Wird bald wieder am Mainufer gefeiert?

Neue Koalition wünscht sich Rückkehr des Love Family Parks nach Hanau

Menschenmassen kamen jedes Jahr zum Love Family Park auf die Großauheimer Mainwiesen.
+
Menschenmassen kamen jedes Jahr zum Love Family Park auf die Großauheimer Mainwiesen.

Wenn Love Family Park war, war richtig was los in Hanau. Über 20 000 Techno-Fans feierten von 1996 an jeden ersten Sonntag im Juli auf den Großauheimer Mainwiesen. Prominente DJs wie Sven Väth sorgten für Partystimmung und brachten die Massen in Wallung. Doch 2013 fand das Festival hier zum letzten Mal statt. Dann untersagte das Land Hessen die Nutzung der geschützten Mainwiesen, das Festival zog um.

Hanau - Könnte es nun eine neue Zukunft in Hanau geben? Immerhin bringt die neue Hanauer Koalition aus SPD, CDU und FDP eine Rückkehr des Love Family Parks ins Gespräch.

Wir blicken zurück: Weil die Mainwiesen im Landschaftsschutzgebiet liegen, konnte die Veranstaltung all die Jahre nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Behörden über die Bühne gehen. Die wurde jedes Jahr aufs Neue erteilt, ein letztes Mal noch für 2013. Dann untersagten die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium und das hessische Umweltministerium die Nutzung der Wiesen. Im Hanauer Rathaus sprang man dem Mannheimer Veranstalter Cosmopop zur Seite und versuchte alles, die Behörden umzustimmen und den Love Family Park in Hanau zu halten (siehe Kasten). Auch die Initiative „Save the Park“ kämpfte für den Erhalt. Jedoch vergebens.

Nach der Zeit in Hanau wich das Festival nach Mainz aus

Und so wich das Festival zunächst nach Mainz aus, wo es von 2014 bis 2016 auf einem Messegelände stattfand. 2017 fiel es aus, 2018 zog der Park nach Rüsselsheim auf das Mainvorland um, wo er 2019 ein weiteres Mal stattfand. Dann kam Corona. Und nun droht sich Geschichte zu wiederholen, denn auch in Rüsselsheim verspürt Robert Ebinger von Cosmopop Gegenwind von Naturschützern. Woher die Signale kommen, will Ebinger im Gespräch mit unserer Zeitung nicht konkret ausführen. Es sei eine komplizierte Gemengelage, betont er. Deutlich geworden sei für ihn jedenfalls, dass die Perspektive für 2022 unsicher ist.

Ebinger kann nicht verstehen, dass er schon wieder vor einem ähnlichen Problem steht wie damals in Hanau. „Jedes Jahr finden in dem Landschaftsschutzgebiet Hessische Mainauen, das sich entlang des Mains zieht, zahlreiche Großveranstaltungen statt. Unmittelbar in Rüsselsheim ist das ein riesiges Oldtimertreffen. Dann parken 3000 Autos auf den Wiesen, und es kommen 30 000 Besucher“, sagt Ebinger. Auch ein großdimensioniertes Ritterfest sei offenbar kein Problem. Zudem würden weitere Feste in eben jener Schutzzone entlang des Mains wie selbstverständlich gefeiert, beispielsweise auch das Hanauer Bürgerfest oder das Höchster Schlossfest mit Zehntausenden Besuchern am Mainufer (zumindest vor Corona). „Wir fühlen uns diskriminiert“, sagt Ebinger.

Für Genehmigung ist die Naturschutzbehörde zuständig

Im hessischen Umweltministerium hält man sich auf Nachfrage unserer Zeitung im Hinblick auf mögliche künftige Genehmigungen bedeckt. „Dem Umweltministerium und dem zuständigen Regierungspräsidium sind derzeit keine konkreten neuen Planungen für den Love-Family-Park bekannt. Sollten entsprechende Planungen bestehen, müssten diese zunächst bei der zuständigen Stadt Rüsselsheim beantragt und dann geprüft werden, ob das Vorhaben mit dem Landschaftsschutz sowie dem Artenschutz in Einklang zu bringen wäre“, teilt Sprecherin Amrei Pfeiffer mit. Zuständige Genehmigungsbehörde sei die Untere Naturschutzbehörde.

Unabhängig der Genehmigungslage wünscht sich die neue Mehrheit in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung einen zweiten Anlauf für das beliebte Festival in der Brüder-Grimm-Stadt. „Der Love Family Park soll wieder in Hanau stattfinden“, heißt es auf Seite 60 des Koalitionsvertrags von SPD, CDU und FDP, der kürzlich unterzeichnet wurde.

