Kleiner Mann, großes Schlagzeug

Youngster rockt die Stadtkapelle: Erster Auftritt des siebenjährigen Nachwuchstrommlers David Nüßlein

Kleiner Mann, großes Schlagzeug: David Nüßlein bei seinem ersten Auftritt mit der Stadtkapelle. Der Siebenjährige hat die Liebe zur Musik im Blut.
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Kleiner Mann, großes Schlagzeug: David Nüßlein bei seinem ersten Auftritt mit der Stadtkapelle. Der Siebenjährige hat die Liebe zur Musik im Blut.

„Ich muss jetzt erst mal ein Interview geben.“ Selbstbewusst reißt sich der siebenjährige David Nüßlein in der Pause des ersten Stadtkapellen-Konzerts nach langer Corona-Abstinenz von seinen Musikerkameraden los und erscheint strahlend am Tisch des Reporters. Dabei wirkt der kleine Blondschopf schon fast so ernst und professionell wie ein alter Hase im Musikgeschäft.

Hanau – Doch seine Karriere fängt erst an. Und sie ist auch ein Ergebnis der hervorragenden Jugendarbeit der Stadtkapelle Hanau. Doch der Reihe nach. Sonntagnachmittag im Stand-up-Biergarten „Mainwiesen“ am Schloss Philippsruhe: Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feiern dort etliche Gäste mit der Stadtkapelle Hanau deren ersten Auftritt seit Anfang des Jahres 2020.

Gerhardt Bernath, seit 2019 neuer Dirigent des Blasorchesters, stimmt seine Truppe ein zum Konzert unter dem Motto „Musik ist Trumpf“. Die Stadtkapelle begeistert die Zuhörer an den Biertischgarnituren mit vielstimmigen Liedern von Polka bis Pop, von Walzer bis Bigband-Jazz. Die 18 gestandenen Musikerinnen und Musiker, überwiegend im Rentenalter, spielen „Diana“ von Paul Anka ebenso routiniert wie „Sweet Caroline“ von Neil Diamond oder die „Annen-Polka“ von Johann Strauss Sohn. Schlagzeuger Norbert Rieger moderiert humorvoll die Lieder an, dann horcht das Publikum auf: „Jetzt gebe ich die Stöcke ab an den Jüngsten in unserem Team. Freuen Sie sich auf David!“

Wie ein Profi setzt der Steppke sich auf den Hocker der „Schießbude“, zählt vier vor und rockt seine erste Polka wie ein Großer. Keine Spur von Nervosität oder Lampenfieber, mit ernstem Seitenblick klopft er sein Orchester im Takt durch die Partitur, Bernath hat kaum Arbeit mit dem Dirigieren. Wer jetzt erst auf den „Mainwiesen“ aufschlägt, denkt sich vielleicht: „Huch? Was macht der kleine Junge hinter dem riesigen Schlagzeug?“ Aber wer die Geschichte der Stadtkapelle kennt, weiß, dass sie seit jeher viel Wert auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen und dessen musikalische Ausbildung legt. So ist auch Trompeter Erik Osthoff gerade mal 18 Jahre jung.

„Der David hat schon 2019 als Fünfjähriger ‘Pata Pata‘ bei mir dirigiert“, sagt Gerhardt Bernath. „Heute spielt er den Song von Miriam Makeba auf dem Schlagzeug.“ Und auch Davids Papa, Klarinettist und Saxofonist Johannes Nüßlein, senkt den Altersschnitt der Stadtkapelle deutlich.

„Ich mache schon Musik, seit ich ganz klein bin“, strahlt der kleine Drummer. Er geht nach den Ferien in die zweite Klasse der Geschwister-Scholl-Schule in Steinheim und ist ganz offensichtlich der Spross einer Musikerfamilie. „Schon sein Opa war Blasmusiker, er hat‘s im Blut“, zeigt sich Vater Johannes stolz. „Die Musik ist irgendwie mein Leben“, grinst David. Und man kauft dem Jungen den Spruch absolut ab, auch wenn er ihn vielleicht mal irgendwo im Fernsehen gehört hat. „Er guckt übrigens nicht immer so ernst, wenn er hinterm Schlagzeug sitzt“, kommentiert Mutter Bettina Nüßlein den Auftritt des Sohnemanns. Sie macht die Öffentlichkeitsarbeit im Musikverein Stadtkapelle Hanau. „Ich bin dann einfach voll krass konzentriert“, schiebt David nach. Ein typischer Siebenjähriger eben.

Der aber durchaus nicht nur Blasmusik im Kopf hat, sondern musikalisch auch auf Rock steht. „Ich mag total die Toten Hosen“, sagt er. „Und Mark Foster finde ich auch total genial“, schwärmt er. „Als ich fünf war, hab ich mir ne Luftgitarre umgehängt und vorm Spiegel gerockt.“

Zusätzlich zur Ausbildung in der Stadtkapelle nimmt David auch Schlagzeugunterricht im Steinheimer „Haus der Musik“. Und was den Altersunterschied in der Bigband anbelangt, so sieht das jüngste Orchestermitglied das ganz gelassen und pragmatisch: „Es macht mir einen Riesenspaß, mit den Großen mitzuspielen. Und ich lerne auch total viel dabei.“

Von Rainer Habermann

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