Wirtschaftskrise trübt auch die Hafenbilanz

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Kali, Raffinerieprodukte, Getreide und Düngemittel machen den größten Teil der Güter aus, die im Hanauer Hafen umgeschlagen werden.

Hanau ‐ Auch am Hanauer Mainhafen geht die Wirtschaftskrise nicht spurlos vorbei. Im vergangenen Jahr verbuchte der den Stadtwerken Hanau gehörende Hafen auf dem Wasser- und Schienenweg ein Umschlagminus von rund 15 Prozent. Von Dirk Iding

Noch liegt die Abschlussbilanz des Mainhafens nicht vor, doch Stadtwerke-Geschäftsführer Ewald Desch geht davon aus, dass der Gewinn vor Steuern in 2009 im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent zurückgegangen ist. 2008 konnte der Hafen immerhin noch einen Gewinn von 450.000 Euro ausweisen. Um die Position des Mainhafens als laut Wirtschaftsdezernent Dr. Ralf-Rainer Piesold „für Hanau überaus wichtigem Wirtschaftsfaktor“ auszubauen, investieren zum einen Stadtwerke und im Hafen ansässige Firmen weiter in die Verbesserung der Infrastruktur, zum anderen wird künftig die als GmbH organisierte städtische Wirtschaftsförderung stärker in hafenrelevante Entscheidungen einbezogen. Über eine Dienstleistungsvereinbarung zwischen den Stadtwerken und der Wirtschaftsförderungs-GmbH ist deren Geschäftsführerin Erika Schulte nun auch für den Mainhafen zuständig.

Firmen Ersatzflächen anbieten

In einer gemeinsamen Pressekonferenz skizzierten gestern Stadtrat Dr. Piesold, Stadtwerke-Geschäftsführer Desch und Wirtschaftsförderin Schulte Entwicklungsperspektiven für den Hafen. Einen Ansatz zur Stärkung des Hanauer Hafens als zweitgrößtem Binnenhafen Hessens sieht man in der Kooperation mit anderen Hafengesellschaften. Besonders im Blickpunkt ist hier der Frankfurter Osthafen, der flächenmäßig an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Hingegen gibt es im Bereich des Hanauer Hafens mit dem ehemaligen Pintsch- und Cabotgelände noch rund 100 Hektar freie Fläche für Firmenansiedlungen. Piesold: „Über eine Kooperation des Frankfurter und Hanauer Hafens sind wir uns auf Dezernentenebene grundsätzlich einig. Nun muss das mit konkreten Projekten untermauert werden.“

Mit einem langfristigen Hafenkonzept will Wirtschaftsförderin Schulte zudem erreichen, dass Firmen, die „aus historischen Gründen“ derzeit noch am Hafen ansässig sind, aber dessen Infrastruktur eigentlich überhaupt nicht benötigen, Ersatzflächen in Hanau angeboten werden. Da soll die Möglichkeit eröffnen, im Hafenbereich weitere Firmen ansiedeln zu können, die tatsächlich auch zur Steigerung des Güterumschlags beitragen. Dazu beitragen soll auch, die logistischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, im Hafen Containerzüge abzufertigen.

Dafür investieren Stadtwerke und im Hafen ansässige Firmen rund eine Million Euro in die „Eindeckung“ des rund einen Kilometer langen Gleises entlang des Hafenbeckens. Rund die Hälfte der Gleisstrecke ist bereits so asphaltiert, dass sie von Lastwagen und mobilen Container-Hubkränen befahren werden kann.

900 Meter lange Züge abfertigen

Nachdem im Auftrag der Stadtwerke erstellte Gutachten in den vergangenen Jahren zum Ergebnis kamen, dass sich die Einrichtung eines großen Containerterminals im Hanauer Hafen wohl nicht rechnen würde, will man gleichwohl am wachsenden Markt des Containerumschlags partizipieren. Die nun angestrebte „kleine Lösung“ soll es künftig ermöglichen, zumindest die Container von so genannten „Ganzzügen“ im Hanauer Hafen umzuschlagen. Dabei handelt es sich um bis zu 900 Meter lange Züge mit einer maximalen Fracht von 1.500 Tonnen. Sie sollen mit Hilfe von angemieteten Spezialgeräten be- und entladen werden können.

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