Corona

Zu Corona-Zeiten: Eltern sorgen sich um Kinder in überfüllten Bussen auf dem Weg zur Schule

An der Beethovenallee in Nidderau-Heldenbergen warten jeden Morgen viele Schulkinder auf die Busse Richtung Hanau.
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An der Beethovenallee in Nidderau-Heldenbergen warten jeden Morgen viele Schulkinder auf die Busse Richtung Hanau.

Nach den neuen Corona-Maßnahmen in und um Hanau zeigen sich viele Eltern besonders besorgt um die Verhältnisse in den Bussen zur Schule. Wir haben uns die Situation angesehen.

Morgens kurz vor 7 Uhr an der Beethovenallee in Nidderau-Heldenbergen. Gerade ist schon eine große Gruppe Schulkinder mit einem Bus von der Haltestelle Beethovenstraße Richtung Hanau weggefahren. Die meisten Schulkinder nehmen diesen frühen Bus zur Karl-Rehbein-Schule, damit sie sicher rechtzeitig vor Schulbeginn um 7.55 Uhr am Ziel sind.

Der nächste Bus Linie 42S verspätet sich zwei Minuten, kommt um 7.07 Uhr. Auch ein Geschwisterpaar steigt hier ein. „Morgens ist es schlimmer als mittags“, sagt der Zehntklässler auf die Frage der Reporterin, wie voll es in den Bussen sonst ist. Seine jüngere Schwester meint, dass sich in den Bussen fast alle an die Maskenpflicht halten würden. „Gestern haben zwei Mädchen im Bus keine Maske getragen. Der Busfahrer hat aber nichts gesagt, weil er es nicht gesehen hat“, erzählt sie. Beide sehen kein Problem dabei, mit dem Bus zur Schule zu fahren. „Wir passen auf, halten Abstand“, berichtet der 15-Jährige entspannt.

Immer mehr Schüler steigen in den Bus zur Schule ein

Als um 7.07 Uhr der Bus endlich kommt, sitzen mit den neun Kindern, die einsteigen, insgesamt rund 20 in der Linie 42S. Unter anderem über die Stationen am Rathaus, Feuerwehrhaus und Am Mühlberg geht es durch Heldenbergen, Windecken und Ostheim, nach und nach steigen immer mehr Schüler hinzu.

Als der lange Gelenk-Bus um 7.24 Uhr in Roßdorf ankommt, sind alle Sitzplätze belegt, entsprechend eng wird es zumindest auf den Sitzen. Unter normalen Umständen wäre das keiner Erwähnung wert, in der Corona-Krise machen sich viele Eltern darüber Sorgen.

So wie Tina Appel aus Nidderau-Erbstadt. Sie lobt einerseits die Hygienemaßnahmen an den Schulen. Aber: „Leider wurde die Beförderung der Schüler völlig außer Acht gelassen. Die Schüler werden, wie Briefmarken aneinander gepresst, befördert. Im Bus kann nicht gelüftet werden und es vermischen sich Schüler aus mehreren Schulen“, so die Mutter. Ihr Sohn, der auf die Karl-Rehbein-Schule geht, steigt um 6.53 Uhr in Erbstadt in die 42S ein. „Der Bus ist so voll, ich habe mich letzte Woche so geärgert“, erzählt sie, „die Politik hat gepennt“, findet sie.

Infektionsketten seinen nicht nachvollziehbar, wenn Schüler verschiedener Schulen im Bus so eng beieinander sitzen

Wenn Schüler verschiedener Schulen dicht an dicht im Bus fahren, seien die Infektionsketten überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. „Meiner Meinung nach sollte man, wenn man über Schule nachdenkt die Beförderung miteinbeziehen, sonst hat das alles doch wenig Sinn“, fordert darum die Mutter zweier Schulkinder.

