Förster informieren Parlamentarier über Aufforstung nach Unwetter von 2019

6000 Eichen für Heusenstamms Wald

Über die Folgen des Unwetters im Sommer 2019 haben sich Stadtverordnete bei Vertretern des Forstes und Stadt informiert.
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Über die Folgen des Unwetters im Sommer 2019 haben sich Stadtverordnete bei Vertretern des Forstes und Stadt informiert.

Was geschieht auf den Waldflächen, auf denen im August 2019 ein starker Fallwind Bäume wie Streichhölzer hat umknicken lassen? Und auf denen Holz und Blattwerk durch Trockenheit, Borkenkäfer und Pilzbefall stark beeinträchtigt sind? Das wollten jetzt die Mitglieder des Ausschusses für Bau, Umwelt und Verkehr im Stadtparlament wissen und hatten zu einer Begehung in den Wald gebeten.

Heusenstamm – Die Schlossstadt hat es bei dem Unwetter im August 2019 nicht so schwer erwischt wie die Rodgauer Nachbarn, zeigen Forstamtsleiter Melvin Mika und der neue Revierleiter Michael Kobras vor der Abteilung mit der Nummer 8 an der Grenze zur Gemarkung Hainhausen. Südlich des Weges sieht es noch wüst aus, Wurzeln ragen aus der Erde, Stämme und Äste liegen verstreut. Das Hainhausener Areal hatte der extreme Wind deutlich härter getroffen.

Hinweistafeln geplant

Auf Heusenstammer Gebiet ist es entlang der Verbindung zwischen Rembrücken und Patershausen lediglich etwa ein Hektar, der jetzt eine Lichtung ist. Nur ein paar einsame Buchen ragen ohne Äste in den stahlblauen Himmel, doch auch von ihnen müssen noch einige fallen, erläutert Kobras den Teilnehmern. Die hoch aufragenden Bäume seien momentan zwar noch lebensfähig. Aber sie gefährden die Sicherheit und beeinträchtigen die Entwicklung der neuen Bäume, die Anfang Dezember gesetzt werden sollen, sagt Förster Kobras. Zudem drohe der Rinde ein „Sonnenbrand“, der tödlich wirke. In den kommenden Wochen soll die Fläche mit einem Schreitbagger weiter geräumt werden, möglichst allein mit eigenen Leuten. Beim Pflanzen setzt der Leiter auf die Hilfe von Gärtnern des städtischen Bauhofs.

Insgesamt haben die Förster 6000 Eichen, 100 Kastanien und 100 Kirschbäume aus regionaler Anzucht geordert. Diese Arten kommen besser mit Trockenheit und Stürmen zurecht, vernehmen die Zuhörer. Ein Zaun werde errichtet, um die empfindlichen Jungpflanzen zu schützen.

Bis „alles steht“ rechnet Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu mit Kosten bis zu 20 000 Euro. Die Pflege eingeschlossen seien es in den nächsten 15 bis 20 Jahren sicher 30 000 Euro pro Hektar, ergänzt Mika.

Kobras baut dabei auch auf eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit, da Kommentare etwa in Internet-Netzwerken immer wieder erkennen ließen, dass viele Bürgerinnen und Bürger nicht gut informiert sind. Der „Neue“ plant, Hinweistafeln aufzustellen, die alle Maßnahmen beschreiben und begründen. Ausdrücklich stehe er für Fragen bereit, führe auch gerne kleine Gruppen an die betroffenen Orte, bietet er an.

Leute mokierten immer wieder Fällarbeiten, betonen die Experten. Im Waldstück gegenüber dem Hofgut Patershausen unterbrechen gerade dröhnende Motorsägen die Stille, das Krachen der schweren Baumstämme erschreckt die Laien. Doch auch dort haben die Mitarbeiter von Hessen Forst keine Wahl, weist Amtsleiter Mika mit der Nähe zur S-Bahn-Linie auf die Erfordernisse der Verkehrssicherheit hin. „Die Bahn hat uns eine Frist bis Mitte Oktober gesetzt“, teilt er mit.

„Absterbe-Erscheinung ist gebremst“

Klar, Totholz biete bestimmter Fauna und Flora Lebensräume. „Wir lassen schon viel abgestorbenes Holz liegen“, versichert der Forstwirt. Seinen Erfahrungen und den von Kolleginnen und Kollegen zufolge passe die Kiefer bestens auf den sandigen Boden der Region. Und bislang sei sie auch gut mit dem Diplodia-Pilz zurechtgekommen. Durch die Trockenheit der wärmsten Sommer 2018 und 2019 habe der Befall jedoch überhandgenommen.

„Die Nadeln sterben ab, der Baum kann keine Photosynthese mehr machen“, lautet die Diagnose, aber auch: „Die Kiefer ist sehr unterschiedlich resistent“, viele Exemplare gedeihen weiter prächtig. Anders sehe das bei der Fichte aus, zehn Prozent des Bestands seien vom Borkenkäfer vernichtet. „Wie kann man am Nordpol eine Yuka-Palme setzen“, zitiert Mika die Kritik eines früheren Vorgesetzten an Fichtenkulturen im Rhein-Main-Gebiet.

Auch nach dem bislang feuchten Jahr 2021 sei der frühere Grundwasserstand in vielen Teilen der Republik nicht wieder erreicht. „Aber die Absterbe-Erscheinung ist gebremst“, meint der Mann vom Forstamt optimistisch. „Mit der Zeit kommt, was passt“, fasst Kobras die Suche nach idealen Bäumen für die Region zusammen. (Michael Prochnow)

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