Das Festival sei „über viele Jahre zu einem wichtigen Stück Hanauer, hessischer und deutscher Musikkultur geworden. Es ist schwer nachvollziehbar, warum es nicht möglich ist, für dieses Festival eine Fläche in der Rhein-Main Region zu finden“, erklärt SPD-Fraktionschef Max Bieri auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Koalition sei „grundsätzlich offen und gesprächsbereit und würde sich über eine Rückkehr an den angestammten Ort auf den Großauheimer Mainwiesen freuen“.

„Wir freuen uns über die Haltung der Politik in Hanau“

Das Heft des Handelns liege beim hessischen Umweltministerium beziehungsweise der Regierungspräsidentin in Darmstadt. „Besteht hier der Wille einen Kompromiss zu finden, vom Verbot abzurücken und ein Stück Musikkultur zu ermöglichen, so wird man bei uns offene Türen einrennen“, so Bieri. Schon 2013 habe die Stadt Hanau auf Möglichkeiten aufmerksam gemacht, wie der Love Family Park rechtssicher stattfinden könne. Damals wie heute steht eine große Mehrheit hinter dem Festival, sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

Auch Ebinger kann sich eine Rückkehr nach Hanau grundsätzlich vorstellen, auch wenn er derzeit drauf und dran sei, die Fortsetzung in Rüsselsheim zu sichern. „Wir freuen uns über die Haltung der Hanauer Politik, die auch ein Bekenntnis zu unserer Veranstaltung ist. Wir gehen gerne ins Gespräch, wenn es Vorschläge gibt“, erklärte Ebinger. Zur aktuellen Diskussion in Hanau habe es aber noch keinen Austausch gegeben.

Klar scheint, dass sich außer den Mainwiesen in Hanau keine Fläche dürfte, die für die Großveranstaltung in gleichem Maße geeignet ist. Schließlich lief die Suche nach einer Alternative schon 2013 ins Leere. „Wir haben uns damals umgeschaut, Konversionsflächen und weitere Areale betrachtet, doch es fand sich nichts“, blickt Ebinger zurück. Auch SPD-Fraktionschef Bieri ist dies bewusst. Man wolle die Suche jedoch gerne noch einmal aufnehmen, betont er.

Die Vergangenheit des Love Family Parks 

Der Love Family Park, eine Großveranstaltung der elektronischen Musikszene, fand 1996 erstmals in Hanau statt. Anfangs wählte man den Namen Love Park, musste das Event aber 1997 aus rechtlichen Gründen umbenennen. Bis 2013 lockte der Love Family Park dann jeden ersten Sonntag im Juli über 20 000 Techno-Fans auf die Großauheimer Mainwiesen (bis 2001 im Dunlop Park). Dann bereiteten Umweltministerium und Regierungspräsidium dem Event das Aus. Nachdem jahrelang Ausnahmegenehmigungen erteilt worden waren, versagten die Behörden eine neuerliche Genehmigung aus Naturschutzgründen. Zudem wurde die von der Stadt damals beabsichtigte Herausnahme der Mainwiese aus dem Landschaftsschutzgebiet abgelehnt. Sowohl die Bemühungen der Initiative „Save the Park“ wie auch der Stadtpolitik um Oberbürgermeister Claus Kaminsky, eine Korrektur der Entscheidung zu erreichen, verliefen erfolglos – obwohl man zusätzliche Auflagen wie die Verschiebung der Wiesenmaat, das Belassen des Mähgutes vor Ort und das Freilassen von „Vegetationsinseln“ als Rückzugsmöglichkeit für Heuschrecken oder Schnecken auf dem Veranstaltungsgelände ins Gespräch gebracht hatte. In der Folge verließ das Festival die Brüder-Grimm-Stadt. Von 2014 bis 2016 fand es auf dem Mainzer Messegelände in Hechtsheim statt. 2017 fiel der Love Family Park wegen Unstimmigkeiten zwischen Veranstalter und dem Vermieter des Festivalgeländes aus. 2018 fand die Veranstaltung auf dem Mainvorland in Rüsselsheim eine neue Heimat. 2019 fand sie dort ein weiteres Mal statt. Für vergangenes und auch dieses Jahr wurde der Love Family Park wegen Corona abgesagt. Wie es im kommenden Jahr weitergeht, ist unklar. cd

Wie Veranstalter Ebinger sagt, sollen in den kommenden Wochen weitere Gespräche zur Zukunft des Festivals in Rüsselsheim stattfinden. „2022 soll der Love Family Park in jedem Fall wieder stattfinden“, betont er – natürlich gemäß der Corona-Bestimmungen. „Wir planen, nur mit Geimpften und Genesenen zu feiern“, betont er. Wo, das steht derzeit jedoch in den Sternen.

(Von Christian Dauber)

Sven Väth war einer der prominenten DJs, die Jahr für Jahr auf dem Techno-Festival auflegten.
Während sich vor der Bühne die Menschen drängten, ging es auf dem Rest des Areals luftiger zu.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare