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9000 Euro für Wasseranschluss: Anlieger empört

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Von: Claudia Bechthold

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Von einer Drohne aus hat Daniel Haussmann das Heusenstammer Ostend kürzlich im frühen Nebel fotografiert. Unten links ist die Ringstraße zu erkennen, parallel dazu die Ostendstraße, die in einem großen Bogen bis zur Rembrücker Straße verläuft.
Von einer Drohne aus hat Daniel Haussmann das Heusenstammer Ostend kürzlich im frühen Nebel fotografiert. Unten links ist die Ringstraße zu erkennen, parallel dazu die Ostendstraße, die in einem großen Bogen bis zur Rembrücker Straße verläuft. © Daniel Haussmann/Haussmann Visuals

Heusenstamm - Seit Ende August wird in der Ostendstraße gebuddelt. Neue Wasserleitungen werden verlegt, weil die alten marode sind. Nun sollen die anliegenden Häuser angeschlossen werden – mit zum Teil hohen Kosten. Von Claudia Bechthold

Willi Jaschek ist empört. 9000 Euro und mehr soll er für einen neuen Wasseranschluss an seinem Haus bezahlen. So hat es die Stadt jetzt ihm und gleichlautend allen Nachbarn an der Ostendstraße mitgeteilt. Seit Ende August werden die Wasserleitungen in dieser Straße komplett erneuert. Schon im März hatte die Verwaltung daher die Hausbesitzer angeschrieben. Man gehe davon aus, dass mit dem Austausch der maroden Leitungen für das Trinkwasser auch eine Erneuerung der Hausanschlüsse mindestens bis zur Grundstücksgrenze notwendig werde. Ob dann auch die Rohre bis zum Haus neu verlegt werden müssten, könne nur während der Bauarbeiten geprüft werden. Erst dann könne man auch genauere Angaben zum Umfang und den Kosten dieser Maßnahmen machen.

Am vergangenen Freitag nun erhielten die Anlieger ein weiteres Schreiben der Stadt – mit genaueren Angaben. 450 Euro je Meter müsse man für den Austausch der Hausanschlussleitung kalkulieren, heißt es darin. Im Fall vieler Gebäude entlang der Ostendstraße wären das 9000 Euro und mehr.

Gebaut wurden die nicht sehr großen Einfamilienhäuser Ende der 1950er Jahre. Die „Nassauische Heimstätte“ hatte sie auf großen, damals günstigen Grundstücken errichten lassen. Gedacht waren sie vor allem für jene Menschen, die in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus ihrer eigentlichen Heimat hatten flüchten müssen und nun Wohnraum brauchten. Die Grundstücke wurden – unterteilt in Nutz- und Ziergarten – so groß bemessen, weil sich die Menschen durch den Anbau von Obst und Gemüse sowie die Haltung von Kleintieren zum Teil selbst versorgen sollten.

Bei einem Ortstermin mit der zuständigen Sachbearbeiterin bei der Stadtverwaltung wollten einige der Anwohner gestern Vormittag offene Fragen klären. Dabei wurde vor allem der Zeitraum beklagt, in dem die Entscheidung fallen sollte, ob ein Hausanschluss erneuert werden soll oder nicht. „In nur einer Woche bekomme ich von keiner Bank eine Kreditzusage“, kritisierte eine Frau. Auch der Betrag von 450 Euro je Meter erschien manchen zu hoch. „In Bergen-Enkheim hat das 180 Euro je Meter gekostet“, sagt eine Hausbesitzerin. Und Willi Jaschek schließlich fragt, ob man die Aushubarbeiten nicht auch selbst leisten und beauftragen könne, statt jene Firma zu nutzen, die bereits den städtischen Teil ausführt.

Keiner der Anlieger werde gezwungen, den Hausanschluss erneuern zu lassen, versicherte der zuständige Fachdienstleiter Volker Hake gestern auf Anfrage. Es sei auch möglich, dies in einem oder zwei Jahren erledigen zu lassen: „Nach 60 Jahren sind diese Leitungen nun mal marode und müssen irgendwann erneuert werden.“ Die Leitungen selbst verlegen dürfe man aus Gewährleistungsgründen nicht. Den Meterpreis in Höhe von 450 Euro nannte Hake derzeit nicht ungewöhnlich. Die Erneuerungsarbeiten an den Hauptleitungen bezahlt übrigens jeder Bürger über die Gebühren.

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