Feier fällt aus

Zehn Jahre Elisabeth-Schmitz-Schule: Auch vermeintlich „Abgehängte“ feiern Erfolge

Schüler der Elisabeth-Schmitz-Schule in Hanau
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Die Elisabeth-Schmitz-Schule kann coronabedingt ihr Zehnjähriges nicht wie geplant feiern.

Abstand statt Nähe, stille Freude, statt rauschender Feste – so sieht in Coronazeiten der Alltag aus. Auch für die 205 Schülerinnen und Schüler der Elisabeth-Schmitz-Schule in Hanau-Wolfgang. Sie wollten jetzt mit ihren 31 Lehrerinnen und Lehrern den zehnten Geburtstag ihrer Schule feiern.

Hanau - Doch das muss zum Schutz der Gesundheit ausfallen. Freuen können sich die Kinder, Jugendlichen, ihre Lehrer und Schulleiter Gerd Lux dennoch. Denn die Schule ist längst zu einer Institution geworden und hat auch den Sturm überstanden, der ihr im letzten Jahr vom Staatlichen Schulamt entgegen- blies.

Dort hatte man für die Schule mit Förderschwerpunkt Lernen und einer Abteilung für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung kräftige Einschnitte geplant und unter anderem die Klassengrößen erweitern wollen. Doch der Kampf von Lehrern, Schülern und Eltern gegen die geplanten Kürzungen ging am Ende zugunsten der Schule aus.

„Reißleine gezogen“: Jubiläumsfeier wegen Corona abgesagt

Mit umso mehr Elan geht die Schulgemeinde jetzt in ihr Jubiläum – auch wenn die geplante Riesenshow, für die jede Klasse etwas vorbereitet hatte, abgesagt wurde: „Wir haben die Reißleine gezogen“, sagt Gerd Lux. Der 63-jährige Pädagoge steht seit Gründung an der Spitze der Schule, die im früheren Schulgebäude der US-Army eingerichtet wurde.

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Schülerinnen und Schüler der ersten bis zehnten Klassen besonders heftig aus. Sie, die unter Entwicklungsverzögerungen und Lernschwächen, bisweilen mit körperlichen Beeinträchtigungen leiden oder zu den „Systemsprengern“ zählen, haben die Regelungen zur Isolierung nach den Worten von Gerd Lux extrem verändert: „Nach der inzwischen sechsten Coronaverordnung haben wir komplett veränderte, heruntergefahrene oder gar versteinerte Persönlichkeiten vorgefunden“, sagt er.

Corona-Pandemie eine weitere Herausforderung für die Schule in Hanau

Er meint damit die Veränderungen, die mit den Kindern und Jugendlichen nach Monaten ohne Schule und Anschluss an die anderen Schüler geschehen sind. Doch dass Schwierigkeiten dazu da sind, überwunden zu werden, hat Lux geradezu verinnerlicht. Und so begreift er auch diese Probleme – gemeinsam mit seinem Team, versteht sich – als Herausforderung, die angepackt und gemeistert sein will.

In diesem Jubiläumsjahr schauen er und sein Kollegium vor allem auf die Erfolge, die gemeinsam erarbeitet wurden. Ganz oben auf der Liste steht dabei ein neues Projekt, das mithilfe der neun zusätzlichen Kollegen geschaffen werden konnte, die nach Auflösung des regionalen Beratungszentrums an der Hessen-Homburg-Schule zur Elisabeth-Schmitz-Schule kamen. Unter dem Titel „Chance to change“ (Chance zur Veränderung) könne man Gruppen von maximal acht Kindern fördern, die beim Übergang von der vierten zur fünften Klasse „die Grenzen sprengen“, beschreibt der Schulleiter die Zielsetzung.

Schmitz-Schule kümmert sich um Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten

Das heißt so viel wie sie sind wegen massiver Verhaltensauffälligkeiten eigentlich nicht beschulbar. Das aber kann sich durch die Begleitung durch ein Team aus Förderschullehrern und Sozialarbeitern ändern mit dem Ergebnis, dass diese Kinder wieder die Regelschule besuchen können. Gefragt, worauf er selbst besonders stolz ist, antwortet Lux wie aus der Pistole geschossen: „Dass die Schule noch da ist“.

Dabei spielt er auf den beschriebenen Kampf mit Schulamt und Kultusministerium an. Nicht minder zufrieden macht ihn die Tatsache, dass das Leitziel, das sich die Schule gesetzt hat, so gut umgesetzt werden kann: alle Schüler zu respektieren und auch die zu unterstützen, die mal gegen den Strom schwimmen. Damit schwebe der Geist der Namensgeberin Elisabeth Schmitz immer über der Schule. Zu den Erfolgen zählt auch ein weiteres Projekt, mit dem man Jugendliche fördert, die nach der neunten Klasse nicht berufsschulfähig sind.

Für die meist schwachen, aber praktisch fitten Jugendlichen wurde eine Schülerfirma gegründet. Jetzt organisieren die Kids den Pausenverkauf, bieten den anderen Schülern Obst und Gemüse auf Bestellung und kochen sogar bisweilen, um anschließend das Essen auszugeben. Wer sich so verantwortlich um das Kochen, Einkaufen und Kalkulieren kümmert, gewinnt Selbstvertrauen. „Einer aus der Gruppe von vor zwei Jahren lernt jetzt Beikoch“, sagt der Schulleiter und strahlt.

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