Comedy

Wortspiele für Fortgeschrittene: Willy Astor begeistert bei Auftritt im Amphitheater Hanau

Trat gleich zweimal hintereinander im Hanauer Amphitheater auf: Willy Astor.
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Trat gleich zweimal hintereinander im Hanauer Amphitheater auf: Willy Astor.

Hanau – Der Kabarettist, Komiker und Liedermacher Willy Astor beglückte am Freitagabend gleich zweimal die Gäste im Amphitheater. Um 18 und um 21 Uhr bot er an dem lauen Abend für je 100 Zuschauer, auf die die Besucherkapazität wegen der jüngsten Pandemie-Entwicklung begrenzt worden war, Wortspiele für Fortgeschrittene.

Dabei ließ der „Jäger des verlorenen Satzes“ die nicht nur wegen Corona schwierige Lage in der Welt kurzzeitig in Vergessenheit geraten.

Mit frenetischem Applaus dankten die Gäste bereits bei der ersten Vorstellung dafür, dass Astor sei Gastspiel wegen der verschärften Bestimmungen nicht abgesagt hatte, sondern sich für zwei Auftritte kurz hintereinander entschieden hatte. „Ihr macht ja Stimmung wie 500,“ freute sich Astor denn auch über den lautstarken Willkommengruß.

Den Lockdown habe er genutzt, sich seine Gedanken über die Corona-Pandemie zu machen. Unter anderem mit der Frage an sein Klopapier: „Na, wie ist die Lage?“ Das ist Teil seines Corona-Liederzykluses, dessen schräge Texte auf die Melodien sattsam bekannter Musikstücke gepflanzt werden. Ein Rezept, zu dem Willy Astor gerne und öfters greift. Aus Helge Schneiders Katzenklo wird dann eben „Mäusekot, Mäusekot, schmeckt auch mal im Roggenbrot.“

Und wenn er seine Nachbarin fragt, ob sie „ein Dil do“ habe, dann ist das nicht die Frage nach dem Erotikgerät, sondern die bajuwarische Bitte um Gewürzkraut für den Gurkensalat. Um solche Ecken denkt Astor gerne und oft. Und nicht immer kann ihm der noch so geneigte Zuhörer folgen. Auch wenn der Komiker zugesteht, „ja, das dauert jetzt ein wenig“ und durchaus eine kurze Denkpause einräumt, bevor er in seinem gewohnten Tempo fortfährt.

Astor reist gerne, nicht nur nach Hessen, dem der Münchner ein Lied gewidmet hast. Zwar sei es oft lästig bis man am Ziel ist, wie er in einem Lied beschreibt. Doch dort angekommen, ist es umso interessanter. Gerade auch bei den „Haluzis“, deren „Haluzi Nation“ er persönlich besucht hat. Genau wie den Hühnerfrikassee, ein bedeutendes Gewässer in Afrika, das in Reggae-Form musikalisch beschrieben wird. In der Toskana hat Astor übrigens einen Zeichenkursus absolviert und einen Wal gezeichnet.

Und den zeigt er zweimal ins Publikum. Das ist dann die „Walwiederholung“. So wie das „Q“ mit der Blindenbinde als „Blindeskuh“ durchgeht. Astor lässt nichts Schräges aus, schreckt auch vor der Überdosis Unsinn für seine Gäste nicht zurück. Dabei hält er engen Kontakt zum Publikum mit Geschichten und Anekdoten.

Aber Astor kann nicht nur lustig. Mit seinem Lied „Einfach sein“, das sich im Titel auch durch eine gewisse Doppeldeutigkeit auszeichnet und auf der CD „Chance Songs“ aus dem Jahr 2017 zu hören ist, stimmt er am Ende der Show nachdenkliche Töne an, ergänzt die Komik um eine angenehme Portion Weisheit des Herzens.

Und mit dem Gitarren-Instrumental „Nautilus“ aus dem „Sound of Islands“-Zyklus beschließt Willy Astor seinen rund 100-minütigen Auftritt mit einer musikalischen Reise in Jules Vernes U-Boot in die Tiefen des Meeres. Da fällt das Auftauchen schon ein bisschen schwer. Doch es ist ein gutes Ende. „Ich habe heute Abend jeden mindestens einmal lächeln sehen. Das ist ein Erfolg in diesen Zeiten“, sagt Willy Astor.

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