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Wie reagieren Wölfe auf Düfte? Forschung im Wildpark Alte Fasanerie

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Wie reagieren Krimhild und Siegfried auf bestimmte Düfte? Das beobachtet Biologie-Studentin Luisa Köhler...
Krimhild und Siegfried. © Hackendahl

Klein-Auheim – In jüngster Zeit häuften sich die Schlagzeilen über Wolfsattacken auf Nutztierherden. Je mehr frei lebende Wölfe es in Deutschland gibt, umso größer scheinen die Konflikte zu sein. Von Holger Hackendahl

Können übel riechende Duftstoffe Wölfe davon abhalten, Schafe zu reißen? Daran forscht eine junge Biologin im Klein-Auheimer Wildpark.

... in einer Forschungsarbeit. Sie experimentiert dabei mit ganz unterschiedlichen Düften. Fotos: Hackendahl
Wie reagieren Krimhild und Siegfried auf bestimmte Düfte? Das beobachtet Biologie-Studentin Luisa Köhler in einer Forschungsarbeit. Sie experimentiert dabei mit ganz unterschiedlichen Düften. © Hackendahl

Der Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim ist zur Zeit der Arbeitsplatz von Luisa Köhler, Studentin der technischen Biologie mit Schwerpunkt Ökologie an der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Genauer gesagt ist es das Wolfsgehege. Dort führt die Dieburgerin im Rahmen ihrer Masterarbeit eine, so der Titel, „Forschungsstudie an Canis Lupis bezüglich einer möglichen Reppelent-Wirkung von olfaktorisch wirkenden Naturstoffen“ durch. Unter Repellent- versteht man eine abschreckende Wirkung. Die 26-Jährige wird seit September während ihrer sechsmonatigen Studie von Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel betreut.

In einer ersten Versuchsreihe testete Köhler 35 Düfte, die alle 30 Minuten ausgetauscht wurden. In einer zweiten Reihe erfolgte der Austausch alle 90 Minuten. Aktuell macht die angehende Biologin eine Versuchsreihe mit den beiden europäischen Wölfen Krimhild und Siegfried. Mit verschiedenen natürlichen Gerüchen – viele davon sind ziemlich übel riechend – untersucht sie, wie Wölfe von Schafherden abgeschreckt werden könnten.

„Ich habe mir die Versuchsreihe selbst ausgedacht. Wolfsangriffe sind ja derzeit ein aktuelles Thema und der Wolf hat in der Bevölkerung einen schlechten Stand“, weiß Luisa Köhler. Mit dem Aufhängen von Lappen, Elektrozäunen, dem Einsatz von Herdenschutzhunden oder seit Neuestem mit Eseln und Lamas, versuchen Bauern und Hirten bereits ihre Nutztiere zu schützen. Der Erfolg ist mitunter begrenzt.

Luisa Köhler will einen neuen Weg gehen und testen, ob Wölfe mit üblen Gerüchen, die über ihr sensibles Riechorgan einströmen, vergrämt werden können. „Die Versuche mache ich mit natürlichen Gerüchen wie ätherischen Ölen, die Umwelt und Wolf nicht schaden. Sie wären für den Schafhalter eine günstige Alternative“, sagt die 26-Jährige.

Ihre Versuchsreihe wird von der TU Darmstadt und dem Julius-Kühn-Institut in Dossenheim unterstützt, etwa mit dem Kauf der Duftstoffe und auch einer Wildkamera, deren Anschaffung für die junge Studentin zu teuer wäre.

„Der Wolf ekelt sich offenbar vor fast nichts“, hat die Studentin im Laufe ihrer Versuchsreihen festgestellt. Die Gerüche platziert sie in einem kleinen Behälter am Zaun mit einem Dispenser, der den Duft kontinuierlich abgibt. Mit einem eigens platzierten Bauzaun werden Krimhild und Siegfried in einem Gang an der Duftstelle vorbeigeführt. Der Wolf läuft heran, streckt einige Meter entfernt seine sensible Nase in die Luft und nimmt den Duft auf. Oder er bleibt fern.

Die Studentin tauscht die Gerüche alle eineinhalb Stunden aus – allerdings nur im Beisein von Dr. Ebel oder einem Tierpfleger. Ihre Beobachtungen zum Verhalten der Wölfe bei den Gerüchen notiert sie. Und das bei Wind und Wetter, auch bei Regen und Minusgraden. „Im tiefsten Winter hatte ich ein kleines Beobachtungszelt“, erzählt sie. Bei minus zehn Grad hielt sie es aber maximal drei Stunden in dem Zelt mit Taschenwärmer, Sitzkissen und Tee aus.

Wenn es die Temperaturen erlauben, sitzt Köhler sieben Stunden am Stück am Gehege und beobachtet, wie Wölfe. Die Biologie-Studentin hält all ihre Beobachtungen mittels Laptop, Schreibblock und Wildkamera fest.

„Für die Polarwölfe waren die Geruchstests in der ersten Versuchsreihe wohl eine Art Spiel“, blickt Luisa Köhler zurück. 35 Düfte hatte die angehende Biologin ausprobiert, vier davon hatten für die Wölfe offenbar abschreckende Wirkung. „Im Frankfurter Zoo hatte ich mir Löwen-, Bären- und Tigerkot besorgt. Ich dachte, eine Abschreckung der Wölfe mittels Kot könnte supergut funktionieren“, erzählt sie. „Zwei davon wirkten aber überhaupt nicht, die waren für die Wölfe eher anziehend“, berichtet sie. Aber ein Duftstoff sei durchaus vielversprechend. Details will die Studentin noch nicht verraten, es bedürfe weiterer Untersuchungen.

Bis Mitte März muss Luisa Köhler ihre maximal 80 Seiten starke Masterarbeit an der TU Darmstadt abgeben. „Ich muss mich bei Dr. Ebel sehr bedanken, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, im Klein-Auheimer Wildpark zu forschen“, so Köhler.

Dr. Marion Ebel, Wildpark-Biologin und ausgewiesene Wolfsexpertin, ist schon gespannt auf Luisas Ergebnisse: „Ich finde ihre Versuchsreihen sehr interessant. Es wäre toll, wenn Luisa einen Geruch herausfinden würde, der den Wolf abschreckt.“

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