Wodka, Ohrfeigen und Messerstiche

Prozess: Streit unter Döner-Bratern eskaliert

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Hanau - Klar ist bisher nur dies: Ein 28-jähriger Türke erlitt am Abend des 10. Dezember vergangenen Jahres am Busbahnhof Freiheitsplatz fünf Messerstiche, einen lebensbedrohlichen Blutverlust und konnte im benachbarten Klinikum nur dank einer Notoperation gerettet werden. Von Erwin Diel

Als Verursacher der Stiche muss sich vor dem Landgericht der 26-jährige Kurde Yunus A. verantworten. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Totschlag vor. Am zweiten Verhandlungstag vor der 1. Großen Strafkammer schilderten zunächst der Angeklagte; dann das Opfer jeweils mit Hilfe von Dolmetschern den Tathergang. Die beiden jungen Männer kannten sich zur Tatzeit erst wenige Tage. Kennengelernt hatte sich das Duo in einer Dönerbude an der Langstraße. Dort stand das spätere Opfer, ein gelernter Elektriker, seit einigen Wochen als Bedienung hinter der Theke. Der mutmaßliche Messerstecher, der eigentlich im bayerischen Regensburg wohnte, fragte in den Laden nach Arbeit. Am Tattag hatten sich die Verhältnisse umgekehrt. Der 26-jährige war jetzt Bedienung, für 50 Euro Tagesgage an sechs Tagen die Woche, der 28-Jährige stand ohne Job da.

Möglicherweise ein Motiv für die Vorgänge am 10. November? Da soll der Elektriker, glaubt man seinem Kontrahenten, im Dönerladen aufgetaucht sein, ihn und seine Familie übel beleidigt und ihm vorgeworfen haben, seinetwegen habe er den Job verloren. Zehn Euro habe er ihm abgepresst und damit Wodka gekauft. Den Schnaps habe er in dem Imbiss mit Wasser gemischt und getrunken - die ganze Flasche.

Gegen Abend sei der Mann dann verschwunden, aber nach 20 Uhr zurückgekommen, weil er sein Handy im Laden hatte liegen lassen. Um 21.40 Uhr habe er zusammen mit dem Besitzer die Bude geschlossen. Der Döner-Brater ging zum Freiheitsplatz, um von dort mit dem Bus nach Hause zu fahren. Vor dem Bus sei er dann von dem Mann mit einem Messer angegriffen worden. Es habe ein Gerangel gegeben, dabei müsse sich sein Gegner verletzt haben, sagte der Angeklagte. Keinesfalls habe er den Mann verfolgt und auf ihn eingestochen. Wie vier der fünf Stichverletzungen im Rücken passiert sein könnten, wisse er nicht zu erklären. „Ich stand unter Schock.“ Im Gegenteil, er habe dem Verletzten helfen und mit dem Taxi ins Krankenhaus bringen wollen. Die Taxifahrer hielten aber ihre Türen zu.

Das Opfer bestreitet zwar Ohrfeigen, räumte bei seiner Schilderung aber immerhin ein, dass sich den Tag über „so eine Spannung“ aufgebaut habe. Er sei am Abend, als er sein Handy geholt hatte, nicht nach Hause gefahren, sondern habe mit seinem früheren Kollegen reden wollen, weil der darum gebeten habe. Der vom Wodka mit 1,3 Promille schwer Angetrunkene will zwei Stunden in der Nähe bis zum Feierabend gewartet haben. Dann sei er zum Busbahnhof gegangen und habe seinen Gegener getroffen und im Verlauf eines zunächst mit Worten geführten Streits auch geschubst. Der andere habe plötzlich ein Messer gezogen und auf ihn eingestochen.

Messerstecherei in der Offenbacher Innenstadt (2010)

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