Grüne fordern eine Zwischenlösung für die Sportsfield-Wohnblocks

„Zentrum für Leben auf Zeit“

Von den 22 Wohnblocks auf Sportsfield Housing an der Aschaffenburger Straße stehen mittlerweile neun leer. Die Stadt will die ehemalige US-Wohnsiedlung in Wolfgang erwerben. ARCHIVFoto: HÄSLER

Hanau – Die Hanauer Grünen sprechen sich für den Erhalt der Wohnblocks auf der früheren Sportsfield Housing aus. Die 22 Gebäude sollten nicht abgerissen, sondern zumindest vorübergehend für Wohnzwecke genutzt werden. VON CHRISTIAN SPINDLER

Nach Meinung der Grünen sollte auf dem Areal ein „Zentrum für Leben auf Zeit“ entstehen.

Unsere Zeitung hatte unlängst über Optionen für das Sportsfield-Gelände und die schwierige planungs- und baurechtliche Situation berichtet. Demnach prüft die Stadt, ob dort ein Einkaufszentrum für das gegenüberliegende künftige Wohngebiet Pionier-Park entstehen könnte und außerdem städtische Betriebe wie der Wertstoffhof und die HSB von der Daimlerstraße nach Wolfgang umziehen könnten. Dazu müssten die Wohnblocks abgerissen werden.

Das geltende Planungsrecht schränkt die Nutzung der 22 Sportsfield-Gebäude – in einigen hat die Stadt derzeit noch rund 800 Flüchtlinge untergebracht – stark ein. Wegen der Nähe zur Industrieanlage von Goodyear Dunlop dürfen sie nicht für dauerhaftes Wohnen genutzt werden, weil die Geruchsbelästigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durch das benachbarte Reifenwerke zu hoch ist. Planungsrechtlich wird das Areal trotz der vorhandenen und für die Flüchtlingsunterbringung mit großem Aufwand sanierten Gebäude wie ein Neubaugebiet auf der grünen Wiese eingestuft mit entsprechend hohen Auflagen (wir berichteten).

Die Grünen, die in Hanau mit SPD, FDP und BfH eine Koalition bilden, plädieren zunächst für eine Zwischenlösung. Die geplanten Modernisierungen der Produktion bei Dunlop in den nächsten Jahren weckten Hoffnung auf eine Verbesserung, heißt es in einer Grünen-Pressemitteilung, dass es doch noch eine dauerhafte Wohnnutzung geben könnte. Die Verantwortlichen von Goodyear Dunlop sollten bald möglichst die Maßnahmen zur Verbesserung der Geruchsimmissionen offenlegen. Wie gemeldet, hatte Goodyear Dunlop angekündigt, mehr als 70 Millionen Euro in den Standort zu investieren. Andererseits will das Unternehmen aber auch 600 Stellen in Hanau abbauen.

Möglich ist laut Grünen für Sportsfield zunächst ein Zwischennutzung der Gebäude, „die nicht auf einem Mietverhältnis beruht.“ In diese „Nische“ fällt auch die derzeitige Unterbringung von Geflüchteten. Nachdem das Land Hessen seine Erstaufnahmeeinrichtung geschlossen hat und es nur noch die kommunale Flüchtlingsunterkunft auf Sportsfield gibt, stehen 9 der 22 Blocks leer.

Dem Beispiel der Unterbringung von Geflüchteten folgend, schlagen die Grünen vor, das Gebiet als „Zentrum für Leben auf Zeit“ zu entwickeln. Ebenfalls berücksichtigt werden sollte eine „Reservezone“ für kurzfristige Bedarfslagen. „Zu den ersten Nutzungsideen gehören Wohnheime für Studierende und Auszubildende sowie Gästehäuser mit möblierten Apartments mit Service für Zeitarbeiter in den Betrieben der Umgebung“, meint Birol Avci von den Grünen. Die Umgestaltung von Kasernen-Wohnungen als Jugendherberge sei eine weitere Option. Eine weitere Idee der Grünen betrifft den Bereich Rehabilitation und Reintegration: „Betreute Trainingswohnungen als Rehabilitationseinrichtungen für Menschen nach schwerwiegenden Krankheiten oder für die geriatrische Rehabilitation sind hier angedacht. Auch zeitlich befristetes Betreutes Wohnen ist denkbar. Hier können Menschen im Rahmen eines Betreuungsvertrages leben, bevor sie in das Leben in den eigenen vier Wänden einsteigen“, meint Karin Dhonau, ehemalige Geschäftsführerin eines Wohlfahrtsverbandes.

Die Grünen bringen eine weitere Nutzungsmöglichkeit für Sportsfield-Gebäude ins Gespräch: Im Falle der Kreisfreiheit habe die Stadt unter Umständen einen Bedarf an Räumlichkeiten für eine Zwischenphase bis zur Fertigstellung geplanter Gebäude. Das könnte für das Kooperationsprojekt von Stadt und Arbeitsagentur gelten. Der geplante Neubau am Hauptbahnhof wird, wie berichtet, nicht bis zur angestrebten Kreisfreiheit 2021 zur Verfügung stehen. Daher könnten Gebäude auf Sportsfield vorübergehend für das „Haus des Erwerbslebens“ genutzt werden, „auch wenn diese erst einmal nicht ideal sind“ sagt Stefan Weiss, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Weil sich Hanau mit rasantem Tempo entwickelt, brauche man solche Gebäudereserven. Insofern sei es wichtig, dass das Areal von der Stadt erworben und „nicht mit profitorientierten Investoren entwickelt wird“, so Weiss. Es gelte, den Gebäudebestand „intelligent für die Zukunft zu erhalten“, statt ihn anzureißen.

Die Stadt möchte noch dieses Jahr die Sportsfield Housing von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) kaufen.

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