Druck auf Ausbau von Sportsfield lässt nach

Zahl der Flüchtlinge ist deutlich gesunken

Hanau - Mit Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Türkei ist möglicherweise eine neue Phase in der Flüchtlingskrise angebrochen. Auch im Hanauer Rathaus verfolgt man die weitere Entwicklung mit Spannung. Von Dirk Iding

Immerhin hängen davon auch die schon weit gediehenen Ausbaupläne für die Flüchtlingsunterkünfte auf Sportsfield Housing ab. Seitdem die so genannte Balkan-Route, auf der ein Großteil der Flüchtlinge aus den Krisen- und Kriegsgebieten in Nordafrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten nach Mitteleuropa vorzudringen versuchten, nun schon seit einigen Wochen faktisch dicht ist, ist die Zahl der Flüchtlinge, die es bis nach Deutschland schaffen, dramatisch zurückgegangen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Zahl der Flüchtlinge, die der Stadt Hanau zur Aufnahme in kommunaler Verantwortung zugewiesen werden. So wurden der Stadt Hanau in den drei letzten Monaten des Jahres 2015 rund 380 Flüchtlinge zugewiesen, in den drei ersten Monaten des Jahres 2016 waren es nur noch 145 Asylsuchende.

Daher ist man mittlerweile auch weit entfernt von den Prognosen, die Hanaus Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) Ende November vergangenen Jahres im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung abgab. Danach sollten bis zum 31. März diesen Jahres der Stadt Hanau rund 1 560 so genannte Kontingent-Flüchtlinge zugewiesen werden. Tatsächlich sind es bis heute aber „nur“ 1005 Flüchtlinge. Davon leben 499 Asylsuchende in der städtischen Flüchtlingsunterkunft auf Sportsfield Housing und 506 wurden dezentral im gesamten Stadtgebiet untergebracht. Aktuell bereitet sich die Stadt Hanau nach Auskunft einer Stadtsprecherin auf die Aufnahme von bis zu 100 weiteren Flüchtlingen auf Sportsfield Housing vor, die vom Main-Kinzig-Kreis für die Woche vom 11. bis 17. April angekündigt worden seien.

In Bezug auf die weiteren Ausbaupläne der Stadt im Bereich der Sportsfield Housing gibt sich Sozialdezernent Weiss-Thiel zurückhaltend: „Grundsätzlich ist für uns zunächst die Zuweisung des Regierungspräsidenten per Runderlass beziehungsweise der Beschluss des Kreisausschusses des Main-Kinzig-Kreises für die Ausbauplanung maßgeblich. Diese wurden bisher nicht revidiert.“ Allerdings habe auch der Druck, die Ausbauplanungen zu beschleunigen, spürbar nachgelassen, so der Stadtrat.

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Die Zuweisung der Flüchtlinge an die Kommunen in Deutschland erfolgt über einen bestimmten Schlüssel. Von allen Asylsuchenden, die in Deutschland ankommen, muss das Bundesland Hessen 7,3 Prozent aufnehmen. Von den in Hessen aufzunehmenden Flüchtlingen, werden wiederum 7,9 Prozent dem Main-Kinzig-Kreis zugewiesen. Und von den dem Kreis zugewiesenen Flüchtlingen muss dann die Stadt Hanau 19,9 Prozent aufnehmen. In diesem Zusammenhang hatte Sozialdezernent Weiss-Thiel im Sozialausschuss diese Rechnung aufgestellt: „Von 100.000 in Deutschland ankommenden Flüchtlingen muss die Stadt Hanau am Ende etwa 115 Asylsuchende aufnehmen.“

Weiss-Thiel geht davon aus, dass es nach den Osterferien neue Informationen darüber geben könnte, auf wie viele Flüchtlinge sich Hanau in den nächsten Monaten einstellen muss. „Es ist natürlich so, dass auch wir die Nachrichtenlage genau beobachten. Allerdings wagt derzeit niemand eine Prognose, wie sich die Lage über das Jahr hinaus entwickeln wird, auch jene Stellen nicht, die wie Regierungspräsidium, Land Hessen, Bund beziehungsweise Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilweise unmittelbaren Zugang zu Informationen vor Ort – Balkan, Griechenland, Nordafrika – haben,“ betont der Hanauer Sozialdezernent. Hanau sei allerdings in der glücklichen Lage, die Sanierung weiterer Blöcke auf Sportsfield Housing in Wolfgang abschnittsweise vornehmen zu lassen. „Wir könnten also relativ flexibel reagieren, wenn uns neuere Informationen vom Regierungspräsidium beziehungsweise vom Main-Kinzig-Kreis vorliegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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