Seit zwei Jahren wieder in Betrieb

Wilhelmsbader Karussell: Förderverein feiert Jubiläumsfest

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Fasziniert Jung und Alt: In den zwei Jahren, in denen das Karussell wieder regelmäßig in Betrieb ist, haben schon einige tausend Karussellfans ihre Runden in Wilhelmsbad gedreht.  

Hanau - Vor 20 Jahren hat sich der Förderverein für das Wilhelmsbader Karussell gegründet und vor zwei Jahren drehte sich das weltweit einzigartige Karussell erstmals wieder. Dies nahm der Förderverein zum Anlass, ein dreitägiges Fest auszurichten. Von Dieter Kögel

Viele Besucher stießen von Freitag bis Sonntag mit den Mitgliedern des Fördervereins darauf an, dass das historisch wertvolle Kleinod nach Jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wieder seine Runden drehen kann. Und das tat es auch bereits am Freitagabend zur Festeröffnung. Nachdem sechs kurze Signaltöne erklungen waren, setzte sich das Karussell in Bewegung. Zu Leierkastenmusik zogen die restaurierten Pferde ihre Bahnen. Die Passagiere genossen die gemächlichen Runden mit Blick auf den Wilhelmsbader Park.

Und während oben auf dem Karussellhügel die Fahrgäste ihre Runden drehten, erklärte Fördervereinsmitglied Eberhard Schmidt im Technikkeller einer großen Gruppe von Interessierten die Geschichte und die einmalige Technik des Karussells. So erfuhren seine Zuhörer, dass das Karussell – so wie die gesamte Kuranlage – durch den Verkauf hessischer Soldaten an England finanziert worden war. Angetrieben wurde das Karussell anfangs von Bediensteten, später dann durch Tiere. Schließlich ersetzte ein Benzinmotor die Muskelkraft, erklärte Schmidt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Karussell dann so schwer beschädigt, dass es sich jahrzehntelang gar nicht mehr drehte.

Ein Zustand, der vor über 20 Jahren engagierte Bürger auf den Plan gerufen hat, die das Karussell nicht dem totalen Verfall hatten preisgeben wollen. Und drehen sollte es sich auch wieder. Denn „ein Karussell, das sich nicht dreht, das ist kein Karussell,“ sagte Schmidt. Lange habe es gedauert, bis auch das Land und die Verwaltung der Gärten und Schlösser sich diese Auffassung zu eigen gemacht hatten. Doch letztendlich seien die jahrelangen Bemühungen des Vereins von Erfolg gekrönt gewesen, der die etwa 4 Millionen Euro Restaurierungskosten mit rund 1,4 Millionen Euro unterstützt habe. Und diese vier Millionen seien angesichts dessen, was im und auf dem Karussellhügel alles geleistet worden sei, „gar nicht so viel,“ sagte Schmidt, und empfahl den Film der Restaurierungsstationen anzuschauen, der während der Festtage am Wochenende im Kurhaus gezeigt wurde. Zu sehen sind darin die komplexen Vorgänge, die zur Wiederherstellung der weltweit einmaligen Konstruktion erforderlich gewesen sind.

Bilder: Karussellfest in Hanau

Erneut ertönten die Signaltöne, die Erklärungen wurden unterbrochen. Für kurze Zeit beherrschten das Surren der Elektromotoren und das Knarzen des großen hölzernen Antriebsrades den angenehm kühlen Keller des Karussellhügels. Draußen herrschten noch weit über 20 Grad, die Garnituren im Schatten der Linden neben dem Brunnentempel waren dicht besetzt. Karussellwein aus Hörstein wurde ausgeschenkt. Zu Essen gab es Steaks und Würstchen, Handkäse oder Ofenkartoffeln, Crêpes und Gebäck. Auch das Angebot an Cocktails ließ keine Wünsche offen. Musikalisch untermalt wurde die laue Sommernacht mit swingenden Evergreens von Sänger Reinhard Paul.

Bilder: Karussellfest in Hanau

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