Rüdiger Krenkel, Geschäftsführer der Kreis-Verkehrs-Gesellschaft Main-Kinzig (KVG) räumt auf Nachfrage ein, dass aktuell immer mehr Elternbeschwerden die KVG erreichen. Besonders überlastet seien unter anderem die Linien 90 von Schlüchtern nach Bad Soden-Salmünster, die Linie 54 von Langenselbold nach Hanau sowie eben die 42S von Nidderau-Eichen nach Hanau zum Freiheitsplatz. Die seien zu den morgendlichen Stoßzeiten „richtig voll, das ist jedes Schuljahr so“, sagt Krenkel.

Das sei unter Corona nicht anders und er zeigt großes Verständnis für die Eltern. Allerdings betont er auch, dass im Nahverkehr die Abstandsregel vom Gesetzgeber aufgehoben sei. Denn würde in den Bussen ebenfalls die Fünf-Quadratmeter-Regel gelten, argumentiert auch Thomas Morlock (FDP), Verkehrsdezernent der Stadt Hanau und zuständig für die Schülerbeförderung, dann könnten pro Bus maximal zehn bis 20 Personen mitgenommen werden.

130 Busse stünden von der KVG für die Schüler im Main-Kinzig-Kreis zur Verfügung

Die KVG befördert im ganzen Kreis rund 12 500 Schüler, dazu stehen knapp 130 Busse zur Verfügung. In Hanau sind es 60 Busse und 130 Fahrer, so Morlock. Im vergangenen Jahr waren es an einem normalen Schultag noch rund 12 000 Schüler, aktuell sind es im Durchschnitt rund 8 000 „Die sind besonders morgens alle im Einsatz“, sagt der Dezernent bei einem Treffen mit Stadtpolizei und Security-Mitarbeitern zu einer Maskenkontroll-Aktion in Bussen am Zentralen Busbahnhof. In Hanau sei insbesondere die Linie 4 von Klein-Auheim zur Otto-Hahn-Schule überlastet sowie die Busse von Mittelbuchen ins Stadtzentrum.

Geschäftsführer Krenkel betont, dass die KVG auf die Meldungen der Schulen zu den aktuellen Schülerzahlen und die Stundenpläne angewiesen sei. Sowohl Morlock als auch Krenkel betonen, dass eine Entzerrung der Anfangszeiten der Schulen schon eine große Hilfe wären. Morlock: „Versetzte Schulanfangszeiten wären eine mögliche Idee für den Winter.“

Denn bei den aktuellen Witterungsverhältnissen können viele Schüler mit dem Rad zur Schule fahren. Im Winter werden auch sie auf die Busse angewiesen sein. Aktuell fahren außerdem viele Eltern den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule. Das wiederum führt zu teilweise chaotischen Zuständen morgens vor den Schulen.

Vorwurf an die Verkehrsbetriebe, dass man sich nicht auf die Situation in den Bussen vorbereitet habe, greife laut Krenkel nicht

Krenkel sagt, dass der Vorwurf, die Verkehrsbetriebe hätten sich besser vorbereiten können, zu kurz greife. „Die zwei Wochen am Schulanfang müssen wir jedes Jahr nachjustieren.“ Aktuell würde die KVG aufgrund der Beschwerden prüfen, wo aufgestockt werden müsse. Aber am Ende sei es auch eine finanzielle Entscheidung, ob, wie und wann neue Fahrzeuge gekauft oder neues Personal eingestellt werden könne. Für den Winter werde zumindest überlegt, beispielsweise bei der gebeutelten Reisebranche brachliegende Busse zu leihen.

Auch Tina Appel hat sich bei allen möglichen Stellen über die Zustände bei der Schülerbeförderung beschwert. Sie berichtet, dass sie nicht auf sonderlich offene Ohren gestoßen sei. Aber ihre Beschwerde muss eine von vielen gewesen sein, denn die Verkehrsbetriebe wollen jetzt reagieren. Und für die Zukunft bitte Krenkel die Eltern weiter um ihr Feedback: „Eltern sollen uns bitte mögliche Überlastungen melden: Welche Linie, die Uhrzeit, der Tag und der Ort.“ Er versichert, die KVG kümmere sich.

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