„Wir wollen euch nicht missen“

Corona-Lockdown treibt Gaststätte in die pleite - Stammgäste starten rührende Aktion

Große Freude angesichts der anonymen Spende bei Schorsch Böswald und Renato Nascimento (rechts).
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Große Freude angesichts der anonymen Spende bei Schorsch Böswald und Renato Nascimento (rechts).

Der Corona-Lockdown stellt viele Restaurants vor die finanzielle Katastrophe. Stammgäste der „Patrontasch“ in Hanau unterstützen ihre Lieblingsgaststätte jetzt mit einer rührenden Geste.

Hanau – Als Renato Nascimento am Montagvormittag den Briefkasten der Patrontasch leert, findet er ein großes Kuvert. Zusammen mit der anderen Post landet es erst mal auf dem Frühstückstisch. Der Partner des Wirts, Georg „Schorsch“ Böswald, mit dem er seit 2008 die Gaststätte an der Bruchköbeler Landstraße betreibt, arbeitet sich durch den Stapel. „Plötzlich ist er ganz ruhig geworden“, erinnert sich Nascimento im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER.

„Ich kam gerade aus der Küche und habe gesehen, dass Schorsch den großen Umschlag in der Hand hatte. Ihm liefen Tränen über die Wangen“, erzählt Nascimento. Es waren Tränen der Rührung. Denn was er und sein Partner in dem Umschlag fanden, hätten sie nicht für möglich gehalten: Neben einer Grußkarte lagen 500 Euro darin. „Wir haben mit allem gerechnet, aber damit nicht“, erzählt der Gastwirt.

Stammgäste des Lokals hatten Geld zusammengelegt, zehn 50-Euro-Scheine, dazu eine Grußkarte geschrieben. Mit Worten des Dankes und der Ermunterung, durchzuhalten: „Wir möchten euch auch in Zukunft nicht missen, deshalb auch von uns ein bisschen Überbrückungsgeld. Es ist nicht viel, aber wir hoffen, es hilft“, ist in der Karte zu lesen. Unterschrieben ist sie mit den Worten „ein paar Stammgäste“.

Zu Tränen gerührt: Stammgäste unterstützen Hanauer Restaurant in der Corona-Krise

Das Paar ist über diese Geste derart gerührt, dass es sich an unsere Zeitung gewandt hat, um den anonymen Spendern Danke zu sagen. „So etwas Tolles. Das ist wirklich nicht selbstverständlich. Es ist schön, zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die anderen trotz der derzeitigen Lage helfen wollen und können“, sagt der 56-jährige Nascimento.

Während er diese Worte ins Telefon spricht, kommen seinem 81-jährigen Partner schon wieder die Tränen. „Wir sind einfach wirklich sehr gerührt über diese Geste.“

Wer genau die Stammgäste sind, die die großzügige Spende geleistet haben, wissen die beiden nicht. „Wir möchten einfach von Herzen Danke sagen. Für die Unterstützung, dafür, dass die Menschen an uns denken. Und wir möchten vermitteln, dass wir auf jeden Fall weiter machen“, sagt Nascimento. Er erzählt von einer weiteren Spende, die den beiden im Herbst zuteil wurde, als ein Herr seine 20 Euro Rechnung mit einem 100-Euro-Schein bezahlte und sein Wechselgeld nicht zurück haben wollte – mit den Worten: „Das ist eine kleine Hilfe für Euch“. „So tolle Gäste haben wir“, sagt Nascimento.

Hanau: Laufende Kosten im Lockdown sind für Restaurants kaum zu stemmen

Seit Beginn des zweiten Corona-Lockdowns hat die Patrontasch geschlossen. Das Take-away-Geschäft rechne sich für sie leider nicht, erklärt Nascimento. Geld kommt also keines rein – doch die laufenden Kosten müssen weiter bezahlt werden. Pacht, Versicherungen, Krankenkasse, Wasser, Strom, Gas, zählt der Wirt auf und spricht von Fixkosten in Höhe von rund 4.000 Euro. Von der Bundesregierung seien im Dezember 1.300 Euro Überbrückungshilfe geflossen, im Januar 1.043 Euro. „Das reicht vorne und hinten nicht“, beschreibt der Wirt die prekäre finanzielle Situation.

Deshalb ist die große Hoffnung des Paares, möglichst bald wieder öffnen zu können. „Wir halten uns aus diesem Grund auch brav an alle geltenden Regeln, vermeiden alle unnötigen Kontakte, damit das alles bald vorbei ist und wir wieder aufmachen können“, sagt der Gastwirt. (Von Kerstin Biehl)

Die aktuellen Entwicklungen der Pandemie in der Region lesen Sie in unserem Corona-News-Ticker.

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