Ende des Jahre nimmt E.ON ersten neuen Kohlebunker in Betrieb.

Zweites Lager offen

Noch staubfrei sind die Förderbänder, die die Kohle zum Lager und zu den Brennern transportieren.

Großkrotzenburg - Auf ihrem Lieferwagen werben die Zimmerleute mit Zäunen und Balkongeländern. Zurzeit wickeln die Handwerker aus Unterfranken einen Auftrag ab, den es nicht alle Tage gibt: Sie schwingen zwar auch im Freien den Hammer, aber in 57 Meter Höhe deutlich über dem üblichen Balkonniveau.

Sie montieren aus Fichtenholz-Leimbindern das Gebälk über dem neuen geschlossenen Kohlelager am Kraftwerk Staudinger, eine frei tragende Konstruktion, die ein Rund von 126 Metern Durchmesser überspannt.

Am Donnerstag war Richtfest, am Jahresende soll der Bunker in Betrieb genommen werden. Die Arbeiten seien weitgehend im Zeit- und Kostenrahmen, sagte gestern bei einer Besichtigungstour für Journalisten Bauleiter Arne Köhler. 60 Millionen Euro kostet das Projekt, zu dem neben dem Lagerhaus auch noch eine neue Bahnentladestation und Förderbandstrecken von rund fünf Kilometer Länge gehören. Bislang lagern bis zu 300 000 Tonnen Kohle unter freiem Himmel, werden mit riesigen Radladern auf die Förderbänder gebracht, die zu den Öfen führen, eine staubige Angelegenheit. Künftig soll der Kohletransport in einem weitgehend geschlossenen System erfolgen.

Etwa 90 Prozent der Arbeiten sind nach Angaben des Bauleiters abgeschlossen. Fertiggestellt ist die neue Bahnentladestation. Dort können künftig Züge mit bis zu 44 Waggons ihre Ladung abkippen, pro Zug 2860 Tonnen. Bislang mussten Zügen in Großkrotzenburg in kleinere Einheiten geteilt werden. Diese Lärmbelastung falle nun weg. Vier bis fünf Minuten dauert es, bis ein Waggon seine Fracht abgeladen hat. Aufsteigender Kohlestaub wird dabei abgesaugt und über Filter zurückgewonnen.

Über Förderbänder erfolgt teils unterirdisch der Weitertransport der Kohle entweder direkt zu den Brennern oder in das neue Lagerhaus. Der Bunker kann maximal 220 000 Tonnen fassen. Voll ausgeschöpft werden könne die Kapazität nur, wenn eine einzige Kohlesorte gebunkert werde, sagte Köhler. Bei Brennstoff unterschiedlicher Qualität müssen in dem weiten Rund jeweils eigene Halden geschüttet werden.

Bewegt wird die Kohle durch eine Förderanlage, die an einem Stahlturm in der Mitte montiert ist. Über einen im Kreis schwenkbaren Ausleger wird das Material verteilt, ein so genannter Kratzer schabt die Kohle aus dem Lager auf das Förderband zu den Öfen. Gesteuert wird die Anlage von außerhalb.

Zunächst versorgt der Bunker Block 5, der bei Volllast 160 Tonnen pro Stunde verbrennt. Auf dem frei werdenden Areal des alten Kohlelagers will E.ON einen neuen Steinkohle-Block 6 errichten.

Für einen zweiten Bunker hat die Firma bereits eine Baugenehmigung. Ob das zweite, baugleiche Lager kommt, werde aber noch geprüft, hieß es gestern. Auch mit der Lagerkapazität nur eines Bunkers könnte Block 6, für den zurzeit das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren läuft, betrieben werden.

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