wisentkühe zu beglücken. „Mit Falco ging ein Schwergewicht, mit Eginwald kam ein Jungspund“, erinnert sich Ebel.

Ein Neuankauf eines Wisentbullen sei vorerst nicht geplant, sagt die Biologin. Zunächst hofft man, dass Eginwald noch zu Lebzeiten die Wisentkuh Falka gedeckt hat und diese noch mal Nachwuchs bekommt, der hoffentlich männlich ist. „Da unsere zwei jungen Wisentkühe aus dem Nationalpark Bayrischer Wald kommen, besteht keine enge genetische Verbindung, sodass der gewünschte männliche Nachwuchs von Falka unser neuer Zukunftsstier werden könnte.“ Nur wenn kein Nachwuchs geboren werde oder der Nachwuchs weiblich ist, werde ein neuer potenter Bulle gesucht.

Aktuell befinden sich noch drei Wisentkühe im Gehege der Wildrinder. Die 18 Jahre alte Kuh Falca sowie zwei Wisente aus dem Nationalpark Bayrischer Wald. Die nun zwei Jahre alten Jungkühe Abia und Abnette kamen 2017 zur Wisentherde. Sie haben sich gut eingelebt und wurden gut angenommen.

Im Austausch für die beiden Neuankömmlinge verließen die drei in der Alten Fasanerie geborenen jungen Wisente Fatu, Fachim und Fairytail die Klein-Auheimer Herde.

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Bald wird die geschrumpfte Wisentherde im Auheimer Tierpark doppelt so viel Auslauf haben wie bisher. Für Europas größtes landlebendes Säugetier wurde im Winterhalbjahr ein neues, 2,9 Hektar großes Gehege geschaffen und vom Förderverein mit 100.000 Euro mitfinanziert. Es wird in Kürze mit dem alten Gehege durch einen zehn Meter breiten Zugang verbunden.

Das bisherige 3,6 Hektar große Gehege war für die Herde zu eng geworden, dazu war der Boden ausgelaugt, wodurch sich Parasiten vermehren können. Dank des Ausweichgeheges besteht nun die Möglichkeit, den Erdboden aufzuarbeiten.

Die Wisentherde in der Alten Fasanerie hatte bereits vor zehn Jahren Tiefschläge zu verkraften. Durch die Blauzungenkrankheit war die Population arg zusammengeschrumpft.

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Weltweit gibt es nur noch 4000 echte Wildrinder. In den 1920er Jahren waren die Wisente akut vom Aussterben bedroht, es lebten nur noch zwölf in Zoos und Tiergehegen. Sieben fortpflanzungsfähige Tiere bildeten 1923 den Stamm zur heutigen Wisentpopulation. Nach Anstrengungen von Zoos und Privatpersonen, die Art zu erhalten, konnten die ersten frei lebenden Wisentherden 1952 im heutigen Nationalpark Bialowieza an der polnisch-weißrussischen Grenze durch Auswilderung wieder angesiedelt werden.

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