Biden vs. Trump

„Wir sind einfach fertig mit Trump“: Wie zwei Amerikaner aus der Region die US-Wahlen sehen

Der Wahlkampf bestimmte zuletzt den Alltag in den USA. Mit Spannung verfolgt wurden insbesondere die TV-Duelle zwischen Donald Trump (links) und Joe Biden, die an vielen Orten auch auf Leinwände übertragen wurden.
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Der Wahlkampf bestimmte zuletzt den Alltag in den USA. Mit Spannung verfolgt wurden insbesondere die TV-Duelle zwischen Donald Trump (links) und Joe Biden, die an vielen Orten auch auf Leinwände übertragen wurden.

Als Obama 2008 gewann, durfte Omari Knox, aus Brooklyn/New York stammender Aufbauspieler der Hanau White Wings, zum ersten Mal wählen. Bei der aktuellen Wahl, bei der sich Joe Biden von den Demokraten und Amtsinhaber Donald Trump gegenüberstehen, empfindet der 33-jährige Knox sowohl Hoffnung als auch Sorge.

Denn mit den in diesem Ausmaß noch nicht da gewesenen Briefwahl-Stimmen sei alles neu. Wie viele andere hat Knox erstmals per Brief abgestimmt, zuvor konnte er immer persönlich wählen. Auch in Deutschland, wo er seit etwa zehn Jahren professionell Basketball spielt.

Seit Anfang Oktober lebt der New Yorker mit seiner Familie in Hanau. Neben den eintrudelnden Zwischenergebnissen hielten ihn in der Wahlnacht auch sein vier Monate alter Sohn und der Kontakt zur Familie in den Staaten wach.

Für Basketballer der White Wings war die Wahl eine leichte Entscheidung

„Wir haben einen Familiengruppenchat – die ganze Zeit kommen neue Nachrichten“, erzählt Knox. Welcher Kandidat dabei unterstützt wird? „Meine ganze Familie wählt immer die Demokraten, die Entscheidung war nicht schwierig für mich“, verrät der Basketballer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Corona-Pandemie und Polizeigewalt: US-Amerikaner sieht Handlungsbedarf

Den Wahlkampf der letzten Wochen habe er nicht so stark verfolgt, doch grundsätzlich sieht Knox Handlungsbedarf bei den großen Themen wie etwa der Pandemiebekämpfung oder dem Polizeiproblem, weshalb er auf einen Sieg von Joe Biden hofft.

„Es sieht gut aus, muss ich sagen“, meinte Knox, nachdem er gestern um 16 Uhr für eine aktuellere Einschätzung erneut kontaktiert wurde. „Ich hoffe, dass das Ergebnis vor dem Wochenende feststeht. Aber noch sind viele Stimmen übrig zu zählen“, sagte er.

Basketballer übt scharfe Kritik an US-Präsident Trump

Beim ersten Gespräch angesprochen auf mögliche Ursachen für einen hypothetischen Biden-Sieg wird der sonst in sich ruhende Knox etwas emotionaler. „Ich glaube, dass viele Leute einfach fertig mit Trump sind. Er hat als Präsident und Leader das ganze Land gespalten!“

Auch er hat per Briefwahl abgestimmt: Der Amerikaner Omari Knox, der aktuell in Hanau lebt und bei den White Wings Basketball spielt.

Gleichzeitig befürchtet er, dass das Trump-Lager seine Unterstützer stärker als die Demokraten die ihrigen mobilisieren kann. Sollten die Republikaner gewinnen, sieht Omari Knox seine Heimat USA vor dem Abgrund: „Ich glaube nicht, dass wir weitere vier Trump-Jahre schaffen.“

Inhaber von Hanauer Restaurant hofft auf Trump-Niederlage

Auch Steve Waller verfolgte seit dem Wahltag aufmerksam die Nachrichten. Er war als Soldat in Hanau stationiert und ist nach seiner Zeit in der Armee in Deutschland geblieben: Waller, bekannt als Inhaber von Steve’s Bar & Grill im Hafen, lebt und arbeitet seit 40 Jahren in Deutschland. Er habe in den letzten Tagen die Präsidentschaftswahl in seiner Heimat Amerika intensiv verfolgt. Wir telefonierten gestern Vormittag, zwei Tage nach der Wahl, mit ihm.

Noch wird in Amerika ausgezählt: Wahlhelfer aus dem Bezirk Chester scannen an der West Chester University in West Chester die Stimmzettel für die US-Präsidentschaftswahl.

„Wir müssen das Ergebnis abwarten“, sagt der 75-Jährige. Aber er hoffe, dass Amtsinhaber Donald Trump die Wahl verliert. „Das wäre das Beste für alle, er ist kein Staatsmann, er hat jeden beleidigt.“ Steve Waller kommt ursprünglich aus Virginia, hat nach seiner Zeit in der US-Armee in Deutschland als Lehrer für Englisch gearbeitet. Seit acht Jahren betreibt er sein Restaurant im Hanauer Hafen, das bekannt ist für amerikanische Spezialitäten wie Burger und Steaks.

Corona-Pandemie: Politik in den USA eine „Katastrophe“

Obwohl er seine Heimat manchmal vermisst, ist Waller froh, während der Corona-Pandemie in Deutschland sein zu können. „Was Trump in Amerika gegen Corona gemacht hat, ist eine Katastrophe“, sagt er und erinnert sich daran, dass der Präsident empfohlen hatte, als Mittel gegen das Virus Desinfektionsmittel zu trinken.

Zwar sah es am Donnerstag so aus, als wenn der demokratische Herausforderer Joe Biden gewinnen würde, aber die Spannung war hoch. „Es ist sehr eng.“ Dabei hat auch Waller nicht erwartet, dass das Ergebnis so knapp wird. „Viele haben gedacht, dass Trump klar verliert, weil er so viel kaputt gemacht hat in Amerika.“ Und der Gastronom ergänzt in Anspielung auf die Pöbeleien von Trump: „Der Ton macht eben die Musik.“

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