Freiwillige helfen Amphibien über Straße

1300 Kröten zum See getragen

+
Ein Krötenpärchen – die Männchen lassen sich gern von den Weibchen tragen – hält Claus Cornelsen an der Rembrücker Straße in die Kamera. Das Bild zeigt außerdem Susan Abdou (rechts), Dirk Sattler (Zweiter von rechts) und Christine Hauck (links).

Heusenstamm - Schon im Januar mussten die Helfer von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zum ersten Mal in aller Frühe raus, um Kröten über die Fahrbahn der Rembrücker Straße zu helfen. Von Claudia Bechthold

Ungewöhnlich milde Temperaturen hatten die Tiere animiert, den Weg zu ihrem Laichplatz im Schermsee anzutreten. Jetzt geht die Wanderzeit der Amphibien zu Ende. Und die Aktiven hoffen, dass den Kröten und Fröschen im nächsten Jahr eine Tunnelanlage zur Verfügung steht. Es ist der Instinkt, der die Amphibien dazu bringt, im Frühjahr, wenn es etwas wärmer wird, den heimischen Wald zu verlassen und zu jenem Gewässer zu wandern, in dem sie selbst von der Kaulquappe zur Kröte herangewachsen sind. Im Wald bei Martinsee leben viele dieser Tiere, die es jedes Jahr zum Laichen in den Schermsee auf der anderen Seite der Rembrücker Straße drängt.

Bisher benötigten sie dazu die Hilfe der Menschen. Denn die Autos sind nicht nur wegen des Überfahrens eine große Gefahr für die Kröten. „Allein der Druck eines schnell vorbeifahrenden Fahrzeugs genügt, um eine Kröte zu töten“, weiß Christine Hauck, Vorsitzende des Heusenstammer Ortsverbands in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Sie zählt zu jenen Freiwilligen, die im Frühling am frühen Morgen die Fangzäune entlang der Fahrbahn ablaufen, um die Amphibien aus den eingegrabenen Eimern zu holen und ans Ufer des Schermsees zu tragen.

Mehr als 1300 Tiere hat sie in diesem Jahr gemeinsam mit anderen Helfern vor dem Unfalltod bewahrt. Es waren allerdings – vermutlich wegen der zunächst milden, später wieder frostigen Temperaturen – wesentlich weniger Kröten und Frösche als in manchem Jahr zuvor. „Wir hatten auch schon bis zu 2400 Tiere“, sagt Christine Hauck.

Bizarre Tierwelt am Mekong: Forscher entdecken 115 Arten

Die Naturschützer hoffen indes, dass sie im nächsten Jahr nicht erneut zu Wanderhelfern werden müssen. Denn die Stadt plant den Bau von Krötentunneln, die unter der Fahrbahn der Rembrücker Straße entstehen werden. Die Kosten für diese Maßnahme, die von Bürgermeister Halil Öztas im Januar auf eine Höhe von 180.000 Euro beziffert worden war, sollen komplett gefördert werden. Der größte Teil des Geldes stammt danach aus einem Naturschutz-Topf. Einen kleineren Teil steuert die Fraport AG bei.

Wann mit dieser Baumaßnahme begonnen werden kann, ist derzeit noch nicht bekannt. Geplant war bisher, das Projekt im Spätsommer oder Frühherbst zu starten. Für die Dauer von acht bis neun Wochen soll die Rembrücker Straße dann zunächst in die eine, dann in die andere Richtung jeweils halbseitig gesperrt werden. Denn die Fahrbahn muss aufgerissen werden, um die Röhren für die Amphibien dort verlegen zu können. Geplant sind vier bis fünf Röhren auf einer Länge von etwa 300 Metern zwischen dem Waldrand und dem Ufer des Schermsees.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare